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21. November 2010, 09:15 Uhr

"Jeder Sommer war Rausch ohne Wein"

Er ist erfolgreicher Künstler, Unternehmer und gilt als der letzte Playboy. Im stern.de-Interview spricht Gunter Sachs über seine Ausstellung in Moskau, erzählt von den goldenen Zeiten in St. Tropez - und verrät, weshalb ihm das Schicksal der Opel-Werke besonders nahe geht. Von Carsten Heidböhmer

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Die Nähe zu schönen Frauen hat ihm schon immer behagt: Gunter Sachs vor der Fotografie "Isadora Duncan Claudia Schiffer"© Jens Schlueter/DDP

Es gibt Menschen, denen einfach alles zu gelingen scheint. Bei denen alles, was sie anfassen, zu Gold wird. Gunter Sachs gehört zu jenen seltenen Menschen, die ihr Glück in den verschiedensten Bereichen gesucht - und gefunden - haben. Der 1932 Geborene war zunächst als Unternehmer erfolgreich. 1959 wurde er Junioren-Europameister im Zweierbob. In den 60er und 70er Jahren produzierte er sechs Dokumentarfilme, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Ab 1974 präsentierte sich Sachs als Fotokünstler - bis heute wurden seine Werke in mehr als 40 internationalen Ausstellungen gezeigt.

Viel Geld verdiente er auch als Kunstsammler. Schon früh kaufte er Werke von damals noch unbekannten Künstlern wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein auf - um sie später mit Millionengewinn zu verkaufen. Für großes Aufsehen sorgte er in den 90er Jahren mit dem Buch "Die Akte Astrologie", in dem einen Zusammenhang zwischen den Sternzeichen und dem menschlichen Verhalten wissenschaftlich nachwies - und damit einen internationalen Bestseller landete.

Aber auch als öffentliche Figur war Sachs schillernd. Er galt in den 50er und 60er Jahren als Paradiesvogel des internationalen Jet-Sets, er war der Prototyp des Playboys, der mit Stil, Niveau und Geschmack die schönsten Frauen um sich versammelte. Mitte der 60er Jahre war er mit der Schauspielerin Brigitte Bardot verheiratet - die beiden waren damals das Traumpaar ihrer Zeit. Seit 1969 ist er mit dem schwedischen Model Mirja Larsson verheiratet, das Paar hat zwei Kinder.

Derzeit sind seine Fotografien in einer großen Ausstellung im Tsaritsyno-Palast in Moskau zu sehen. Da Sachs nach wie vor rastlos durch die Welt jettet, ist das Interview per Mail geführt worden.

Herr Sachs, eigentlich sollte Ihre Retrospektive im Leipzig vergangenes Jahr Ihre letzte Ausstellung sein. Gibt es einen besonderen Grund, weshalb Sie jetzt in Moskau ausstellen?

Moskau, das ich schon aus den 60er Jahren als neugieriger Weltenbummler kannte, war außer seinen Museen eine graue und freudlose Metropole. Heute ist es eine faszinierende Stadt. Dazu kamen eben die großartigen Räumlichkeiten des Museums mit seinen drei Vorführräumen für meine Filme, was mir ungemein entgegenkam.

Es ist bereits Ihre dritte Ausstellung in Russland. Haben Sie eine besondere Verbindung zu diesem Land?

Ja - vielleicht ist es das Quäntchen russischen Bluts in meinen Adern oder die Freundschaft mit den russischen Prinzen während meiner Pariser Zeit, die mich zum Teil formte, oder auch eine tiefe Liebe, die mich mit der russischen Malerin Paule Cals verband. In meiner Jugend war ich zudem ein schwärmerischer Bewunderer von George Gamov, einem Mitarbeiter von Edward Teller und Begründer der Urknall-Theorie, der glänzende und amüsante wissenschaftliche Bücher schrieb. Und schließlich habe ich eine innere Beziehung zur 'Russischen Seele', die ich nicht leugnen kann.

Warum gelingt es heute so wenigen Prominenten, wirtschaftlichen Erfolg und ein stilvolles Leben miteinander zu verbinden, so wie Sie das in den 60er Jahren vorgelebt haben?

Ich hatte wohl auch Glück. So wie ich Kunst nicht als Geldanlage gesammelt habe, sondern um der Kunst willen und weil ich mit den meist befreundeten Künstlern denselben Zeitgeist atmete. Das verstehe ich unter Glück. In den 50er Jahren entdeckten wir St. Tropez und das freiere Leben - aber nicht um als Entdecker gefeiert zu werden, sondern weil jeder Sommer 'Rausch ohne Wein' war. Und so war es wohl auch bei manchen anderen Dingen - Teil eines roten Fadens, der sich durch mein Leben zieht.

Sie sind seit 40 Jahren verheiratet. Trotzdem gibt es keinen Artikel über Sie, in dem nicht das Playboy-Image erwähnt wird. Woran liegt das?

Die Presse macht gewisse Menschen zu Titanen, andere zu Playboys in entstelltem Sinne, wie "Playboy Xaver Leemann, Wäschereibesitzer in Berlin, feiert Orgien mit Fünfzehnjährigen". Sie ist dann stolz, einen 'neuen' Begriff gefunden zu haben - und behält ihn bedenkenlos bei. Wo gibt's schon Boys mit 77?

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