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5. September 2008, 10:33 Uhr

Marx, Popcorn und weniger Stress

Karl Marx ist wieder da: Seine Bücher gehen weg wie warme Semmeln, und in Hamburg haben ihn Studenten sogar auf die Bühne gebracht. Aber heißt das schon, dass Kommunismus wieder schick ist? Im zweiten Teil unserer Serie "Das neue linke Lebensgefühl" hat sich unser Reporter auf Spurensuche begeben. Von Mark Stöhr

Marx, Manifest, links, Lebensgefühl, blaue Edition

Es gibt viel zu tun - aber wo fangen wir an?© Picture Alliance

Eine Party in einem alten Fabrikgebäude in Köln-Deutz. Drinnen wird getanzt, draußen geraucht. Von weitem kann man den Rhein sehen. Ein schöner, warmer Spätsommerabend. Zwei Frauen stehen zusammen, beide Mitte Dreißig. Die eine ist Architektin und baut auch für Diktatoren, wie sie freimütig zugibt. Die andere arbeitet bei einer Tierschutzorganisation und kümmert sich um Schildkröten auf Bali. Die beiden mögen sich - eigentlich. Doch sie sind in eine hitzige Diskussion geraten. Es geht um Politik. Darum, ob die Generation der 30- bis 40-Jährigen politisch ist oder nicht. Völlig unpolitisch, sagt die Architektin. Es gäbe keine gesellschaftliche Vision mehr, die sie vereine. Keine linken Ideale mehr wie bei den 68ern, keine Anti-Atomkraft-Bewegung, keine Friedensmärsche, nur noch ein bisschen Bio-Obst und fair gehandelter Kaffee.

Der alte Schlawiner Kapitalismus

Die Umweltaktivistin widerspricht: Zahllose Gruppen würden sich politisch engagieren. Gegen die Castor-Transporte, gegen die G8-Gipfel, für den Klimaschutz. Basisarbeit produziere eben nicht immer die dicken Schlagzeilen, deswegen sei sie trotzdem wichtig. Ein müdes Lächeln von links, ein giftiges Funkeln von rechts. Nun hätte man sich etwas Fröhliches von drinnen gewünscht. Das "Lied vom Ende des Kapitalismus" von der Kölner Ein-Mann-Band PeterLicht etwa: "Der Kapitalismus, der alte Schlawiner / Is uns lange genug auf der Tasche gelegen / Vorbei vorbei / Jetzt isser endlich vorbei / Is ja lang genug gewesen". Doch der Dj hat den Schuss nicht gehört.

Marx, Manifest, links, Lebensgefühl, blaue Edition

Plakat zur Aufführung der "Splittergruppe8"© Christian Gefert

Ein Plakat verspricht Unerhörtes

Die Meldungen vom Tage: Der Aufschwung ist in den letzten drei Jahren nachweislich in die Taschen der Unternehmen und der Reichen gewandert, in Berlin lebt jeder Fünfte von Sozialhilfe. Und nachts auf dem Nachhauseweg stolpert man über eine betrunkene Frau, die sich die Hände an einer geplatzten Bierflasche zerschnitten hat und keinen Arzt will, weil sie keine Krankenversicherung hat. Stimmt die Losung vom neuen linken Lebensgefühl, dann gibt es einiges zu tun. Ein Plakat kommt in den Blick und verspricht Unerhörtes: "Marx - Das Manifest". Die berühmte Proklamation einer klassenlosen Gesellschaft als "philosophische Performance". Das Theaterensemble nennt sich "Splittergruppe8" und spielt Marx in einer Kirche. Mehr als eine müde Provokation?

Der schlafende Theorie-Riese

Die St.-Johannis-Kirche in Hamburg-Altona. Der neugotische Bau stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und sollte damals die aufkeimende Altonaer Arbeiterbewegung zur Räson bringen. Etwa 80 Besucher sind gekommen. Die Holzbänke knirschen, vereinzeltes Husten, die Marx-Messe kann beginnen. Acht junge Leute, alle um die 20, betreten das Kirchenschiff. Sie bauen Feldbetten auf und legen sich erst einmal hin. So hätte es bleiben können: Marx als der schlafende Theorie-Riese, der keinen mehr schert. Doch dann springen die Schauspieler plötzlich auf und stürmen zum Altar. Sie machen sich dort an Popcorn-Maschinen zu schaffen und verteilen das Süßzeug anschließend im Publikum. Dabei fixieren sie die vorderen Reihen mit eindringlichen Blicken, als wollten sie sagen: Seht her, es ist uns ernst, wir spaßen nicht. Es geht ums Erwachsenwerden.

