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8. März 2010, 20:12 Uhr

Die Fettpolster sind nicht das Problem

Sind Fettpolster schädlich - oder sogar hilfreich? Zwei US-Forscher präsentieren eine neue These, wie das gefährliche Metabolische Syndrom mit Bluthochdruck und schlechten Blutwerten entsteht.

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Zwei Drittel der US-Amerikaner sind übergewichtig© Franka Bruns/AP

Fettpolster sind nicht die Ursache dafür, dass ein Mensch unter Bluthochdruck sowie zu hohen Blutfett- und Zuckerwerten leidet. Die Rundungen könnten sogar erst einmal vor diesen Beschwerden, die unter dem Begriff "Metabolisches Syndrom" zusammengefasst werden, und den danach entstehenden Krankheiten wie Diabetes schützen. Das vermuten die US-Forscher Roger Unger und Philipp Scherer, die ihre These im Fachmagazin "Trends in Endocrinology and Metabolism" präsentieren.

Sie werfen dabei keineswegs die bestehenden Theorien völlig um. Die Basisbedingung für das Metabolische Syndrom ist eine dauerhaft zu hohe Kalorienzufuhr. Aber die daraus resultierenden Fettpolster sind noch kein Problem. Sie entstehen, weil der Körper richtig auf die Überdosis Energie reagiert, indem er das Fett im dafür vorgesehenen Gewebe speichert. So würden die Organe vor dem schädlichen Einfluss des Fettes geschützt.

Experiment: Dünne Mäuse bekommen schneller Diabetes

Für diese Schutzfunktion von Übergewicht gebe es viele Hinweise, berichten die Wissenschaftler. So zeigten beispielweise Studien an genetisch manipulierten Mäusen, dass das Speichern von Fett im Fettgewebe die negativen Auswirkungen einer erhöhten Kalorienzufuhr verzögert. In den Versuchen entwickelten Mäuse, die wenig Fett einlagern konnten, schneller Diabetes als Mäuse, die erst dick wurden.

"Der Körper korrigiert zwar unsere Versäumnisse und nimmt die überschüssigen Kalorien aus dem System", erklärt Unger. Das ist aber nur für eine begrenzte Zeit möglich - irgendwann ist das Fettgewebe überfordert. Danach wird das Fett an anderen Orten wie in der Leber oder in den Muskeln gespeichert - mit den bekannten Nebenwirkungen wie zum Beispiel Diabetes oder Fettleber. Eine Schlüsselrolle beim Übergang von den schützenden Fettablagerungen zum Metabolischen Syndrom spielt nach Ansicht der Wissenschaftler das Hormon Leptin. Es bestimmt neben seiner appetithemmenden Wirkung auch, wie das Fett im Körper verteilt wird. Menschen, die aufgrund ihrer genetischen Veranlagung gut auf das körpereigene Leptin ansprechen, entwickeln trotz Übergewicht oft für lange Zeit kein Metabolisches Syndrom.

Allerdings verliert dieses Hormon ab einem bestimmten Alter seine Wirkung: Die Natur beende diesen Schutz, sobald der Mensch nicht mehr im fortpflanzungsfähigen Alter sei, sagt Unger. Spätestens dann werden bewusste Ernährung und regelmäßige Bewegung noch wichtiger.

Die Idee: Kalorien müssen teurer werden

Die Forscher schließen ihren Bericht mit einer Idee. "Man stelle sich folgendes vor: Die US-Bürger sind unwissentlich Teilnehmer der größten (300 Millionen Probanden) und längsten (50 Jahre) klinischen Studie, die zum Ziel hat zu ergründen, ob die schädliche Wirkung einer hohen Kalorienzufuhr, die bei Nagetieren beobachtet wurde, auch beim Menschen auftritt. Jetzt ist das Ergebnis klar: Nach 50 Jahren mit einer billigen, kalorienreichen Ernährung mit viel Fett und Kohlenhydraten sind 200 Millionen Teilnehmer übergewichtig und mehr als 50 Millionen leiden am Metabolischen Syndrom." Da sowohl das Gesundheitswesen als auch die Pharmaindustrie nicht in der Lage waren, diese Epidemie aufzuhalten, müsse man die "Schnäppchen-Kalorien" abschaffen. Durch entsprechend hohe Preise könnte man das Übergewicht sozusagen vom Markt verdrängen. Dass dieser Vorschlag allerdings einige gravierende Auswirkungen hätte, geben die Forscher auch gleich zu.

bub
 
 
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