. .

stern Investigativ | Terrorismus

Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
5. Mai 2011, 16:03 Uhr

Wo, bitte, geht's hier zum Heiligen Krieg?

Sein Lebensinhalt war Kiffen. Dann will der Frankfurter Rami Makanesi ein großer Kämpfer sein, zieht in den Krieg für al-Qaida - und scheitert kläglich. Nun steht er vor Gericht. Seine Anstifter und Komplizen laufen frei herum, viele leben in Deutschland. Der stern hat sie aufgespürt.

Dschihad, Heiliger Krieg, Taliban, 9/11, stern-Investigativ, Osama bin Laden, Rami Makanesi

Talibankämpfer in der Provinz Wardak, westlich von Kabul

Als Rami Makanesi am 1. November 2007 das erste Mal eine Nachricht in ein islamistisches Internetforum tippt, mangelt es ihm an vielem. Er besitzt keinen gottesfürchtigen Lebenslauf, kennt sich kaum aus mit dem Koran und mit dem "Heiligen Krieg" schon gar nicht. Immerhin hat er es kurz zuvor, nach Jahren der Dauerdröhnung, geschafft, mit dem Kiffen aufzuhören. Im Ramadan. Seitdem mangelt es ihm an einem nicht mehr: Entschlossenheit.

Rami Makanesi, damals 22 Jahre alt und gut 125 Kilo schwer, möchte sein Leben ändern. Keine Zigaretten, kein Haschisch, auch Partys: vorbei. Der in Frankfurt geborene Sohn syrischer Eltern sucht seinen Rausch ab sofort im "Krieg auf dem Wege Gottes".

Wie man Gotteskrieger wird, weiß er nicht, er setzt auf das Internet. Makanesi schreibt in das Forum: "Bruder nehmen wir an ich möchte zum Jihad, wer bringt mich über die Grenze ...??? Müssen meine Eltern bescheit wissen, (Sie beten nicht) ..." Der Administrator des Forums der "Globalen Islamischen Medien-Front" antwortet leicht genervt: "Wir können dir hier sicher kein Fahrplan ausstellen wie du dahin kommst." Doch Makanesi wird zu seinem Ziel kommen. Er wird innerhalb von anderthalb Jahren Leute finden, die ihm einen Fahrplan in den Dschihad besorgen, er wird Predigten voller Hass in sich aufsaugen, wird auf Menschen treffen, die sich seine Brüder nennen und ihn doch verraten.

Der wichtigste Kronzeuge

Dreieinhalb Jahre nach seinem unbeholfenen Eintritt in die Welt der selbst ernannten Gotteskrieger steht Rami Makanesi ab jetzt als Angeklagter vor dem Oberlandesgericht Frankfurt. Er gilt als einer der wichtigsten Kronzeugen der Ermittler. Es waren vor allem seine Angaben über geplante Terroranschläge, die im vergangenen November dazu führten, dass der damalige Innenminister de Maizière die Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland drastisch verschärfte und Polizisten mit Maschinenpistolen auf Flughäfen und Bahnhöfen patrouillieren ließ.

Denn Rami Makanesi hat sich vom kleinkriminellen Kiffer zum gut informierten Gotteskrieger gewandelt, ließ sich in Ausbildungslagern der al-Qaida zum Terroristen schulen. Dort, so gibt Makanesi nach seiner Festnahme im Juni 2010 preis, habe er Scheich Younis al-Mauretani getroffen, den "Außenminister" von al-Qaida. Dieser habe ihm von neuen Anschlagsplänen berichtet:

"Das, was wir im Kopf haben, da kommt nicht mal der Teufel drauf." Er habe von einem großen Anschlag in Europa gesprochen, und Makanesi hatte ihm versprochen, 20.000 Euro für den Terror zu sammeln. Jener Scheich ist es nach stern-Informationen auch, der die drei Mitglieder der "Düsseldorfer Zelle" führte, die am Wochenende festgesetzt wurden.

