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So bleiben Sie trotz Zeitumstellung fit und ausgeruht

Kommendes Wochenende beginnt die Sommerzeit – die Uhren werden eine Stunde vorgestellt. Viele Menschen klagen danach über Müdigkeit und Konzentrationsprobleme. Wie lässt sich das vermeiden?

  Dieses Wochenende beginnt die Sommerzeit: Die Uhren werden in der Nacht von Samstag auf Sonntag um eine Stunde vorgestellt

Dieses Wochenende beginnt die Sommerzeit: Die Uhren werden in der Nacht von Samstag auf Sonntag um eine Stunde vorgestellt

Herr Dr. Weeß, die Sommerzeit ist in Deutschland ausgesprochen unbeliebt. Einer aktuellen Umfrage zufolge halten sie drei von vier Deutschen für überflüssig. Wie erklären Sie sich das?

Das Problem ist nicht die Sommerzeit an sich. Es ist die Verschiebung der Uhrzeit, also das Hin- und Herspringen zwischen Sommer- und Winterzeit. Damit tun sich viele Menschen schwer.

Warum ist das so?
Zum einen wissen wir heute, dass die Zeitumstellung aus wirtschaftlicher Sicht nutzlos ist: Wir können mit ihr keine Energie- und Stromkosten einsparen. Das war jedoch der vorherrschende Grund, sie im Frühjahr 1980 einzuführen. Außerdem gibt es viele Menschen, die sensibel auf die verlorene Stunde reagieren. Sie entwickeln für die nachfolgenden Tagen Schlafprobleme, sind tagsüber müde und ihre Leistungsfähigkeit lässt nach. Die gesundheitliche Belastung lässt sich auch objektiv messen: So gibt es Studien darüber, dass die Unfallhäufigkeit im Straßenverkehr nach der Zeitumstellung im Frühjahr zunimmt. Außerdem werden mehr Menschen mit Herzbeschwerden in Krankenhäuser eingeliefert.

Eine Stunde Zeitverlust – das klingt zunächst wenig. Warum macht sie uns dennoch so zu schaffen?

Auf der Uhr ist es eine Stunde Zeitverlust, aber für unseren Körper viel mehr. In der Nacht der Zeitumstellung geht uns bereits eine Stunde verloren. Dasselbe am darauffolgenden Abend: Menschen, die gewohnt sind, abends um 22 Uhr ins Bett zu gehen, liegen nach der inneren Uhr plötzlich um 21 Uhr im Bett – also viel zu früh. In der Folge fällt das Einschlafen schwer. Anstelle von sieben Stunden schläft man dann vielleicht nur fünf. Dieser Schlafmangel – auch aus der vorhergehenden Nacht - kann sich durchaus anhäufen und bemerkbar machen.

Wer leidet am meisten unter diesem Jetlag?

Zum Glück gewöhnen sich die meisten Menschen innerhalb von zwei, drei Tagen problemlos an die neue Zeit. Anders sieht es bei Kindern und älteren Menschen aus: Ihr Schlaf-Wach-Rhythmus ist starrer, im Einzelfall kann die Umgewöhnung deshalb länger dauern. Die dritte große Gruppe sind Menschen, die ohnehin Schlafprobleme haben. Ich habe eine ganze Reihe an Patienten, die bereits seit zwei Wochen mit zitternden Knien vor mir stehen und sagen: "Ich habe Angst vor der Zeitumstellung. Jetzt wird meine Schlafstörung wieder schlechter."

Woran liegt das?

Zu den eigentlichen Schlafproblemen gesellt sich die Angst, dass sich der Schlaf verschlechtert. Angst bedeutet Anspannung. Und Anspannung ist der Feind des Schlafes. Es klingt paradox, ist aber wahr: Wenn wir ins Bett gehen, um zu schlafen, strengen wir uns an, das verursacht Anspannung - und wir bleiben wach.


Ab wann sind Schlafprobleme krankhaft?
Ein gelegentlicher, für wenige Tage auftretender schlechter Schlaf gehört zum Leben dazu. Tritt er nur ab und zu auf, kann der Körper das recht gut kompensieren. Bleiben die Probleme nach der Zeitumstellung jedoch länger als zehn Tage bestehen und kommen zusätzlich Müdigkeitssymptome am Tag hinzu, sollten Betroffene mit ihrem Hausarzt sprechen.

Wie lässt sich die Müdigkeit nach der Zeitumstellung am besten bekämpfen?

Wir haben dieses Jahr Glück: Der Beginn der Sommerzeit fällt auf Ostern. Wir können uns also schrittweise umgewöhnen. Heißt: Heute, am Gründonnerstag schon zehn Minuten früher ins Bett gehen und am nächsten Morgen zehn Minuten früher aufstehen. Außerdem ist es sinnvoll, an den Feiertagen nicht länger als nötig zu schlafen – das erschwert die Umstellung. Um die Müdigkeit am Tag zu bekämpfen hilft es, an die frische Luft zu gehen und Sport zu machen. Sonnenlicht unterdrückt außerdem die Bildung des Schlafhormons Melatonin. Umso mehr produziert der Körper davon dann abends – das hilft beim Einschlafen.


Interview: Ilona Kriesl
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