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Warum Masern so gefährlich sind

Der tragische Fall einer Vierjährigen in Bad Hersfeld zeigt: Masern sind kein Kinderkram. Gefährlich wird es, wenn die Erreger ins Gehirn gehen. Fachleute empfehlen deshalb, Kinder impfen zu lassen.

  Gemustert: Der Ausschlag kommt zuerst im Gesicht, dann am Rumpf

Gemustert: Der Ausschlag kommt zuerst im Gesicht, dann am Rumpf

Eine Vierjährige in Bad Hersfeld liegt im Sterben, sie leidet an einer Hirnentzündung, eine Spätfolge einer Masern-Infektion. Der tragische Fall zeigt: Masern sind kein Kinderkram. Der stern sagt, was Sie über die Krankheit wissen müssen und wie Sie Ihre Kinder schützen können.

Wir haben einen Fall von Masern!" Solche Warnschilder an der Tür von Kita oder Schule sollten Sie ernst nehmen: Die Krankheit ist extrem ansteckend und nicht ohne Gefahr. Beobachten Sie Ihr Kind genau, erste Indizien sind Hüsteln, Schniefen, tränende Augen, Fieber - wie bei einer dicken Erkältung. Das einzig sichere Zeichen, dass es die Masern sind, können Sie im Mund Ihres Kindes finden: Auf der Wangenschleimhaut sitzen dann rote Flecken, in deren Mitte ein weißer Punkt prangt. Der Ausschlag am Körper erscheint erst Tage später.

Schuld an den Masern sind Viren, genauer: Paramyxo-Viren. Sie fliegen, gut verpackt in Speicheltröpfchen, durch die Luft. Ihr Kind kann sich angesteckt haben, weil es angehustet oder angeniest wurde. Sogar beim feuchten Sprechen wechseln die Viren von einem Opfer zum anderen. Über die Schleimhaut von Mund, Nase und Rachen dringen die Erreger in den Körper ein. Das Tückische: Bevor ein krankes Kind als krank erkannt wird, weil seine Haut über und über mit roten Punkten bedeckt ist, hat es längst andere angesteckt.

Masern können zu einer Behinderung führen

Der Ausschlag am ganzen Körper sieht dramatisch aus, ist aber das geringste Problem. Die Masern-Viren schwächen das Immunsystem und greifen auch innere Organe wie Lunge, Leber oder Darm an. Nisten sich die Keime im Hirn ein, entzünden sich dort die Nerven. Diese sogenannte Masern-Enzephalitis kann, im schlimmsten Fall, zu bleibender geistiger und körperlicher Behinderung führen oder sogar zum Tod.

Bei Masern gilt: Wer sie einmal hatte, bekommt sie nie wieder. Denn das Immunsystem kennt den verursachenden Keim und hält passende Abwehrstoffe, so genannte Antikörper, dagegen parat. So kann es das Virus erfolgreich bekämpfen, sollte der Erreger ein weiteres Mal in den Körper schlüpfen.

Masernpartys sind gefährlich

Um ihr Kind gegen Masern zu feien, schicken manche Eltern ihren Nachwuchs auf Masernpartys. Der Sprößling soll sich dort anstecken, um ein für alle mal vor der Krankheit geschützt zu sein. Fachleute halten das für eine schlechte Idee. Denn Masern sind kein Kinderkram - eine geistige oder körperliche Behinderung sind kein Spaß.

Viele Eltern werden durch die Behauptung verunsichert, dass Impfen gegen Masern gefährlich sei. Richtig ist: Jede Impfung kann Nebenwirkungen haben, auch die Masern-Impfung. Dazu zählen zum Beispiel Schwellungen an der Einstichstelle oder allergische Reaktionen. Richtig ist auch: Bei zwei Prozent der geimpften Kinder entwickeln sich so genannte Impf-Masern. Das sind Masern in einer Light-Version, bei der die Symptome wesentlich harmloser ausfallen: mäßiges Fieber, ein wenig Ausschlag, Husten und Schnupfen.

Durch das Impfen kann sich sogar das Hirn entzünden. Allerdings passiert das viel seltener als bei den echten Masern: Von einer Million geimpfter Kinder bekommt eines diese so gefürchtete Masern-Enzephalitis. Steckt sich ein Kind hingegen mit echten Masern an, ist das Risiko der Hirnentzündung sehr viel höher: Ein Kind von Tausend ist dann betroffen. Das Risiko bei einer Impfung ist also um ein Vielfaches niedriger.

