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Kopfschmerz: Jugendlichen brummt der Schädel

Mehr als ein Drittel aller Jugendlichen in Deutschland leidet unter wiederkehrenden Kopfschmerzen - das zeigt eine große Studie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Mädchen sind wesentlich häufiger betroffen - besonders, wenn sie auf dem Gymnasium sind.

Mädchen leiden fast doppelt so häufig unter Kopfschmerzen wie die Jungs

Mädchen leiden fast doppelt so häufig unter Kopfschmerzen wie die Jungs

Die Forscher befragten mehr als 3.000 Schüler von Haupt-, Real- und Privatschulen sowie von Gymnasien aus. Sieben von zehn Teenagern gaben an, innerhalb der letzten drei Monate mindestens einmal Kopfschmerzen gehabt zu haben - 79 Prozent der Mädchen und 60 Prozent der Jungen.

Geschlechterunterschied bei Migräne am deutlichsten

Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen war der Geschlechtsunterschied noch deutlicher: Darunter litten 48 Prozent der 12- bis 15-jährigen Mädchen, aber nur 26,5 Prozent der gleichaltrigen Jungen. Bei den Mädchen stieg die Häufigkeit von solchen Kopfschmerzen mit dem Alter an, von 43 Prozent mit 12 Jahren auf 54 Prozent mit 15 Jahren. Bei Jungen war der altersbedingte Anstieg unbedeutend. Am stärksten war die Geschlechterdifferenz bei Migräne: Daran leiden im Alter von 15 Jahren zwölf von 100 Mädchen, aber nur vier von 100 Jungen.

Als Hauptgrund für den Geschlechtsunterschied sieht Volker Pfaffenrath, einer der Autoren der Studie, die Hormone: "Die Migräne ist eng gebunden an die Menstruation. Nach der ersten Monatsblutung verändert sich das Geschlechterverhältnis bei Migräne zu 2,5 zu 1."

Die Forscher ermittelten auch, dass die Tendenz zu Kopfschmerzen mit höherer Bildung steigt. Kopfschmerzen während der vorausgegangenen drei Monate hatten rund 18 Prozent der männlichen Hauptschulabsolventen, aber 28 Prozent der Gymnasiasten. Bei den Mädchen waren es 39 und 51 Prozent.

Jugendliche nehmen Medikamente und gehen nicht zum Arzt

Volker Pfaffenrath sieht den Grund eindeutig in einer Mehrbelastung dieser Schüler. "Die Migräne wird durch Stress und hohe Erwartungshaltung hervorgerufen", so Pfaffenrath. Soziale Faktoren spielten hierbei keine Rolle, Studien aus den USA wiederlegten laut Pfaffenrath diesen möglichen Zusammenhang.

Auch der Umgang mit den Kopfschmerzen wurde in der Studie abgefragt. Ergebnis: Nur etwa jeder vierte Jugendliche konsultiert wegen wiederholter Kopfschmerzen einen Arzt, nur drei Prozent suchen einen Neurologen oder Kopfschmerzexperten auf. Über die Hälfte der Jungen und mehr als 60 Prozent der Mädchen nehmen aber Medikamente. Auf die Frage, welche Medikamente sie nehmen, nannten die Jugendlichen die frei verkäuflichen Substanzen Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Ibuprofen. Aber auch das verschreibungspflichtige Metamizol wird eingesetzt. "3,6 Prozent der Schüler nehmen zu viele Schmerzmittel ein, vor allem Aspirin und Paracetamol", sagt Pfaffenrath besorgt. Hoher Schmerzmittelkonsum ist laut Pfaffenrath ein Risikofaktor für chronischen Kopfschmerz im Erwachsenenalter.

Um den zu verhindern und die auslösenden Mechanismen zu verstehen, sollten betroffene Jugendliche daher ein Kopfschmerztagebuch führen. Studien zeigen nach Angaben der Gesellschaft, dass während der protokollierten Zeit die Häufigkeit der Beschwerden sinkt. Wenn Jugendliche verstehen, was ihren Kopfschmerz verursacht, können sie solche Faktoren wie etwa Alkoholkonsum oder Schlafentzug meiden.

lub/AP / AP
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