Provokative Aktionen
Pionierin der feministischen Kunst: Valie Export ist tot

Valie Export provozierte mit ihrer Kunst. Foto: Monika Skolimowska/dpa
Valie Export provozierte mit ihrer Kunst. Foto
© Monika Skolimowska/dpa

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Sie war Vorreiterin des feministischen Aktionismus. Bei ihren Performances setzte sie oft ihren nackten Körper ein. Bis zuletzt kämpfte sie für die Gleichstellung der Geschlechter.

Die Empörung des Publikums bei ihrer Aktion "Genitalpanik" war riesig. Mit einer am Schritt aufgeschnittenen Hose spazierte Valie Export 1969 in München während eines Filmfestivals in einen Kinosaal und präsentierte ihr dichtes Schamhaar. Die Österreicherin wollte damit auf drastische Weise zeigen, dass Frauen oft nur als reine Lustobjekte dargestellt wurden. Ihre Performance gilt auch fast 60 Jahre später als Meilenstein des feministischen Aktionismus. Ihr Motto: "Kunst muss aggressiv sein." Nun ist die Künstlerin mit 85 Jahren in Wien gestorben.

In der erweiterten Fotoserie "Aktionshose: Genitalpanik" hielt sie 1969 mit entblößter Scham und zerzauster Mähne zusätzlich ein Maschinengewehr in den Händen. Als Symbol der männlichen Macht, die den Frauen nicht zustand. Ihre Kunst zeigte das weibliche Geschlecht - im wahrsten Sinne des Wortes. 

Nackte Grenzüberschreitungen

Export verschrieb ihr ganzes Leben dem Kampf für die Gleichstellung von Frau und Mann. Dabei setzte die Provokateurin der 60er und 70er Jahre meist ihren eigenen Körper ein. So wurde sie mit ihren teils schmerzhaften und häufig nackten Grenzüberschreitungen eine Ikone der feministischen Bewegung. Ihr Schaffen wurde lange verschmäht, sie selbst angefeindet und sogar einmal mit einer Bierflasche angegriffen. Finanzielle Sorgen hatte sie bis ins hohe Alter.

Sie selbst bereute aber bis zum Schluss nichts. "Ich konnte gar nicht anders, ich musste Konventionen aufbrechen", sagte Export der dpa anlässlich ihres 80. Geburtstags. Der Feminismus müsse immer weiter kämpfen, sagte die Dame mit den kurzen roten Haaren mit milder, aber bestimmter Stimme.

Mit ihrem Alter haderte die Künstlerin, die mit bürgerlichem Namen Waltraud Stockinger hieß. "Das Tragische ist, dass der Körper permanent darauf hinweist, dass die Lebenszeit kürzer wird. Nicht weil er anders aussieht, aber man spürt es", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" 2018. Der Körper sei wie ein Mahnmal, der zurufe: "Die Jahre werden kürzer! Die Jahre werden kürzer!" 

Pornografie-Anklage

Als Waltraud Lehner kam sie 1940 in Linz zur Welt. Ihr Vater fiel im Zweiten Weltkrieg, ihre Mutter zog drei Töchter alleine groß. Waltraud rebellierte früh. Mit 18 Jahren wurde sie schwanger, ließ sich schnell vom Vater ihres Kindes scheiden. Ihre Tochter blieb bei ihrer älteren Schwester, als sie nach Wien ging, um Künstlerin zu werden. Ein Eklat, der sie bis in die Hauptstadt verfolgte. Später wurde ihr wegen einer Pornografie-Anklage - sie brachte ein skandalumwittertes Buch heraus - zeitweise das Sorgerecht entzogen.

In Wien arbeitete sie zunächst für den Künstler Friedensreich Hundertwasser. Mit dem Kreis des Wiener Aktionismus rund um Hermann Nitsch und Günter Brus kam es nie zu einer engeren Zusammenarbeit. Das Frauenbild dieser Künstler war ihr viel zu verstaubt.

Große Aufregung löste sie auch 1968 aus, als sie sich ihr "Tapp und Tastkino" vor die nackte Brust schnürte. Einige Sekunden lang konnten Passanten in der Wiener Innenstadt durch den kleinen Vorhang in den Kasten greifen und ihren entblößten Oberkörper ertasten. "Die Kinobesucher waren alle sehr sorgfältig", erinnerte sie sich. Im selben Jahr führte sie ihren damaligen Partner und Kollegen Peter Weibel einmal mitten in Wien wie einen Hund auf allen vieren an der Leine spazieren.

Im Kurzfilm "Remote, Remote" schnitt sie 1973 vor dem Hintergrund eines Polizeifotos von zwei Kindern, die von ihren Eltern missbraucht wurden, mit einem Messer qualvoll in ihre Fingernagelhaut, bis Blut in eine Schüssel Milch auf ihrem Schoß tropfte.

Künstlername als Akt der Emanzipation

Um ihre eigene Identität zu schaffen, entledigte sie sich auch ihres Namens. Sie wollte weder den Nachnamen ihres Vaters, noch den ihres Ex-Mannes tragen. Sie benannte sich in Valie Export um - stets in Großbuchstaben geschrieben. Das sollte deutlich machen, dass sie ihre inneren Gedanken nach außen trug. Ihr Bild der abgewandelten Zigarettenmarke "Smart Export" hängt heute im Museum of Modern Art in New York.

Als sich die vielfach Ausgezeichnete in späteren Jahren für den Weg als Lehrende entschied, wurde es medial ruhiger um sie. Sie unterrichtete an Kunsthochschulen in Amerika und Europa, unter anderem in Köln und Berlin. Auf der Biennale in Venedig rückte sie 2007 wieder ins Scheinwerferlicht. Mit einer Kamera im Rachen rezitierte sie ein Gedicht über die Stimme. In ihrem Kampf für Kunst und Feminismus verstummte sie nie. "Ich bin immer noch wütend", sagte Export der dpa.

dpa

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