Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
es war schon ein erstaunliches Schauspiel, das der US-Moderator Tucker Carlson da bot. Zerknittert saß er vor dem Mikro und sagte kleinlaut: „Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich die Menschen in die Irre geführt habe.“
Sie haben davon vielleicht auch schon gehört. Dem jahrelangen Trump-Unterstützer und MAGA-Mega-Fan tut es inzwischen leid, dass er den US-Präsidenten im vergangenen Wahlkampf unterstützt hatte. Sein Gewissen quäle ihn, gestand er noch. Der Irankrieg, die Jesusbilder, die wilden Drohungen gegen den Iran – das „bösartige“ Verhalten, das sei zu viel für ihn gewesen, so Carlson. Fast glaubte man ihm, dass er endlich zu Verstand gekommen ist.
Ausgerechnet Tucker Carlson, der die letzten zehn Jahre damit verbrachte, die USA mit seinen wirren und aufhetzerischen Parolen von Verfall und Untergang in genau den Wahnsinn zu treiben, den wir heute erleben. Es klang nach Läuterung. Aber es ist nur eine weitere Lüge des Tucker Carlson – mit der er hofft, seinen Ruhm und Einfluss weiter zu mehren. Und vielleicht sogar Nachfolger von Donald Trump als US-Präsident zu werden.
Kaum war die Entschuldigung gesagt, begann der ehemalige Fox-News-Moderator, eine neue rechte Verschwörungstheorie zu spinnen. Donald Trump sei, so Carlson, kompromittiert, vielleicht sogar erpresst oder körperlich bedroht worden von Zionisten oder anderen weltweiten Kräften, die die USA zerstören wollten. Sein Bruder Buckley, mit dem er gemeinsam in einem Podcast auftrat, stimmte ein. Er spann das wilde Verschwörungsnetz weiter. Sprach von einer systematischen Unterwanderung der USA durch die George-Floyd-Massenproteste, die massenhafte Immigration und jetzt den Krieg gegen den Iran. Buckley kam zu dem Schluss: „Das kann kein Zufall sein, das ist ganz klar ein langfristiger Plan.“
Tucker Carlson lügt wie Trump – und will ihm als Präsident nachfolgen
Diese neue amerikanische Dolchstoßlegende macht mal wieder die Juden zum Täter, die im Hintergrund die Fäden ziehen. Carlson geht sogar so weit, nennt Präsident Trump den „Sklaven Israels“. Er glaubt, dieser sei nur auf „Geheiß und Forderung“ des Landes in den Irankrieg gezogen. In diesen Worten liegt keine Spur mehr von Läuterung, das ist purer Antisemitismus. Sie zeigen deutlich, wie Carlson tickt. Er ist ein Hetzer, ein eiskalter und zynischer Demagoge – der eines Tages entdeckt hat, wie er mit Hass erfolgreich sein kann.
Er verkauft den USA politisches Fentanyl – eine Droge aus Hass und Ressentiments. Gegen sein besseres Wissen und Gewissen erzählt er populistischen Nonsens. Predigt, dass die Amerikaner in einem gescheiterten Staat leben, der dem Untergang geweiht ist. Macht ihnen Bildung, Schulen, Universitäten schlecht. Gibt sich als einer von ihnen aus, als armer Amerikaner. Dabei wird sein Vermögen auf 30 bis 50 Millionen Dollar geschätzt. Die USA werden von einem bösen Establishment regiert und dessen Institutionen müsse man allesamt zerschlagen, sagt Tucker Carlson. Es ist ein böses Gift, das er beständig ins Land schickt.
Trump sei vielleicht sogar der Antichrist, dieser biblische Gegenspieler Jesu, deutet er noch an. Das alles gehört zu seiner Inszenierung, zu seiner Marke. Er speist seinen Erfolg aus dem Reden über den Untergang. Das ist keine Entschuldigung, das ist Kalkül.
Es ist diese lustvolle Art des Lügens, die Trump populär gemacht hat. Carlson versucht, sie zu perfektionieren – und könnte bald nach Höherem streben: Schon länger heißt es in den USA, er werde sich bei den nächsten Wahlen um die Nachfolge Trumps bewerben. Ein reicher TV-Star, der irre Verschwörungstheorien und Lügen verbreitet – kommt Ihnen das nicht auch bekannt vor?
So werden Sie fit und gesund alt
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5-Minuten-Talk: Die Sherpas der Parteivorsitzenden
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Was weiß man über diese Runde? Was passiert, wenn doch wieder alles ergebnislos endet, wie kürzlich in der Villa Borsig? Die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz analysieren die Ausgangslage der Woche der Entscheidungen.
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Alexandra Kraft