Harry Potter ist zurück im Kino: Nach fast zehn Jahren begibt sich der Zauberschüler auf die düster-mitreißende Zielgerade zum finalen Showdown mit dem Bösen. Aber wieso haben wir eigentlich so lange durchgehalten? Von Sophie Albers

Daniel Radcliffe als Harry Potter in "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1"© © 2010 Warner Bros. Ent. Harry Potter Publishing Rights © J.K.R.
Es gibt "Harry Potter"-Fanatiker, "Harry Potter"-Fans, "Harry Potter"-Mitläufer und auch "Harry Potter"-Hasser. Nur Menschen, denen der kleine Junge mit den magischen Fähigkeiten, der runden Brille und der Zickzacknarbe auf der Stirn komplett am Kulturrezipientenhintern vorbei geht, gibt es kaum noch. Wie auch. "Harry Potter" hält sowohl als Buch wie auch als Filmreihe Rekorde. Er ist (jedenfalls unter Kindern) ungefähr so bekannt wie Jesus und mit einem Markenwert von rund 24 Milliarden Dollar auf Augenhöhe mit dem reichsten Mann Deutschlands, Aldi-Co-Gründer Karl Albrecht.
Die sieben "Harry Potter"-Bücher haben sich seit ihrem Erscheinen im Jahr 1997 insgesamt mehr als 400 Millionen Mal verkauft, wurden in 67 Sprachen übersetzt - von Ukrainisch bis Bengali -, und die letzten vier Bände gehören zu den schnellstverkauften Büchern aller Zeiten. Weil sie aus Gründen der Geheimhaltung immer erst nach Veröffentlichung des Originals übersetzt werden durften, kauften viele "Harry Potter"-Fans in ihrem Lesewahn die englischen Bücher. Das führte unter anderem dazu, dass Nummer fünf - "Harry Potter und der Orden des Phönix" das erste englischsprachige Buch auf Platz eins der streng bewachten französischen Bestseller-Liste wurde.
Und die Filme machen einfach so weiter: Auch ohne die letzten beiden gilt die Reihe als die erfolgreichste überhaupt - vor "James Bond", "Star Wars" und "Der Herr der Ringe". 5,4 Milliarden Dollar haben die Kinoadaptionen seit 2001 eingespielt, mit einem Durchschnittsergebnis von 903 Millionen Dollar pro Film. Die wird das jüngste Leinwandabenteuer, "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1", trotz Teilung und ohne 3D locker toppen. Schließlich scheinen die Potter-Filme mit jedem Mal besser zu werden. Sollte das Finale im Juli 2011 einhalten, was dieser Anfang vom Ende verspricht, werden wir vor Begeisterung aus dem Kino fliegen - ganz ohne Besen.
Es heißt ja schon länger, dass Harry Potter erwachsen geworden sei. Seinen ersten Kuss hat er hinter sich und auch diverse andere Nahtod-Erfahrungen. Noch nie war die Lage allerdings so ernst wie in "Die Heiligtümer des Todes". Und das gleich von Anfang an. "Es ist nirgendwo sicher" steht auf dem Werbeplakat, das Harry und seine Freunde Hermine und Ron zeigt, wie sie durch einen funkensprühenden Wald hetzen. Denn - und mehr wird nicht verraten, schließlich gibt es tatsächlich Menschen, die nur die Filme kennen (Wer mehr über den Inhalt wissen will, klickt hier) - aus dem Auserwählten ist ein Gejagter geworden. Das Böse ist allgegenwärtig, und diesmal geht die Reise für Harry auch immer wieder nach innen. Der größte Feind lauert bekanntlich in einem selbst.