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28. Januar 2006, 10:40 Uhr

Spannungskopfschmerz

Für dieses Leiden bietet die Komplementärmedizin wirksame Mittel und Verfahren - ausgerechnet einige der populärsten Methoden fallen bei näherer Betrachtung durch. Von Edzard Ernst

 
Alternativmedizin

© Illustration: Rinah Lang

Der so genannte Spannungskopfschmerz ist die häufigste Form von Kopfschmerz. Chronisch tritt er bei etwa drei Prozent aller Menschen auf, in Episoden sind zwischen 20 und 30 Prozent der deutschen Bevölkerung von ihm betroffen. Spannungskopfschmerzen quälen meist beidseitig, werden als drückend oder ziehend wahrgenommen und sind - im Gegensatz zur Migräne - von mäßiger Intensität. Während Migräne oft von Lichtempfindlichkeit und Übelkeit begleitet wird, fehlen diese Symptome beim Spannungskopfschmerz meist vollständig. Die Dauer der Beschwerden sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und liegt zwischen 30 Minuten und sieben Tagen.

Besonders häufig tritt das Leiden im Zusammenhang mit Stress, Angst, Depression und Medikamentenmissbrauch auf. Oft findet sich allerdings keine fassbare Ursache des Spannungskopfschmerzes. In vielen Fällen verschreiben Ärzte Schmerzmittel, die weisen aber natürlich Nebenwirkungen auf. Deshalb wenden sich zahlreiche Patienten komplementärmedizinischen Mitteln und Verfahren zu. Einige davon sind vielversprechend.

Gegen akute Attacken von Spannungskopfschmerzen kann Pfefferminzöl helfen. Das zeigt eine deutsche Studie, in der Patienten das Öl auf die Schläfen auftrugen. Diese Behandlung erwies sich in der Untersuchung als ebenso erfolgreich wie die Einnahme von Schmerzmitteln und deutlich besser als eine Placebo-Therapie. Eine ähnliche Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass mit dem chinesischen Tiger Balm Kopfschmerzen erfolgreich behandelt werden können, wenn es auf die Schläfen aufgetragen wird.

Individualisiert verschriebene Homöopathika sind bei Kopfschmerzen zwar beliebt, jedoch wenig wirksam. Eine deutsche Studie zeigt, dass diese Behandlungsform weder bei Spannungskopfschmerzen noch bei Migräne besser wirkt als ein Placebo. Ebenso enttäuschend ist die Datenlage für zwei weitere komplementärmedizinische Verfahren: Akupunktur und Chiropraktik. Das ist verblüffend, da beide Methoden von Anhängern dieser Methoden häufig zur Therapie des Kopfschmerzes empfohlen werden.

Vielversprechende Daten liegen hingegen zu anderen komplementären Behandlungsweisen vor. So zeigt eine kontrollierte Studie, dass Autogenes Training, eine autohypnotische Entspannungstechnik, bei Spannungskopfschmerzen hilft. Und eine Vielzahl von Studien demonstriert, dass verschiedene Varianten von Biofeedback bei Kopfschmerzen erfolgreich sind. Biofeedback ist eine Methode, bei der Signale des Körpers (wie etwa Hirnströme) wahrnehmbar - zum Beispiel hörbar oder sehbar gemacht - werden. Das ermöglicht es zu lernen, diese Körpersignale der willkürlichen, das heißt bewussten Kontrolle zu unterwerfen. Einige Studien implizieren ferner, dass Hypnotherapie bei Kopfschmerzen hilft. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass manche Menschen besser hypnotisierbar sind als andere. Diese Methode ist also sicher nicht für jeden Kopfschmerzenpatienten die richtige. Sowohl Biofeedback als auch Hypnotherapie haben unter anderem entspannende Effekte. Auch einige spezielle Entspannungstechniken, wie zum Beispiel die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, sind bei Kopfschmerzen aussichtsreich.

Bei all diesen Verfahren ist es nicht einfach, zwischen spezifischen und unspezifischen (Placebo-)Effekten zu unterscheiden. Für den Patienten ist diese Frage allerdings zweitrangig. Für ihn zählt schließlich vor allem, dass seine Schmerzen gelindert werden - und nicht, warum.

Übernommen aus ... GesundLeben GesundLeben
Ausgabe 1/2006

Prof. Dr. Edzard Ernst, Leiter der Abteilung für Komplementärmedizin an der Universität Exeter, ist Experte für die wissenschaftliche Beurteilung alternativer Heilmethoden.

Von Edzard Ernst
 
 
Ratgeber Alternativmedizin

Edzard Ernst leitet die Abteilung für Komplementärmedizin an der Universität Exeter

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