Symptome

Hat Ihr Kind sich mit Masern angesteckt, dauert es eine Weile, bis Sie das merken. Meist etwa acht bis zehn Tage, solange braucht das , um sichtbar auf die Viren zu reagieren.

Die Krankheit verläuft in zwei Phasen: Erst kommt das Fieber, zusammen mit Symptomen, die aussehen wie eine schwere Erkältung. Nur in der Mundhöhle hinterlassen die Masern eindeutige Spuren. Erst Tage später wird auch die krank, sie wird von roten Flecken überzogen.

Phase 1: Fieber, Husten und rote Flecken im Mund

Zuerst bekommt Ihr Kind Fieber bis etwa 39 Grad. Es fühlt sich matt, ihm läuft die Nase, es hustet, die Augen tränen, das Gesicht wirkt verquollen. Die Symptome erinnern in diesem Stadium an eine schwere Erkältung. Zudem kann Ihre Tochter oder Ihr Sohn empfindlich auf Licht reagieren. Das ist nicht typisch für eine Erkältung.

Ganz sicher, dass es die Masern sind, können Sie sein, wenn Sie in dieser Phase die so genannten Koplik-Flecken auf der Wangenschleimhaut entdecken: rote Flecken, in deren Mitte ein weißer Punkt sitzt. Nach drei bis vier Tagen fällt das Fieber wieder, die Körpertemperatur sinkt auf Werte, die fast normal sind.

Phase II: Hautausschlag und schon wieder Fieber

Dann geht es hinter den Ohren los: Der Ausschlag blüht. Die roten Flecken breiten sich anschließend über Gesicht und Rücken bis zu den Armen und Beinen aus. Auch das Fieber ist wieder da - und steigt manchmal sogar auf über 40 Grad.

Ihrem Kind geht es in dieser Phase wirklich schlecht: Es liegt teilnahmslos im Bett, ist weinerlich, hat keinen Appetit mehr, wird gequält durch eine triefende Nase und von tränenden Augen, es hat Husten und Durchfall. Am vierten Tag dieser Phase hat der Ausschlag die Füße erreicht, und das Fieber geht zurück. Sinkt die Temperatur, geht es dem Kind schnell besser; nach etwa zehn bis vierzehn Tagen ist die Krankheit überstanden. Falls das Fieber nicht abklingt, greifen die Viren lebenswichtige Organe an. Dann sollten Sie zum Arzt gehen.

Blut aus Nase und Po, Bakterien in Ohr und Lunge

Manchmal schaden die Viren den Schleimhäuten so sehr, dass dabei Gewebe zerstört wird. Dann blutet Ihr Kind aus der Nase, im Mund oder aus dem Po. Das Masern-Virus kann das Immunsystem derart belasten, dass Bakterien, die sonst keine Chance hätten, den Körper befallen können.

Fachleute sprechen dann von einer Superinfektion. So kann es zum Beispiel sein, dass sich Bakterien im Mittelohr ansiedeln, weil die Körperabwehr so schwach ist. Ihr Kind wird dann eine Mittelohrentzündung bekommen. Auch eine Lungenentzündung, eine Hepatitis oder Bronchitis können Folgen einer Maserninfektion sein.

Die schlimmste Folge: Das Kind stirbt

Eine schwere, wenn auch seltene Komplikation ist die gefürchtete Hirnentzündung. Von etwa Tausend kranken Kindern bekommt eines diese sogenannte Masern-Enzephalitis. Dann ist Ihr Kind teilweise nicht mehr bei Bewusstsein, es hat Krämpfe und epileptische Anfälle, manche Muskeln sind gelähmt, Ihre Tochter oder Ihr Sohn kann sich nicht mehr richtig bewegen. In wenigen Fällen gehen die Symptome nicht zurück: Manche Kinder bleiben gelähmt oder geistig behindert. Im schlimmsten Fall sterben sie an der Masern-Enzephalitis.

Diagnose

Die typischen Symptome der Masern erkennt der Kinderarzt meist sofort. In der ersten Krankheitsphase tauchen auf der Schleimhaut der Wangen die so genannten Koplik-Flecken auf: rote Male mit einem weißen Punkt in der Mitte.

Im zweiten Stadium identifiziert die Ärztin die Krankheit anhand des unverwechselbaren Hautausschlags. Daher braucht sie für ihre Diagnose keine Blutuntersuchung, die die kranken Kinder zusätzlich belasten würde. Nur wenn die Symptome nicht ganz so klar sind - etwa ganz zu Beginn - wird die Ärztin Ihrem Kind Blut abnehmen.

