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Schwitzen bis der Arzt kommt

Therapie

Sie fühlen sich sehr unwohl, weil sie stark schwitzen? Sie haben Angst, dass Sie nach Schweiß riechen und trauen sich kaum unter Leute? Ihnen kann geholfen werden: Mit Deos, Spezialbädern oder chirurgischen Eingriffen. Jeder Arzt wird versuchen, eine Operation zunächst zu umgehen, da sie nie risikofrei ist.

Das einfachste Mittel gegen starkes Schwitzen sind Deodorants mit einer hohen Konzentration an Aluminiumsalzen. Denn diese Salze verstopfen die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen und bändigen dadurch den Schweißfluss. Die Produkte gibt es in unterschiedlichen Stärken. Tragen Sie das Deo über mehrere Wochen jeden Abend für zwei bis fünf Minuten auf Hände, Füße und Achselhöhlen. Das wird vermutlich die Haut reizen, denn sie ist durchs Schwitzen bereits sehr empfindlich. Sie kann rot werden, jucken und nässen. Diese Irritationen verschwinden jedoch, wenn Sie die Therapie für eine Weile unterbrechen.

Strom legt die Drüsen lahm

Eine so genannte Leitungswasser-Iontophorese beruhigt die überregten Schweißdrüsen. Und das mindert dann den Schweißfluss. Warum dieses Verfahren funktioniert, ist nicht ganz klar. Aber fest steht: Die Behandlung hilft vier von fünf Betroffenen. Sie ist daher die Therapie, die in Deutschland am häufigsten gegen übermäßigem Hand- und Fußschweiß gewählt wird.

Und so geht's: Sie halten die betroffenen Körperstellen - in der Regel Hände und Füße - in zwei Kunststoffwannen voller Leitungswasser. Elektroden leiten dann schwachen Strom durch das Wasser. Der Arzt reguliert die Stromstärke so, dass Sie ein leichtes Kribbeln spüren. Wenn Ihnen das Verfahren vertraut ist, können Sie die Iontophorese auch allein zu Hause anwenden. Bis sich ihre Beschwerden verbessern, führen Sie die Behandlung täglich zehn bis fünfzehn Minuten durch. Danach reichen zwei bis drei Anwendungen pro Woche, um den Schweißfluss zu reduzieren.

Botox lähmt die Nerven

Die Ärztin kann die hyperaktiven Schweißdrüsen auch mit dem Nervengift Botulinumtoxin schachmatt setzen. Das Gift verhindert, dass die Nervenenden den Botenstoff Acetylcholin weitergeben. Dadurch bekommt die Schweißdrüse kein Einsatzsignal, und die Schweißproduktion erlahmt.

Die Behandlung muss in der Regel nach vier bis sieben Monaten wiederholt werden, da die zerstörten Nervenenden erneut wachsen. Botulinumtoxin-Präparate sind in Deutschland lediglich für die Anwendung in der Achselhöhle zugelassen, obwohl sie auch an Händen und Füßen helfen. Für die Stirn ist Botox gar nicht geeignet, da es die Gesichtsmuskeln lähmt. Sie sind dann möglicherweise nach einer Injektion entstellt. Die Krankenkassen zahlen meist nicht; die Therapie kostet jedes Mal zwischen 400 und 1300 Euro.

Ob Arzneimittel gegen Hyperhidrose helfen, ist in Therapiestudien untersucht wurden. Das Ergebnisse sind ernüchternd. Erprobt wurden zum Beispiel Salbei und Anticholinergika. Das sind Substanzen, die die Produktion des Botenstoffs Acetylcholin hemmen. Auch Präparate wie Psychopharmaka, Tranquilizer und Betablocker standen auf dem Prüfstand. Ihre Wirksamkeit ist aber zweifelhaft. Also wird Ihr Arzt Medikamente höchstens in Betracht ziehen, wenn andere Behandlungen nicht erfolgreich waren oder Sie noch an einer anderen Krankheit leiden.

In Ausnahmefällen hilft nur das Skalpell

Waren alle anderen Therapien erfolglos, kann der Arzt auch zum Messer greifen. Bei der so genannten subkutanen Saugkürettage saugt er zunächst etwas Fettgewebe aus der Unterhaut ab. Dann schabt er Schweißdrüsen weg, die in der Lederhaut liegen. Der Erfolg liegt auf der Hand: weniger Schweißdrüsen gleich weniger Schweiß.

Wenn Sie stark an den Händen schwitzen, kann ein Chirurg die Nerven kappen oder entfernen, die die Schweißdrüsen versorgen. Merkwürdigerweise verbessert sich dadurch oft auch das Schwitzen an den Füßen. Bei der Hälfte der Betroffenen ist das so. Warum, das ist bis heute unklar.

Die Gefahr bei dieser Therapie ist allerdings, dass Sie plötzlich an ganz anderen Körperstellen vermehrt schwitzen - etwa auf dem Rücken. Der Eingriff wird durch eine so genannte Spiegelung des Brustkorbes durchgeführt: Der Operateur macht einen kleinen Schnitt im Brustkorb. Er lässt die Luft aus der Lunge. Dann sucht er mit einer Art Fernrohr bestimmte Nerven im Körper, um sie zu durchtrennen. Dieser Eingriff sollte immer das letzte Mittel der Wahl sein. Er kommt nur dann infrage, wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt alle anderen Möglichkeiten erfolglos ausprobiert haben.

Seite 1: Schwitzen bis der Arzt kommt
Seite 2: Symptome
Seite 3: Diagnose
Seite 4: Therapie
Seite 5: Tipps
 
 
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