Zusammen mit zehn Gesinnungsgenossen aus Hamburg war Makanesi 2009 in die pakistanische Bergregion Waziristan aufgebrochen.

Wer formt junge Menschen in Deutschland zu Terroristen?

Doch der Krieg wurde ihm zu anstrengend. Ende Juni 2010 wollte er nach Deutschland zurück. Pakistanische Sicherheitskräfte fingen ihn ab und lieferten ihn schließlich nach Frankfurt aus. Wer aber brachte diesen manipulierbaren jungen Mann dazu, vom Dschihad zu träumen?

Wer formt junge Menschen in Deutschland zu Terroristen?

Die Suche nach den Wegbereitern des Terrors führt in einen Münchner Gerichtssaal, einen Orient-Shop in Bonn und zu einem Konvertiten in Hamburg. Sie erzählt von Demagogen, Naivlingen, Spitzeln, Stümpern und besorgten Müttern. Ganz am Ende wird man auch auf die Ehefrau Makanesis treffen, die damals den Computer ihres gesuchten Mannes bei Ebay ausgerechnet an die Polizei verhökerte.

Beginnen wird sie aber mit dem Mann, dem Makanesi damals in die Terrorszene folgte - und den heute die Szene verfolgt.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 19/2011

Seite 1: Wo, bitte, geht's hier zum Heiligen Krieg?
Seite 2: Der falsche Freund
Seite 3: Der Prediger
Seite 4: Der Schleuser
Seite 5: Der Konvertit
Seite 6: Die Folgsame
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Christian Ganczarski Osamas deutscher General

Seit 1998 hatten Ermittler Christian Ganczarski im Visier. Jetzt decken stern-Reporter auf, wie nah der Duisburger dem meistgesuchten Terroristen der Welt wirklich war: als Kurier, Computerspezialist, Drahtzieher für Anschläge - und als Mann, der bin Laden mit Insulin versorgte. mehr...

Ahmad Wali S. "Mama, wir erobern Afghanistan"

Er arbeitete in Hamburg, hatte hier Frau, Geliebte und Familie. Dann verschwand Ahmad S. Am Telefon erzählte er seiner Mutter, er wolle als Märtyrer sterben. Nun ist er in Händen der CIA. Seine Aussagen versetzen ganz Europa in Terrorangst. mehr...

Düsseldorfer Zelle "Wir machen es in einem Bus"

Die Terrorverdächtigen der Düsseldorfer Gruppe wurden von Scheich al-Mauretani gesteuert, dem "Außenminister" von al-Qaida. mehr...

Ausbildungscamp Mir Ali Die Wiege des Terrors

Sie lernen beten, schießen und morden. Im Ausbildungscamp Mir Ali in Pakistan trainiert al-Qaida ihren Nachwuchs, darunter auch Deutsche. Zwei von ihnen sitzen seit Sommer in Haft und gelten als wichtige Quellen der Behörden - auch auch für die aktuelle Warnstufe. mehr...

Der heilige Krieg Was planen diese Männer?

Über hundert potenzielle Islamistische Terroristen kennt das Bundeskriminalamt. Ihre Namen, ihre Gesichter, ihre Treffpunkte. Doch nur selten, mit riesigem Aufwand und Hilfe von Aussteigern, finden die Ermittler eine Antwort auf diese Frage. mehr...

Bin Ladens Vermächtnis Deutschland im Visier

Daten, die US-Soldaten bei Osama bin Laden einsackten, enthalten brisante Hinweise auf Anschläge gegen Europas Wirtschaft. mehr...

Abu Musab al-Zarqawi Das Neue Gesicht des Terrors

Einst schwor er bin Laden die Treue. Dann gründete er sein eigenes Netzwerk. Im Irak wütet Zarqawi als Schlächter im Namen Allahs, köpfte Geiseln persönlich. Deutschland entging nur knapp seinen Anschlägen. mehr...