Teil 1 Kopfschmerzen


Er kann pochen, stechen, ziehen und hämmern, hinter der Stirn, unter den Augen, zwischen den Schläfen oder vom Nacken bis zum Kinn: Kopfschmerz.

165 verschiedene Formen unterscheidet die Weltgesundheitsorganisation WHO; aus eigener Erfahrung wissen drei Viertel aller Deutschen, dass auch die immer gleiche Variante sie für Stunden, ja ganze Tage außer Gefecht zu setzen vermag.

Ist die Nase verstopft oder zu viel Alkohol geflossen, dann liegt die Ursache der Pein nahe: Das Kopfweh ist nur Symptom. Warum der Schädel aber ganz ohne Grippe oder Kater brummt, ist für die meisten Leidenden ein Rätsel. Selbst Schmerzforscher haben keine endgültige Erklärung für diesen so genannten primären Kopfschmerz gefunden. Das heißt jedoch nicht, dass es keine wirksame Hilfe dagegen gäbe.

Migräne und Spannungskopfschmerz

Über 90 Prozent der Betroffenen leiden an einer von zwei Formen, an Migräne oder am Spannungskopfschmerz oder beidem. Ein Migräneanfall kündigt sich bei manchen Menschen mit einer "Aura" an. Sie sehen Blitze oder verschwommene Bilder, ihr Gleichgewicht kann gestört sein. Kurz darauf folgt ein mäßiger bis starker, meist einseitig pulsierender Schmerz, der sich bei Anstrengung verschlimmert. Gesellen sich Schwindel und Übelkeit dazu, gibt es unbehandelt nur einen Ausweg: Hinlegen, Ruhe, Dunkelheit und Abwarten. Nach maximal 72 Stunden geht die Attacke vorüber.

Der Spannungskopfschmerz drückt oder zieht leicht bis sehr stark und beidseitig. Er wird durch körperliche Aktivität nicht verstärkt, eine Aura, Schwindel oder Übelkeit sind selten. Glaubten Mediziner früher, Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule seien der Grund für das Leiden - daher der Name -, gelten diese inzwischen nur als ein möglicher Auslöser von vielen. Heute nimmt man an, dass die Ursache in einem zeitweiligen Mangel an dem Botenstoff Serotonin liegt - infolge individueller Empfindsamkeiten etwa für Stress, zu wenig Schlaf, hohen Nikotin- oder Fernsehkonsum. Eine gesunde und maßvolle Lebensweise beugt deshalb zuverlässig vor.

Migräne ist keine psychische Erkrankung

Auch bei der Migräne kommt es darauf an, zunächst nach möglichen Auslösern einer Attacke zu fahnden. Sie ist verbreiteten Vorurteilen zum Trotz keine psychische Erkrankung: Während eines Anfalls wird die Aktivität bestimmter Nervenzellen im Gehirn gehemmt, zudem reizt eine Art Entzündung an den Arterien die Schmerzsensoren. Bei anfälligen Menschen kann jede Situation, in der der Körper Veränderungen abfangen muss, einen solchen Anfall auslösen. Bekannte "Trigger": Wetterumschwünge, Wechsel zwischen Job und Entspannung ("Wochenendmigräne"), hormonelle Veränderungen ("Menstruationsmigräne"), aber auch Lebensmittel, Alkohol oder Gerüche.

Erste Maßnahme zur Selbsthilfe: Beobachten Sie, wann der Schmerz auftritt und welche Verursacher dahinterstecken könnten. Mit einem Kopfschmerztagebuch, in das Sie Dauer und Intensität sowie alle Aktivitäten der vorangegangenen 24 Stunden eintragen, lässt sich der "Übeltäter" oft nach wenigen Wochen ermitteln. Ist es der Saunabesuch, lassen Sie ihn sein. Streckt die Anspannung im Job Sie nieder, lernen Sie Entspannungstechniken wie Yoga. Schmerzt der Kopf nach langem Lesen oder in der Pillenpause, lassen Sie Augen oder Hormonspiegel prüfen. Regelmäßiges Joggen oder Radfahren wappnet den Kopf wirkungsvoll gegen die Schmerzempfindlichkeit.

Medikamente maßvoll gebrauchen

Bei akuten Kopfschmerz-Anfällen kommt es auf schnelles Handeln an. Einige Tropfen Minzöl, die sanft in die Schläfen massiert werden, können bei leichten Beschwerden Wunder wirken. Wummert es stärker, helfen rezeptfreie Schmerzmittel aus der Apotheke. Die wichtigsten Wirkstoffe sind Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Ibuprofen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt eine einmalige Dosis von je 500 Milligramm ASS, 400 Milligramm Paracetamol und 100 Milligramm Koffein (als Kombinationspräparat im Handel). Gleichwertig wirkt aber auch eine Einzeldosis von 1000 Milligramm ASS oder Paracetamol. Ebenso: eine Einzeldosis mit 400 Milligramm Ibuprofen. Für eine höhere Effizienz von Kombinationen mit Vitamin C gibt es keinen Beleg. Hingegen erleichtern Magentropfen wie Metoclopramid die Aufnahme des Schmerzmittels und wirken auch gegen Übelkeit.

Entscheidend ist ein maßvoller Gebrauch der Medikamente. Werden Schmerz- und Migränemittel zu häufig eingenommen, steigt das Risiko, einen schwer behandelbaren, medikamentenbedingten Kopfschmerz zu entwickeln. Zudem kann Paracetamol die Leber, ASS und Ibuprofen den Magen und die Nieren angreifen. Alle Mittel sollten daher stets mit viel Wasser eingenommen werden, um Magen, Darm und Speiseröhre nicht unnötig zu belasten. Und schließlich gilt: Medikamentöse Maßnahmen helfen nur zeitweilig, entscheidend ist, dass die Patienten auch bereit sind, ihre Lebensweise auf die Krankheit einzurichten.

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Peter Mitznegg, Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin an der Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin

Katja Trippel print

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