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11. Februar 2010, 11:57 Uhr

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Hegemann

Nach den Plagiatsvorwürfen eines Bloggers gegen Erfolgsautorin Helene Hegemann sieht auch ein Regisseur "frappierende Ähnlichkeiten" zwischen einem seiner Filme und einer Geschichte von Hegemann. Die Autorin ist jetzt für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

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© Jens Schlüter/DDP

Gegen Bestsellerautorin Helene Hegemann sind neue Plagiatsvorwürfe laut geworden. Wie das Szene-Magazin "Vice" auf seiner Internetseite berichtet, hat der junge deutsche Regisseur Benjamin Teske "frappierende Ähnlichkeiten" zwischen seinem Kurzfilm "Try a Little Tenderness" und einer in "Vice" abgedruckten Geschichte von Hegemann festgestellt. Hegemann war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Allerdings hatte die 17-Jährige die Literaturausgabe des Magazins vor der Veröffentlichung gebeten, den Text Benjamin Teske zu widmen. "Da uns damals die Tragweite dieser Widmung nicht bewusst war (...), haben wir diese nicht abgedruckt", räumt das Magazin ein. Man habe den Regisseur jetzt nachträglich über die Zueignung informiert.

Teskes Film lief im vergangenen Jahr beim Festival Max Ophüls Preis in Saarbrücken, an dem auch Hegemann teilnahm. Das Drehbuch basiert seinerseits auf der Kurzgeschichte "Un peu de tendresse" ("Ein bisschen Zärtlichkeit") des französischen Schriftstellers Martin Page, der Teske allerdings die Filmrechte gegeben hatte und im Abspann ausdrücklich genannt wird.

"Originalität gibt's sowieso nicht"

Hegemann hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil ihr Überraschungs-Bestseller "Axolotl Roadkill" passagenweise aus dem Roman und Blog eines anderen Autors übernommen sein soll. Hegemanns Verlag Ullstein bemüht sich derzeit um eine nachträgliche Abdruckgenehmigung für die umstrittenen Passagen. Welchen Umfang die Übernahmen haben, ist noch nicht abschließend geklärt.

Bezüglich der ersten Plagiatsvorwürfe hatte sich Hegemann entschuldigt. Sie sei "total gedankenlos und egoistisch" gewesen, weil sie nicht alle Menschen erwähnt habe, deren Gedanken und Texte ihr geholfen hätten. Zugleich verteidigte sie jedoch ihre Arbeitsweise. "Das, was wir machen, ist eine Summierung aus den Dingen, die wir erleben, lesen, mitkriegen und träumen", schrieb sie. "Originalität gibt's sowieso nicht, nur Echtheit."

Ungeachtet der Diskussion bleibt die junge Autorin für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Die Jury tagte bereits Ende Januar, also bevor bekannt wurde, dass die Autorin teils im Internet abgeschrieben haben soll. Und von dieser Entscheidung wollen die Juroren auch nicht abrücken. "Diese junge Frau ist unserer Auffassung nach extrem begabt", sagte Jury-Vorsitzende Verena Auffermann am Donnerstag der Deutschen Presse Agentur. Ihr Verlag habe der Jury bestätigt, dass im Urheberrechtsstreit "alles einen ordentlichen Weg geht". Hegemann ist mit Jan Faktor, Georg Klein, Lutz Seiler und Anne Weber in der Buchmessepreis-Kategorie "Belletristik" nominiert.

DPA
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
AxelR. (12.02.2010, 15:05 Uhr)
Extrem begabt...
Darf das dann auch ein Schüler von sich behaupten, der seine guten Noten seinen Sitznachbarn zu verdanken hat?
Extrem begabt ist jemand, der Originialität zeigt. Ein Schriftsteller, der keine Originalität besitzt, sollte sich auch nicht so nennen. Als Ausredenerfinderin wäre Frau Hegemann sicher begabter.
mighty_bender (11.02.2010, 21:56 Uhr)
Wenn ich das Buch...
...vom Wunderkind jetzt haben möchte - kann ich's dann aus dem Regal "samplen"? Dann mach ich den Umschlag ab und hab einen "Remix". Und dann kann doch eigentlich an der Kasse keiner mehr was verlangen...
manndernichtdaist (11.02.2010, 15:01 Uhr)
HöHö, Frau Hegemann
Sie sagen: "Originalität gibt's sowieso nicht, nur Echtheit."

Muss das bei Ihnen nicht eher heissen:
"Echtheit gibts sowieso nicht, nur Originalität"?

Denn man muss zugeben, das war sehr originell aus dem Internet zu kopieren. Immer rein in Word mit strg+v. Doch hoffe ich, dass MS Word wenigstens ein echtes Original ist - sie wissen ja, Softwareplagiate sind kein Kavaliersdelikt!
twister13 (11.02.2010, 14:21 Uhr)
Das ist eine absolute Unverschämtheit
"Originalität gibt's sowieso nicht, nur Echtheit" .....bei ihr vielleicht nicht... das mag sein. Ansonsten sollte sich die Dame mal mit der Grundlage von Veröffentlichungen auseinandersetzen. Es ist auch kein Phänomen der Sample Generation. Schon immer wurde geklaut weil man selber zu faul oder zu dumm war. Das jetzt als neuen Stil etablieren zu wollen ist noch dümmer und unverschämter als abzuschreiben ohne es offen zu legen... ... Neue Bestseller Autorin ...Pahhh da lache ich ja... neue beste Klauerin... wohl schon eher...
jchs (11.02.2010, 13:58 Uhr)
Sample Generation
Hier zeigt sich wiedermal wie weit es inzwischen der Normalfall ist, daß jeder von jedem abschreibt, sampled und kopiert. Das ist unsere Popkultur (Pop kommt doch von Poppen, oder): schnell, beliebig, austauschbar und genau das Richtige für unsere sensationsgeile Medienmaschinerie. Zum bitteren Ende dann noch 'nen altklugen Spruch: 'Originalität gibt's sowieso nicht, nur Echtheit' des Fingers mit dem man im Internet surfed! Cool! Und schon so reif für ihr Alter! Da können die meisten echt noch was dazulernen! Weiter so, Pops!
rynaldo (11.02.2010, 13:32 Uhr)
Vielleicht sollte man
Frau Verena Auffermann mal zeigen wie die "copy+paste" Taste bei einem Computer funktioniert - oder ist das auch schon ein künstlerischer Akt. Diese ganze Klauerei breitet sich ja wie eine Seuche aus. Kaum ein Lokalredakteur macht sich z. B. noch die Mühe eine ordentliche Musik- oder Theaterkritik zu schreiben. Da werden Rezensionen aus älteren Presseveröffentlichungen fast 1:1 übernommen. Da ein Wort mehr, hier ein Satz weggelassen und ab in die Druckmaschine.
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