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19. November 2007, 11:35 Uhr

"Der Iran ist eine Absurdität"

Das klingt fruchtbar.

Für die armen Frauen ist es das auch. Sie leben auf einer permanenten sozialen Diät. Einen Mann zu finden, ist schwierig, einen Job zu finden, ist schwierig. Hobbys wie Sport zu betreiben, ist schwierig. Es ist auch nicht lustig, jeden Tag dasselbe anzuziehen. Ein Leben ohne Musik, Tanz, Freude zu führen, kann einen depressiv machen.

Die Gegenkultur, von der Sie sprachen, kann das also nicht kompensieren.

Für manche reicht die aus, aber sie ist auch nicht für jeden zugänglich. Die Privilegierten kommen eher in deren Genuss.

Befürchten Sie, dass Ihr Buch unangenehme Konsequenzen aus dem Iran mit sich bringen wird?

Diese Überlegung finde ich nicht so wichtig. Ich hatte das Gefühl, die Islamische Republik ist so eine Absurdität, dass man das beschreiben muss. Das Hingucken war für mich wichtiger, als zu überlegen, ob ich wieder ein Visum bekomme oder nicht.

Als Kriegsreporterin waren Sie schon in vielen Teilen der Welt. Sie haben aus Afghanistan, Somalia und dem Irak berichtet, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wie kamen Sie zu diesem für Frauen doch eher ungewöhnlichen Beruf?

Keine Ahnung, warum ich das geworden bin. Ich war einfach sehr neugierig, Und wahrscheinlich liegt es auch an meiner Generation. Ich bin Anfang der 50er Jahre geboren. Wir bekamen damals viele Möglichkeiten, in abwegige Berufe zu gelangen. Mich hat es halt in diese wilden Gegenden verschlagen. Da ich im Fernsehen bin, sagt man gern, ich sei eine Kriegsreporterin. Ich habe alle möglichen Etiketten. Dass ich im Privatfernsehen arbeite, ist schon mal schlimm. Aber eine Kriegsreporterin, ein sogenanntes 'Flintenweib', ist noch viel schlimmer. Man sieht mich also als privatfernsehrechtliches Flintenweib. Ich sehe mich einfach als Reporterin.

Welche psychischen Voraussetzungen braucht man für diesen Beruf, in dem es oft um Leben und Tod geht?

Im Grunde wollen Sie doch wissen, ob ich besonders mutig bin. Ich habe mir angewöhnt, auf die Frage nach meinem Mut mit Camus zu antworten: "Es ist viel leichter mutig, als glücklich zu sein." Ich finde es einfach sehr interessant, diesen Beruf auszuüben. Er ist ein Segen. Eigentlich müsste ich dafür Geld bezahlen.

Wie oft hatten Sie Angst um Ihr Leben?

Es gab natürlich viele bedrohliche Situationen. Einmal wäre ich in Falludscha beinahe entführt worden, ein anderes Mal sprengte sich in Bagdad ein Attentäter am Hauptquartier der Amerikaner in die Luft, kurz nachdem wir den Ort verlassen hatten. Man hat Angst um sich, Angst um den Kameramann. Angst schützt einen auch. Aber ich versuche, rational zu bleiben und die Situation zu analysieren. Irrationalität ist der natürliche Feind des Kriegsreporters.

Dachten Sie schon mal daran, Ihren Beruf an den Nagel zu hängen?

Ich denke ungefähr zehn Minuten ans Aufhören, dann mache ich es wieder. Aber ich bin mir meiner Sterblichkeit durchaus bewusst.

Haben Sie bereits Ihr Testament gemacht?

Nein. Wenn ich eins machen würde, würde ich davon ausgehen, nicht mehr zurückzukommen. Davon gehe ich aber nicht aus.

Wie ist es für Ihren Lebensgefährten, Sie ständig in Krisengebiete ziehen zu lassen?

Ich bin leider eine lebende Zumutung. Der Trick ist, so wenig wie möglich zu dramatisieren. Ich bin eine Meisterin im Notlügen. Ich tue so als wäre es nicht so schlimm und er tut so, als würde er mir glauben.

"Zwei Atombomben dankend erhalten"

"Zwei Atombomben dankend erhalten" Geschichten, die zugleich überraschen, amüsieren und erschrecken: In "Zwei Atombomben dankend erhalten" erzählt Antonia Rados in ironisch-unterhaltsamem Ton vom oft absurd anmutenden Alltag im Iran. Erschienen im Heyne Verlag, 18,90 Euro

Von Andrea Tholl
Seite 1: "Der Iran ist eine Absurdität"
Seite 2: Das klingt fruchtbar.
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
maxim.glamour (20.11.2007, 18:44 Uhr)
kleiner nachtrag?!?
@ gmathol
Der Iran wird niemals eine Atombombe bauen... ha ha! wer´s glaubt wird selig
gmathol (20.11.2007, 04:53 Uhr)
Kleiner Nachtrag.
Der Iran wird niemals eine Atombombe bauen, dies ueberlaesst man den "zivilisierten" westlichen Moerdern die diese bereits in Hirshima/Nagasaki einsetzen.
Auch die Verlagerung des Uran-Anreicherungsprozesses aussehalb Iran spricht gegen den Bau einer Atombombe.
Hier werden kranke voelkerfeindliche Mythen geschaffen. Sicherlich hat die Frau im Islam eine untergeordnete Rolle, aber das gilt auch fuer andere Religionen genauso.
Schuld an der augenblicklichen Situation des Irans haben die USA, die einen demokratisch gewaehlten Praesidenten Mossadegh durch einen Despoten dem Schah ersetzten. Denn dieser Mossadegh war Sozialist und das war schlecht fuers Oel-Geschaeft.
Der Westen sollte lieber mal wieder seine eigene Geschichte studieren damit er erkennt das die Fuehrungsnation USA ein faschistisches plutokratisches Gebilde sind.
gmathol (20.11.2007, 04:46 Uhr)
Frau Rados ist naiv!
"Es gibt eine Art Stadtgespräch in Teheran, das besagt, dass die Mullahs unbedingt die Atombombe wollen, damit sich niemand von außen traut, aus humanitären Gründen zu intervenieren, wenn beispielsweise Studentenproteste brutal niedergeschlagen werden."
Hmm, auch im Krieg gegen den Iraq wurde so krank und abartig argumentiert. Die Bombardierung Baghdads einer verteidigungslosen Stadt durch USA Verbrecher war also ein Befreiungsakt? Das sollte man mal den Angehoerigen der 250-300.000 Menschen die allein bei diesen Bombenabgriffen umkamen erzaehlen.
Das Buch kann nur ein Machwerk der Eitelkeit und westlicher Ueberheblichkeit sein.
Frau Rados sollte doch mal ueber das israelische Arpardheids-Regime berichten, aber dazu gehoert Mut!
Aurum (20.11.2007, 00:47 Uhr)
Bestimmt ein gutes Buch
Ja, seit dem der Schah gestürzt wurde ist nichts gutes nach gekommen. Dabei war der Iran ein sehr schönes Land gewesen, welches auch westliche Werte akzeptierte. Auch die Frauen waren frei und konnten am offentlichen Leben teilhaben. Nun wird fleißig an der "heiligen Bombe" gebastelt und dem Staatschef fehlt nur noch ein kleines Oberlippen Bärtchen "Modell Adolf".
 
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