Was tun, wenn uns im Alltag der Heißhunger packt? Lassen Sie es gar nicht so weit kommen! Ein Psychologe gibt Tipps, wie sich Impulse austricksen lassen. Von Corinna Schöps
Nein, wir können die Stärke unseres Verlangens durchaus beeinflussen, wie die jüngere Forschung zeigt.
Impulse stellen Weichen im Gehirn, bevor wir es bemerken: Wenn uns die Lust auf Schokolade oder auf eine Zigarette bewusst wird, fahren wir häufig schon auf dem falschen Gleis. Man kann dieses Verlangen verhindern oder wenigstens minimieren, wenn man früh in den Prozess eingreift. Was uns Wissenschaftler überrascht hat: Das ist gar nicht so schwierig, doch viele Menschen nutzen diese Chance nicht. Andere hingegen schaffen das sehr gut.
Nein, verblüffenderweise nicht. Im Gegenteil: Leute, die den Verlockungen des Alltags besser widerstehen können, setzen häufig sogar weniger Willenskraft ein. Sie haben einfach die klügeren Strategien und handeln präventiv: Sie ringen nicht heroisch eine Versuchung nach der anderen nieder, sondern richten ihr Leben so ein, dass sie nicht ständig in Versuchung kommen.
Nein, die sind genauso verführbar. Sie gehen nur offensiver mit ihren Gelüsten um und rechnen mit ihnen. Die menschliche Selbstkontrolle läuft in einer Reihe von Hirnprozessen ab, und die Willenskraft steht erst hinten, als letzte Veto-Instanz. Wenn sie auf den Plan tritt, befinden sich der Impuls "Ich möchte jetzt gerne dieses Törtchen essen" und der Vorsatz "Wunschfigur" schon vernehmbar im Widerstreit.
Die evolutionär jüngeren Areale unseres Gehirns verfolgen andere Interessen als die älteren. Die jüngeren befähigen uns zu planen, Zukunftsziele zu verfolgen und sie mit dem Willen durchzusetzen. Die älteren Teile erzeugen die Impulse und beziehen sich auf das Glück im Hier und Jetzt. Sie sind wichtig, weil sie dafür sorgen, dass wir essen, schlafen und Sex haben. Das Hirn belohnt daher bestimmtes Verhalten mit Wohlgefühl. Um an eine schnelle Belohnung zu kommen, nehmen die Impulse das Denken jedoch mitunter in Geiselhaft. Die Schokolade schmeckt ja sofort - beim Abnehmen kann es etwas dauern, bis Sie sich zufrieden fühlen.
Nein, da arbeitet das Belohnungssystem viel raffinierter. Es schleicht sich heimlich in die Gedanken hinein. Dann grübeln Sie immer intensiver darüber nach, wie schön es doch wäre, jetzt das Törtchen zu essen. Dieses sogenannte Ruminieren ist ziemlich gefährlich.
Übernommen aus ...
Ausgabe 01/2013
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