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Debatte um Impfpflicht: Egoistische Eltern müssen gezwungen werden: Bitte führt die Masern-Impfpflicht ein!

Masern, Mumps, Röteln: Impfgegner sind mit ihrem Verhalten nicht nur egoistisch, sondern setzen damit auch die Gesundheit anderer aufs Spiel. Ein Kommentar.

Kommentar Tilman Gerwien zur Impfpflicht

Impfen? Ja, bitte! Ein Kommentar von Tilman Gerwin 

DPA

Wer ein Auto fahren will, braucht einen Führerschein. Wer Richter sein will, braucht ein juristisches Staatsexamen. Wer ein Restaurant eröffnen will, bekommt vorher Besuch vom behördlichen Hygieneinspektor.

Und wer sein Kind in eine Kita schickt, muss es vorher impfen lassen. Klingt doch eigentlich ganz logisch, oder? Wo ist dann das Problem?

Immer wieder greift der Staat in das Leben seiner Bürger ein, macht ihnen Vorschriften, verlangt Genehmigungen, zieht Steuern ein. Es gibt nicht nur Rechte – sondern auch Pflichten. Anders kann ein Gemeinwesen nicht funktionieren. Man kann die Schule blöd finden. Aber das Kind muss trotzdem hin. Gut so. Denn dumme Kinder kosten die Gemeinschaft später viel Geld. Absolute Freiheit auf Kosten anderer, die im Zweifel nicht gefragt werden, ob sie diese Kosten übernehmen wollen, ist nämlich keine Freiheit – sondern Egoismus.

Homöopathie statt Schulmedizin

Nur bei der Impfpflicht gegen Masern lässt sich unser Staat seit Jahren auf der Nase herumtanzen. Obwohl zahlreiche wissenschaftliche Studien beweisen, dass die Impfung harmlos, dafür aber sehr wirkungsvoll ist, verweigern sie viele Eltern für ihren Nachwuchs. Sie misstrauen der klassischen "Schulmedizin", möchten lieber auf Homöopathie setzen, glauben an finstere Mächte und Organisationen, die Informationen über die "wahren Gefahren des Impfens" zurückhalten. Ein mögliches Risiko sei, dass die Impfung Autismus auslösen könne.

Autismus! Gutes Stichwort – an Autismus leiden vor allem die Impf-Verweigerer. Sie denken nur an sich, vielleicht noch an ihr eigenes Kind, aber mit Sicherheit nicht an alle anderen, die sie mit ihrem Verhalten in Gefahr bringen. Dieses Verhalten ist, man kann es nicht anders nennen: asozial. Denn diese Eltern wissen sehr genau, dass sie sich ihr Verhalten nur leisten können, weil eine übergroße Mehrheit es sich nicht leistet – die eigenen Kinder also zum Impfen schickt. Dass durch das Impfen der anderen die Infektionsgefahr fürs eigene Kind deutlich herabgesetzt wird, nehmen die Verweigerer gerne als Vorteil mit – um dann ihre eigenen, spinnerten  Verschwörungstheorien und Vorurteile umso ungestörter ausleben zu können.

Zahl der Kranken durch fehlende Impfungen steigt

Woher nehmen die Impfgegner-Eltern sich eigentlich das Recht, andere ungefragt einem Risiko auszusetzen, das diese nicht tragen wollen? Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sie können in einem lebensgefährlichen Verlauf enden. Immer wieder kommt es zu Ausbrüchen, der größte der vergangenen zehn Jahre war 2015 mit bundesweit 2465 Fällen. Auch jetzt gibt es wieder eine Häufung in mehreren Regionen Deutschlands. Weltweit ist die Zahl der Fälle nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent angestiegen.

Mangelnde Impfbereitschaft zählt die WHO übrigens zu den größten Gesundheitsrisiken, die es derzeit auf der Welt gibt. Impfungen verhindern demnach jedes Jahr zwei bis drei Millionen Todesfälle. Weitere 1,5 Millionen Menschen müssten Jahr für Jahr nicht sterben, wenn mehr geimpft würde.

Impfen: Pflicht muss sein

Die Impfpflicht gegen Masern in Deutschland muss kommen. Bis es soweit ist, muss gelten: Wer auf unverantwortliche Weise jede Solidarität vermissen lässt und die Gesundheit anderer aufs Spiel setzt, muss sein Kind dann eben aus dem Verkehr ziehen. Kita und Schule sind dann tabu. Versäumter Unterricht muss später nachgeholt werden, notfalls mit Privatlehrern auf eigene Kosten. Hohe Bußgelder für Impfgegner könnten hinzukommen. Erzwungene Solidarität ist immer noch besser als gar keine. 

Eine Frau mit Masern-Erkrankung liegt in einem Bett