Therapie

Ein Medikament gegen Masern-Viren gibt es leider nicht. Die Kinderärztin kann nur die Symptome lindern. Sie wird nur strenge Bettruhe empfehlen. Die wird von den Kindern aber meist von selbst eingehalten, weil sie sich richtig krank fühlen.

Hat Ihr Kind Fieber, sollte es vor allem viel trinken. Gegen die hohe Temperatur kann der Kinderarzt Zäpfchen mit dem Wirkstoff Paracetamol oder Ibuprofen verschreiben. Entzünden sich die roten Flecken auf der Haut oder bekommt das Kind sogar eine Lungen-Entzündung, weil Bakterien das kranke Gewebe auch noch befallen haben, helfen Antibiotika. Diese Medikamente können die Verursacher, die Bazillen, zerstören.

Impfen hilft der Körperabwehr bei der Ausbildung

Fachleute raten, Kinder gegen Masern impfen zu lassen. Die ständige Impfkommission empfiehlt die erste Impfung zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat. Vorher ist das Baby noch durch die Abwehrstoffe der Mutter geschützt, die in seinem Blut kreisen. Meist impfen Ärzte gleich auch noch gegen zwei oder drei weitere typische Kinderkrankheiten: gegen Mumps und Röteln (MMR-Impfung) oder gegen Mumps, Röteln und Windpocken (MMR-V-Impfung).

Die Virenbestandteile im Impfstoff regen das an, selbst Abwehrstoffe - Antikörper - gegen die Eindringlinge zu bilden. Damit der Schutz lebenslang anhält, muss ein zweites Mal geimpft werden. Empfohlen wird die Zeit zwischen dem 15. und 23. Monat. Erst danach ist die körpereigene Immunpolizei stark genug, die Viren ein Leben lang selbst zu bekämpfen.

Tipps

Masern sind extrem ansteckend. Hat sich Ihr Kind infiziert, verständigen Sie bitte Kita oder Schule. Und Ihr Nachwuchs sollte selbstverständlich zu Hause bleiben, am bestem im Bett. Denn die Krankheit zehrt, um gesund zu werden, braucht das Kind seine ganze Kraft. Hat es auch noch hohes Fieber, braucht sein Körper viel Flüssigkeit. Geben Sie ihm daher gut zu trinken.

Bei manchen Kindern entzünden sich auch noch die Bindehäute der Augen, sie werden daher sehr lichtscheu. Verdunkeln Sie das Kinderzimmer und ziehen Sie die Gardinen vor.
Gegen den hilft feuchte Luft. Hängen Sie nachts nasse Handtücher im Kinderzimmer auf, das beruhigt die Schleimhäute.

Expertenrat

Gerhard Gaedicke, Professor für Kinderheilkunde und Direktor der Klinik für allgemeine Pädiatrie an der Berliner Charité, antwortet:
Warum sind die Masern in Deutschland noch nicht ausgerottet - wie in anderen europäischen Ländern? In Deutschland kursieren die Masern noch viel zu häufig. Immer wieder flackern Epidemien auf, etwa in Nordrhein-Westfalen und Süddeutschland. Vielfach liegt das daran, dass Eltern ihre Kinder nicht ausreichend impfen lassen. Viele bekommen zwar, wie vorgesehen, die erste Impfung. Eltern versäumen aber die zweite, für den vollständigen Schutz so wichtige Wiederholungsimpfung. Das Resultat: Angeimpfte Kinder bauen keinen sicheren Impfschutz auf und können sich später infizieren. In manchen Regionen fehlt sogar bei über der Hälfte der geimpften Kinder die wichtige zweite Impfung.

Wie sicher ist die Impfung?

Ein entsprechend geimpftes Kind ist sein Leben lang vor den Masern geschützt. So genannte Impfdurchbrüche sind äußerst selten: Nur ein Prozent der zweimal geimpften Kinder werden später erneut von dem Erreger befallen. In solchen Fällen erkranken sie allerdings nur leicht. Ich empfehle daher allen Eltern, ihre Kinder unbedingt vollständig impfen zu lassen.

Sollte ein Kind die Masern durchmachen?


Davon rate ich ab. Es ist grundsätzlich besser, der Krankheit vorzubeugen, als sie durchzumachen. Masern zählen zwar zu den typischen Kinderkrankheiten, sind aber sehr belastend und können zu Komplikationen führen. Bricht die Krankheit zudem erst später, im Jugend- oder Erwachsenenalter, aus, verläuft sie noch viel schlimmer.

Kirsten Milhahn

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