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KOMMENTARE (10 von 11)
 
heiner5362 (06.09.2008, 18:37 Uhr)
ach du scheisse
wer lässt solch tendenziöse artikel zu.
ist bei gruner+jahr ein neuer mehrheitsaktionär tätig ?
armes blatt, friede springer freut sich.
treffen der linken
nach abschluss liegt eine besoffene im rinnstein...
was war das denn ???
welcher lektor lässt sowas durchgehen ??
was ein schweineblatt ihr geworden seid, habt ihr zig-fach schriftlich.
umbenennen in super-illu-stern-bild mit anspruch auf höchstem level des journalismus (falls ihr überhaupt noch journalisten beschäftigt).
KOTZ.
jockel_us (06.09.2008, 14:34 Uhr)
Wir backen uns einen Marxismus -Trend
Noch mal langsam, zum Geniessen:
"doch über 1.500 verkaufte Exemplare im Jahr sind schon ein Ereignis"
Ja, vielleicht, wenn die Exemplare alle in, sagen wir, Hinterdupfelsheim am Lech verkauft, und dann auch noch gelesen (!) worden waeren. So aber: eher ein Nicht-Ereignis.
iovialis (06.09.2008, 09:32 Uhr)
Stellt Euch nur vor...
Stellt Euch nur vor, es wäre Revolution, dann würden die Deutschen zu spät kommen, weil sie noch ihre Zugfahrkarten am Schalter kaufen mußten, um daran teilzunehmen.
Teile des Proletariats wurden eine befreite Arbeiterschicht und wie der befreite Sklave lieber Sklavenhalter wird, hat das ehemalige Proletariat Hartz-IV und andere Gängelungen "erfunden". Dazu muß man nicht Marx lesen oder links sein; es reicht Mensch zu sein...
DasBertl (06.09.2008, 09:24 Uhr)
Links=Aufrührerisch, ungepflegt und vermüllt?
"Dann legen sie "Das Kapital" beiseite und bringen brav den Müll runter." Ähm, ja, hat ja auch keiner behauptet, nur weil man eine sozialistische (oder auch sozialdemokratische oder kommunistische) Einstellung gat, das einen der Müll Zuhause nicht stört. Hört sich an als hätte da jemand zu viel am Auspuff des Kapitalismus genuckelt (oder die Hassreden aus den USA in den 1950ern verinnerlicht), wenn das extra betont werden muss, das der Müll brav nach unten getragen wird... tztz
bob-der-meister (06.09.2008, 08:53 Uhr)
@gmathol/Renaissance
Der Anfang deines Beitrages geht ja in Ordnung, aber was soll das undifferenzierte Eindreschen auf "die Beamten", denen es ja allen offensichtlich genau so gut geht wie "einer kleinen Anzahl von Reichen".
Frag mal einen Angehörigen des einfachen oder mittleren Dienstes nach seinen Einkünften bzw. seiner Arbeitsbelastung, zum Beispiel einen Polizisten.
Und dann vergleich mal mit einem Angestellten oder Facharbeiter. Der Vorteil des Beamten liegt in der relativen Sicherheit seines Arbeitsplatzes.
Klar kann man fordern, dass Beamte in die gesetzliche Sozialversicherung einbezogen werden, aber dann zu denselben Bedingungen wie Normalbeschäftigte, das heißt, der Staat beteiligt sich zu 50 Prozent und das Bruttogehalt wird angeglichen.
Tatsache ist, dass die meisten Beamten in den letzten Jahren massive, MASSIVE reale Einkommenseinbußen hatten. Und ich rede nicht von ein paar "Spitzenbeamten", etwa in den Ministerien, die besondere Privilegien haben, die nicht zeitgemäß sind.
Dass bei der Einkommensverteilung in Deutschland etwas nicht mehr stimmt ist klar.
Aber bitte keine solche undifferenzierte Neiddebatte lostreten.
arniston (06.09.2008, 07:27 Uhr)
GAS GERD
Karl Marx ist wieder da: Seine Bücher gehen weg wie warme.....
