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Ratgeber Kinderkrankheiten

Hamsterbacken, die höllisch weh tun

Expertenrat

Professor Reinhard Berner vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Freiburg antwortet
Ich will meine Kinder gar nicht impfen lassen. Ich halte das nicht für nötig. Was meinen Sie? Die erste Mumps-Impfung sollte laut Empfehlung der ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Institutes zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat erfolgen und zwar als Teil einer Dreifachimpfung gegen Mumps, Masern, Röteln. Es ist nicht sinnvoll, später als mit dem empfohlenen Lebensmonat mit der Impfung zu beginnen oder gar nicht impfen zu lassen.

Ängste, dass das Immunsystem des Kindes noch nicht stark genug sei, sind völlig unberechtigt. Weltweit wird diese Phase der kindlichen Entwicklung als der beste Zeitpunkt für den Aufbau des Schutzes angesehen. Das Immunsystem ist zu diesem Zeitpunkt durchaus schon stark genug. Es muss sich ja jeden Tag gegen eine Vielzahl von Erregern, mit denen es ständig neu konfrontiert ist, wehren und tut dies ja in aller Regel sehr erfolgreich. Und außerdem ist es gerade das Ziel, so früh wie möglich den Schutz aufzubauen. Denn gerade bei noch ganz kleinen Kindern kann es zu schweren Verläufen kommen.

Kann ich mich als Erwachsener bei meinem Kind anstecken? Ja, wenn man überhaupt nicht geimpft wurde oder auch nur eine Impfung erhalten hat. Erst seit Mitte der Neunziger Jahre erfolgt die Doppelimpfung. Sie wurde eingeführt, weil man erkannt hat, dass bei einem bestimmten Prozentsatz der Geimpften die Impfung nicht ansprach. Die Doppelimpfung dient daher dazu, diese Impfversager doch noch erfolgreich zu schützen. Die Doppelimpfung ist daher keine Auffrischimpfung, sondern eine Absicherungsimpfung. Heute geht man davon aus, dass der Schutz ein Leben lang hält, wenn jemand erfolgreich geimpft wurde. Die Wirkung lässt nicht mit der Zeit nach.

Was kann ich tun, um meinem kranken Kind zu helfen? Wenn nötig, können Sie Schmerz- und Fiebermittel geben. Das häufig empfohlene Kaugummikauen sehen wir als fraglich an. Dabei muss man unterscheiden, ob es sich um eine bakterielle Speicheldrüsenentzündung oder wie bei Mumps um eine durch Viren ausgelöste Entzündung handelt. Das Kaugummikauen soll die Speichelproduktion anregen. Bei bakteriellen Infektionen kann dies helfen, die Erreger herauszuwaschen. Bei den viralen Entzündungen ist eher das Speicheldrüsengewebe betroffen und ein Rausspülen der Erreger ist schwerer. Aber auch dabei gilt: Wenn es einem Kind hilft, spricht nichts dagegen. Wann muss ich mit meinem Kind zum Arzt? Grundsätzlich gilt bei Mumps: Die Erkrankung ist in der Regel kein Anlass zur Sorge, denn sie verläuft in den allermeisten Fällen harm- und komplikationslos. Gelegentlich kann es zum Auftreten einer Bauchspeicheldrüsenentzündung oder einer milden Hirnhautentzündung kommen. Diese heilen in aller Regel folgenlos ab, sind aber unangenehm. Nur wenn Mumps während oder nach der Pubertät auftritt, muss man wachsam sein und mit seinem Kinderarzt in Kontakt bleiben. In diesem Alter kann es in bis zu 30 Prozent der Fälle sein, dass bei Jungen die Hoden und seltener bei Mädchen die Eierstöcke mit betroffen sind. Dann besteht die Gefahr, dass es zu Unfruchtbarkeit kommt. Dies ist auch einer der Gründe, warum man der Impfung einen so hohen Stellenwert beimisst.

Mumps ist selten geworden. Muss ich dennoch an Mumps denken, wenn mein Kind Hamsterbacken hat? Ja, denn es gibt die Erkrankung noch, auch wenn die meisten Kinder inzwischen geimpft sind. Es sind aber immer noch nicht so viele, dass man von Ausrottung der Mumpserreger sprechen kann. Zudem kann es auch immer wieder sein, dass die Mumpsimpfung in einigen, wenn auch seltenen Fällen nicht wie gewünscht anschlägt. Das muss kein Anlass zur Sorge sein. Aber man sollte daher, wenn man geschwollene Speicheldrüsen bei einem Kind entdeckt, weiterhin an Mumps denken.

Sandra Jessel
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