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Ratgeber Alternativmedizin: Den Reizdarm bändigen

Funktionsstörungen im Unterleib können quälende Folgen haben. Zum Glück sind dagegen lindernde Kräuter gewachsen. Welche das sind, weiß Prof. Edzard Ernst.

Das Reizdarmsyndrom ist gekennzeichnet durch Schmerzen im Unterleib, Durchfall im Wechsel mit Verstopfung und Blähungen. Typisch ist, dass keine Entzündungszeichen vorliegen und dass alle Untersuchungen Normalbefunde ergeben. Das Leiden wird durch eine Ausschlussdiagnose festgestellt: Der Arzt untersucht auf alle anderen bei diesen Symptomen möglichen Erkrankungen. Kann er sie ausschließen, stellt er die Diagnose "irritables Kolon".

Funktionelle Darmstörungen sind extrem häufig - bis zu 15 Prozent der Weltbevölkerung leiden daran. Obschon viele Ärzte diese Erkrankungen nicht sehr ernst nehmen - schließlich sind keine wirklichen Abnormalitäten feststellbar -, steht außer Frage, dass die Betroffenen häufig schwer leiden.

Die Ursache des Leidens ist unbekannt

Da die Ursache des Leidens unbekannt ist, kann sie auch nicht behandelt werden. Die konventionelle Therapie des Reizdarmsyndroms ist deshalb darauf ausgerichtet, dessen Symptome zu lindern: Der Arzt verschreibt zum Beispiel milde Abführmittel, wenn eine Verstopfung vorliegt, oder er setzt eine medikamentöse Behandlung gegen Durchfall ein, falls dies das bedeutendste Symptom ist. Diätberatung ist eine weitere wichtige Behandlungsstrategie. Vielen Betroffenen kann mit diesen Therapien nicht geholfen werden. Es verwundert nicht, dass solche Patienten sich nach anderen Behandlungsformen umschauen. Insbesondere die Pflanzenheilkunde hat hier einiges zu bieten.

Insgesamt acht klinische Studien haben die Wirksamkeit von Pfefferminzöl getestet. Ihre Ergebnisse sind zwar nicht einheitlich positiv, aber doch vielversprechend. Sie deuten stark darauf hin, dass Pfefferminzöl die Symptome der Erkrankung lindert. Allerdings ist darauf zu achten, dass magenresistent verkapselte Präparate verwendet werden; nur so kommt das Mittel auch tatsächlich unverdaut am Wirkort, dem Kolon (Darm), an. Pfefferminztee ist daher keine gute Lösung. Iberogast ist ein in Deutschland weit verbreitetes pflanzliches Kombinationspräparat. Einige Studien zeigen, dass dieses Mittel die abdominellen Schmerzen bei irritablem Kolon deutlich reduziert.

Ein pflanzliches Kombinationspräparat, das in Deutschland auf ärztliches Rezept erhältlich ist, ist Padma Lax. Es kommt aus der tibetischen Pflanzenheilkunde. Eine Plazebo-kontrollierte Studie zeigt, dass dieses Mittel, wenn es über drei Monate genommen wird, bei Patienten mit Reizdarmsyndrom, die speziell an Verstopfung leiden, die Symptome lindert.

Ballaststoffe werden empfohlen

Häufig werden auch Ballaststoffe empfohlen, insbesondere Plantago ovata (indischer Flohsamen-Wegerich). Hierzu liegen drei Studien vor, von denen zwei zu positiven Ergebnissen kommen und eine zu negativen. Unterm Strich sind die Daten also vielversprechend, aber nicht völlig überzeugend. Auch für Probiotika ist die Datenlage nicht einheitlich. Die Mehrzahl der Studien spricht jedoch dafür, dass die regelmäßige Einnahme von Probiotika die Symptome des irritablen Kolons lindert, insbesondere Blähungen.

Und was bieten die komplementärmedizinischen Therapien jenseits der Pflanzenheilkunde und Nahrungsergänzungsmittel? Für Akupunktur und für Biofeedback liegen sowohl positive als auch negative Studien vor. Die Datenlage ist hier insgesamt wenig überzeugend. Erste positive Forschungsergebnisse wurden für Meditation, Yoga und Verhaltenstherapie vorgelegt. Allerdings bedürfen sie erst noch einer Überprüfung, ehe Empfehlungen ausgesprochen werden können.

Für Hypnotherapie sind die Daten dagegen ganz eindeutig positiv: Hier gibt es inszwischen 14 Studien, und ihre Ergebnisse lassen keinen Zweifel daran, dass die Symptome des irritablen Kolons durch Hypnose deutlich gebessert werden können.

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