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Filmfestival in Cannes
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15. Mai 2011, 15:36 Uhr

Krebs, Pädophile - und Captain Jack Sparrow

Johnny Depp und Penélope Cruz brachten ihr neues Piraten-Spektakel nach Cannes. Deutlich düsterer ging es dagegen in den Festivalbeiträgen des deutschen Regisseurs Andreas Dresen und des Österreichers Markus Schleinzer zu.

Filme über Krankheit, Tod, Pädophilie und Piraten, die den Schatz der ewigen Jugend suchen: Kontrastreicher hätten die Filme, die am Wochenende in Cannes gezeigt wurden, nicht sein können. Mit der Auszeichnung der "Carrosse d'or" an den zu mehrjähriger Haft verurteilten, unter Hausarrest stehenden iranischen Filmemacher Jafar Panahi (50) bekam das Festival auch eine politische Note.

Für bunte und leichte Unterhaltung sorgten die Hollywoodstars Johnny Depp, Penélope Cruz und Geoffrey Rush. Sie ließen sich für den vierten Teil der "Fluch der Karibik"-Reihe auf dem roten Teppich feiern. Ihr Piraten-Spektakel "Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten", das diesen Donnerstag in die Kinos kommt, bot Ähnliches wie schon die drei äußerst erfolgreichen Vorgängerwerke: schwarz umrandete Augen, zottelige Haare, klirrende Schwerter und krachende Actionszenen. Der 47 Jahre alte Johnny Depp, der erneut den nuschelnden Piraten Jack Sparrow spielt, hat dabei zum ersten Mal die Spanierin Penélope Cruz an seiner Seite.

Deutlich schwergewichtiger waren die deutschsprachigen Beiträge des offiziellen Programms. Der Deutsche Andreas Dresen stellte am Sonntag sein Krebsdrama "Halt auf freier Strecke" vor. Das Werk, das in der renommierten Nebenreihe "Un certain regard" läuft, rührte die Zuschauer zu Tränen. Dresen ("Sommer vorm Balkon", "Wolke 9") erzählt die Geschichte von Frank (Milan Peschel), der mit seiner Familie ein glückliches Leben führt, doch dann bekommt er eine furchtbare Diagnose: Hirntumor, nicht operabel, nur noch wenig Zeit zu leben. Frank muss Abschied nehmen. Von seiner Frau Simone (Steffi Kühnert), seinen Kindern, seinem Leben.

Auch der Film "Michael" des Österreichers Markus Schleinzer wühlte Cannes auf - und polarisierte. Denn das Erstlingswerk, das als einziger deutschsprachiger Beitrag im Wettbewerb der 64. Internationalen Filmfestspiele läuft und an das Schicksal der entführten und Jahre später geflohenen Natascha Kampusch erinnert, dreht sich um Pädophilie: Ein Mann hält im Keller einen Jungen gefangen und missbraucht ihn. Bilder der Gewalt werden nicht gezeigt, und das Drama kommt ohne reißerische Misshandlungsszenen aus. Stattdessen beschreibt es den beklemmenden Alltag des 35-jährigen Michael mit dem Jungen.

Um das Schicksal eines Jungen geht es auch in dem Film "The Kid with a Bike" (etwa: Der Junge mit dem Fahrrad) der belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne. Der 11-jährige Cyril wird von seinem Vater ins Kinderheim gesteckt und will nicht glauben, dass der ihn nicht mehr sehen will. Durch Zufall begegnet er der Friseurin Samantha und findet in ihr eine Ersatzmutter - bis er sich mit einem Kleindelinquenten anfreundet. Auch in diesem Film bleiben die Brüder wie in ihren früheren Werken dem menschlichen Drama treu.

Filmemacher Jafar Panahi (50), der im vergangenen Jahr Jury-Mitglied des Festivals sein sollte, wurde mit dem "Carrosse d'or" geehrt, einer Auszeichnung, die vom Verband der Filmregisseure (SRF) vergeben wird. Panahi wurde wegen "Propaganda gegen das System" zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt.

Sabine Glaubitz und Aliki Nassoufis, DPA
 
 
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