GIB MAL GAS GERD der als Bundeskanzler mit dem lupenreinen Demokrat Putinus Milliarden Deals
abgeschlossen hat. So bleib der Osten bis Japan immer noch ein Entwicklungsland, aber es ist möglich gemacht in Moskau und der Welt mit Kaviar zu werfen. Für die Arbeitnehmer in Deutschland hat dieser kalte Machtmensch Schröder
die Arbeitnehmerüberlassung eingeführt, ein Geschenk an das Kapital, zur ausbeute freigegebene
Bürger. Dann Hartz-schlag micht Tod
(hartz der mann vor gericht)
Schröder unser Held, der Schaden ist gross mit diesem Unterganskanzler.
Swiftmemex (06.09.2008, 02:34 Uhr)
gemolken
Gemolken werden immer die Ärmsten; am lautesten beschweren sich allerdings die gefühlten Besserverdiener, die nun feststellen müssen, das doch nur mittelklassige Besitzstandswahrer sind. Hartz IV ist nicht zu hoch; die Löhne sind zu niedrig.
Dann wären da noch die Sozialversicherungsbeiträge: Pflichtversicherung für Beamte und Freiberufler, Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze bzw. Versicherungspflichtgrenze und die Beitragssätze würden sinken. Das wäre weder links noch rechts sondern ganz gewöhnliche Sozialstaatlichkeit, wie sie vom Grundgesetz gefordert wird.
Statt dessen treiben antideutsche Wirtschaftsfundamentalisten ihr Unwesen und legen Hand an unsere soziale Marktwirtschaft.
Die im Artikel beschriebene Linke ist nichts weiter als ein neuer Wellness-Trend. Früher sind die gleichen Leute auf der Esoterik-Welle mitgeschwommen. Mit der tristen deutschen Alltäglichkeit hat das nichts zu tun.
mackeldei (06.09.2008, 01:39 Uhr)
Staatskosten
Zur Zeit leben etwa 10 % der deutschen Bevölkerung auf Kosten der Allgemeinheit ,etwa weil sie wirklich arm sind oder weil es sich so bequemer leben lässt.Wenn es nach Marx oder den Linken geht, sind es bald 100%. Aber wer wird dann gemolken ???
gmathol (06.09.2008, 00:07 Uhr)
Renaissance verwundert nicht...
...der alte -ismus hat sich zuerueckgemeldet und ist dabei das soziale Gefuege sowie auch die Marktgesetze abzuschaffen.
Verarmung, Militarismus und dann Krieg. Dieses Schema leitet die Endzeit des Neo-Kapitalismus nach dem Drehbuch von Marx ein.
Was kommt danach? Nachdem 2. Weltkrieg hat man in Deutschland eine demokratische Verfassung geschrieben gegen die nun massiv verstossen wird.
Natuerlich den Beamten und einer kleinen Anzahl von Reichen geht es sehr gut, aber das war eigentlich immer der Fall und es sind diese demagogischen Kreise die Hartz IV auch noch auf 132 Euro im Monat kuerzen wollen.
erik23_de (05.09.2008, 23:32 Uhr)
Tja, wer ist heute ein Proletarier?
--jeder lohnabhängig Beschäftigte und Selbstständige, dessen Einkommen nicht reicht, eigenes Vermögen aufzubauen.
Jeder, der durch seine eigene Arbeit lebt und leben muß.
Und jeder Hartz IV - Empfänger auch, ist es doch sein Job, durch abschreckendes Beispiel die Löhne niedrig zu halten.
Das Kommunistische Manifest ist ein schmaler Band und schnell gelesen, und die beste Vorhersage für das, was heute Globalsisierung genannt wird. Und nach Marx gelingt der Übergang in die klassenlose Gesellschaft erst dann, wenn der Kapitalismus global geworden ist. Also jetzt. Der Sowjetkommunismus war, wie von Marx vorhergesagt, nichts als ein Fehlstart.
weiterlesen in "Das Recht auf Faulheit"
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