Nach Schüssen bei Gala
Alles inszeniert? Interview von Trumps Sprecherin löst Verschwörungstheorien aus

Donald Trumps Sprecherin Karoline Leavitt auf dem roten Teppich des White House Correspondents Dinner
Donald Trumps Sprecherin Karoline Leavitt auf dem roten Teppich des White House Correspondents Dinner
© Kristina Bumphrey

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Wurde wirklich ein Attentat auf Donald Trump versucht? Auf Social Media kursieren dazu viele Verschwörungstheorien. Vor allem ein Clip von Sprecherin Karoline Leavitt irritiert.

Es war typisches Vorgeplänkel vor einem großen Auftritt. „Er ist bereit, richtig loszulegen. Die Rede wird typisch Donald J. Trump. Es wird lustig, es wird unterhaltsam“, schwärmt Sprecherin Karoline Leavitt gegenüber einem Reporter von „Fox News“ wie üblich für ihren Chef. Dann fällt ein Satz, der kurz darauf sehr anders verstanden werden wird: „Es wird direkte Spitzen gegen Personen im Raum geben“, erklärt Leavitt – der Reporter lacht erfreut.

Jetzt geht der Clip des kurzen Interviews viral. Kurz nach dem Gespräch fielen Schüsse vor dem Saal, in dem Trump dem alljährlichen Galadinner des Pressekorps im Weißen Haus beiwohnte. Und Leavitts Aussage zu den Spitzen lässt sich im Englischen noch sehr anders verstehen. „There will be shots fired in the room“, sagte sie wörtlich – es werden Schüsse im Raum fallen. 

Alles nur inszeniert?

Auch wenn die Formulierung sehr gängig ist, um ein Austeilen gegen das Gegenüber zu beschreiben – in Anbetracht der tatsächlich gefallenen Schüsse wirkt die Aussage fast prophetisch. Zu prophetisch, finden Skeptiker in den sozialen Medien. „Das war sowas von inszeniert“, heißt es in Hunderten Varianten in den Kommentaren zu dem Clip bei Instagram, X oder Reddit. „Was für ein merkwürdiger Zufall.“

Der Clip ist allerdings nicht der einzige Moment, der die Verschwörungstheorie befeuert. In Aufnahmen der Veranstaltung ist zu sehen, wie Trump zunächst ruhig sitzen bleibt, als die Menge im Saal sich nach dem Geräusch der ersten Schüsse bereits in Deckung zu bringen versucht. Auch Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. blieb für den Geschmack mancher Skeptiker offenbar zu lange ruhig auf seinem Platz. Beim Wettportal Polymarket hatte es hohe Wetten darauf gegeben, dass Donald Trump seine Rede nicht halten wird. „Da wusste jemand Bescheid“, interpretieren manche Social-Media-Nutzer.

Zweifel am Ablauf

Die Ungereimtheiten in der offiziellen Darstellung zum Tatablauf werden ebenfalls seziert. Der Täter soll mit einer Schrotflinte an den Sicherheitsleuten vorbeigelaufen sein, die Schüsse klingen allerdings eher nach einer Pistole. Der Täter soll zwar eine Pistole bei sich gehabt haben, Augenzeugen berichten aber vor allem von dem Gewehr.

Tatsächlich ist das weniger unglaubwürdig, als es manche Verschwörungstheoretiker klingen lassen wollen. So ist es etwa denkbar, dass der Täter gar nicht das Feuer eröffnet hatte, sondern die Schüsse von Agenten des Secret Service abgefeuert wurden. Was genau passiert ist, werden die Ermittlungen in den nächsten Wochen ergeben müssen.

Donald Trump will man nicht glauben

Für das Misstrauen gegenüber der offiziellen Darstellung dürfte es vor allem einen Grund geben: Donald Trump selbst. Immer wieder hatte der US-Präsident im Amt die Wahrheit verdreht, gedehnt oder komplett über Bord geworfen, um seine Ziele zu erreichen oder von unangenehmen politischen Situationen abzulenken. Aktuell ist die Zustimmung zu seiner Präsidentschaft nach dem Umgang mit den Epstein-Akten und dem Angriff auf den Iran auf einem Tiefpunkt. Dass er zum ersten Mal überhaupt in seinen beiden Amtszeiten an dem jährlichen Bankett teilnehmen wollte und es dann zu einem Angriff kommt, erscheint vielen Menschen offenbar verdächtig.

Auch die Reaktion Trumps nach dem Angriff irritierte: „Das ist der Grund, warum wir einen Ballsaal bauen müssen“, erklärte er unerwartet bei einer Pressekonferenz zu den Schüssen. Für einen Präsidenten, auf den gerade zum dritten Mal ein Attentat versucht worden war, schien er bemerkenswert unbeeindruckt.

Erstaunlich ist, dass die Vorwürfe einer Inszenierung nicht nur aus dem linken, sondern auch aus dem rechten Lager kommen. „War das eine Inszenierung?“, fragte der dem extrem rechten Rand angehörende Sam Parker bei X. Marjorie Taylor Greene sprach von „vielen offenen Fragen“ zum Tatverdächtigen Cole Allen.

Verschwörungstheoretiker Alex Jones ruderte schnell zurück. Nachdem er zunächst Skepsis an den Ereignissen geäußert hatte, korrigierte er sich in einem später geposteten Video. „Es sind zu viele Sicherheits- und Secret-Service-Leute involviert. Nur ein sehr kleiner Teil von denen ist korrupt“, erklärte er seinen Umschwung. Das ändere aber nichts an den anderen Vertuschungsversuchen der Regierung, stellt er klar. „Ich glaube nicht plötzlich, was FBI-Chef Kash Patel so erzählt.“

Quellen: Fox News, Reddit, X, Wired

mma

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