Für die armen Frauen ist es das auch. Sie leben auf einer permanenten sozialen Diät. Einen Mann zu finden, ist schwierig, einen Job zu finden, ist schwierig. Hobbys wie Sport zu betreiben, ist schwierig. Es ist auch nicht lustig, jeden Tag dasselbe anzuziehen. Ein Leben ohne Musik, Tanz, Freude zu führen, kann einen depressiv machen.
Für manche reicht die aus, aber sie ist auch nicht für jeden zugänglich. Die Privilegierten kommen eher in deren Genuss.
Diese Überlegung finde ich nicht so wichtig. Ich hatte das Gefühl, die Islamische Republik ist so eine Absurdität, dass man das beschreiben muss. Das Hingucken war für mich wichtiger, als zu überlegen, ob ich wieder ein Visum bekomme oder nicht.
Keine Ahnung, warum ich das geworden bin. Ich war einfach sehr neugierig, Und wahrscheinlich liegt es auch an meiner Generation. Ich bin Anfang der 50er Jahre geboren. Wir bekamen damals viele Möglichkeiten, in abwegige Berufe zu gelangen. Mich hat es halt in diese wilden Gegenden verschlagen. Da ich im Fernsehen bin, sagt man gern, ich sei eine Kriegsreporterin. Ich habe alle möglichen Etiketten. Dass ich im Privatfernsehen arbeite, ist schon mal schlimm. Aber eine Kriegsreporterin, ein sogenanntes 'Flintenweib', ist noch viel schlimmer. Man sieht mich also als privatfernsehrechtliches Flintenweib. Ich sehe mich einfach als Reporterin.
Im Grunde wollen Sie doch wissen, ob ich besonders mutig bin. Ich habe mir angewöhnt, auf die Frage nach meinem Mut mit Camus zu antworten: "Es ist viel leichter mutig, als glücklich zu sein." Ich finde es einfach sehr interessant, diesen Beruf auszuüben. Er ist ein Segen. Eigentlich müsste ich dafür Geld bezahlen.
Es gab natürlich viele bedrohliche Situationen. Einmal wäre ich in Falludscha beinahe entführt worden, ein anderes Mal sprengte sich in Bagdad ein Attentäter am Hauptquartier der Amerikaner in die Luft, kurz nachdem wir den Ort verlassen hatten. Man hat Angst um sich, Angst um den Kameramann. Angst schützt einen auch. Aber ich versuche, rational zu bleiben und die Situation zu analysieren. Irrationalität ist der natürliche Feind des Kriegsreporters.
Ich denke ungefähr zehn Minuten ans Aufhören, dann mache ich es wieder. Aber ich bin mir meiner Sterblichkeit durchaus bewusst.
Nein. Wenn ich eins machen würde, würde ich davon ausgehen, nicht mehr zurückzukommen. Davon gehe ich aber nicht aus.
Ich bin leider eine lebende Zumutung. Der Trick ist, so wenig wie möglich zu dramatisieren. Ich bin eine Meisterin im Notlügen. Ich tue so als wäre es nicht so schlimm und er tut so, als würde er mir glauben.
"Zwei Atombomben dankend erhalten" Geschichten, die zugleich überraschen, amüsieren und erschrecken: In "Zwei Atombomben dankend erhalten" erzählt Antonia Rados in ironisch-unterhaltsamem Ton vom oft absurd anmutenden Alltag im Iran. Erschienen im Heyne Verlag, 18,90 Euro