In "Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft" brilliert Audrey Tautou auf der Kinoleinwand in der Rolle der weltbekannten Modeschöpferin. Im stern.de-Interview spricht die französische Schauspielerin über Gemeinsamkeiten zur Modeikone, ihre wilde Seite und die Liebe.

Audrey Tautou als Coco Chanel© AP Photo/Warner Bros.
Nein, die sind mir scheißegal. Es gibt immer Leute, die etwas zu meckern haben. Ich zeige meine Version von Chanel, die ich mir zusammengereimt habe. Aber ich sage nicht, dass es die allein glücklich machende Darstellung ist.
Dass sie einen sehr starken Charakter hatte. Sehr schlau war, wie Karl Lagerfeld mir erzählte. Aber dass sie in einem Waisenhaus aufwuchs, eigentlich Sängerin werden wollte, ihre Modekarriere mit Hutdesign begann, das wusste ich vorher nicht.
Der Wunsch, frei und unabhängig zu sein. Die wilde Charakterseite.
Oh ja, man kann mir nicht sagen, was ich zu machen habe. Ich bin eher eine Einzelgängerin. Niemand, der sich in großen Gesellschaften bewegen muss, wie Chanel es gern hatte. Sie war sehr ambitioniert, wollte es wirklich schaffen. Diesen Ehrgeiz habe ich nicht. Ich wäre gern unsichtbar.
Nein, nein. Ich konnte ja nicht ahnen, was für ein Erfolg mir widerfährt. Und außerdem kann ich mich durch meinen Beruf in Rollen verstecken, muss dabei nicht ich sein.
Nein, ich hasse es nur, als etwas Besonderes behandelt zu werden. Ich mag auch das ganze Prozedere, was außerhalb des Filmemachens passiert, nicht besonders.
Dass den Job vorher Frauen wie Catherine Deneuve und Nicole Kidman gemacht haben ist sehr schmeichelhaft. Im Vergleich zu denen fühle ich mich wie ein Federgewicht.
Ich gehe über keine roten Teppiche.
... das können Sie vergessen!
Nein, ich lege mein Parfum erst am Morgen auf. Aber dann nackt.
Jaja, zuerst war Chanel ganz weit vorn und dann lag sie sehr weit zurück mit ihren Ansichten. Sie hat ja auch den Minirock nicht verstanden und brauchte sehr lange, um Hosen zu akzeptieren.
Nein, niemals. Ich verachte Ungerechtigkeit, so wurde ich erzogen. Da hätte ich sofort Schuldgefühle.
Zu der habe ich überhaupt keine Meinung. Dass die mit Sarkozy verheiratet ist, ist mir scheißegal. Ich habe ihr erstes Album damals gekauft, aber danach mochte ich die Musik nicht mehr. Das hat aber mit der Ehe nichts zu tun.
Wenn man bestimmte Kriterien hat, ist das schon mal der falsche Ansatz. Obwohl - ein Kriterium habe auch ich: Es sollte ein Mann sein.
Ähhh... Mir fällt da was ein, aber das kann ich auf gar keinen Fall sagen...
Zur Person: Audrey Tautou, geboren 1978 in Beaumont, gelang der schauspielerische Durchbruch mit der Hauptrolle im französischen Spielfilm "Die fabelhafte Welt der Amélie". 2006 spielte sie an der Seite von Tom Hanks in der Romanverfilmung "The Da Vinci Code - Sakrileg". Zurzeit ist sie mit dem belgischen Schauspieler Benoît Poelvoorde zusammen, den sie am Set zu ihrem neuen Film "Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft" kennenlernte.
Über den Film: Es ist das Festjahr der Gabrielle - genannt "Coco" - Chanel. Vor 100 Jahren begann ihre außergewöhnliche Karriere, die dieses Jahr gleich mit zwei Kinofilmen gefeiert wird. Der Film "Mademoiselle" handelt von Chanels Liebesaffäre mit dem Komponisten Igor Strawinsky. In "Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft" (ab 13. August im Kino) werden ihre ersten 30 Lebensjahre dargestellt: Ihre Versuche als Kabarettsängerin, Hutmacherin, Liebhaberin. Die französische Schauspielerin Audrey Tautou ("Die fabelhafte Welt der Amélie") spielt die junge Modeikone und gleicht ihr nicht nur optisch - extrem dünn, dunkelbraune Augen, kurze Haare - sie ist auch ähnlich eigensinnig.