Sie war das Mirabellen-Mädchen in Tom Tykwers "Parfum" und hat kürzlich mit Kate Winslet und Ralph Fiennes gedreht. Manchen gilt Karoline Herfurth als Retterin des deutschen Films. In "Im Winter ein Jahr", dem neuen Werk der Oscar-prämierten Regisseurin Caroline Link, zeigt sie, warum das gar nicht so falsch ist. Von Johannes Gernert

Karoline Herfurth zeigt sich zerbrechlich© Constantin
Draußen rauschen leise Autos vorbei. Karoline Herfurth überlegt. Es ist ganz still in der Hotelsuite. Für fünf Sekunden, für zehn. Herfurth schaut über den runden Tisch mit der weißen Decke, irgendwohin in den Raum. Sie trägt schwarze Jeans, eine dünne rosa Weste, ihre Beine sind übereinander geschlagen. Sie schweigt. 15 Sekunden lang. Draußen die Autos - 16 - Kinderstimmen - 17. Sie beugt sich vor und hebt ihren Zeigefinger - 18. Nach der 19. Sekunde sagt sie, sehr zögernd, der Finger ganz gerade und ruhig in Luft: "Also wenn ich Zerbrechlichkeit zeigen will...". Stille. "Dann...".
Sie hat vorher viel zügiger geantwortet. Auf die allererste Frage etwa, ob das irgendetwas zu bedeuten habe, dass die Interviews zu ihrem neuen Film im "Regent" stattfinden, einem dieser Hotels, wo amerikanische Stars bei ihren Berlin-Besuchen absteigen. Nein, nein, sagt sie. Wenige Stockwerke über ihr sitzt gerade Richard Gere. Und Herfurth hat vor einigen Monaten mit Kate Winslet "Der Vorleser" gedreht, was sie beeindruckend fand, weil Hollywood-Projekte so viel Zeit und so viel Geld haben.
Dass sie diese Rolle bekam, hat sicherlich auch damit zu tun, dass sie vor drei Jahren für Tom Tykwer das Mirabellen-Mädchen gespielt hat, diese junge Frau mit den Sommersprossen, die in der "Parfum"-Verfilmung vor allem sterben muss und das äußerst anmutig tut. Karoline Herfurth ist 24 Jahre alt, dreht seit neun Jahren für Fernsehen und Kino, und es gibt Journalisten, die sie die Retterin des deutschen Films nennen. Einen Star.
Deshalb fällt ihr die Antwort auf die Hollywood-Frage leicht, das ist mittlerweile Routine, sie wird so oft gestellt: "Es ist kein bewusstes Ziel. Es ist nicht so, dass ich gerne nach Hollywood möchte und darauf hin arbeite. Ich bin sehr glücklich und zufrieden hier." Je höher die Journalisten sie heben, desto bescheidener und geerdeter gibt sie sich. Sie sei kein Star, sie erlebe keinen Ruhm. Und nein, für kokett halte sie das jetzt nicht: "Barack Obama hat Ruhm oder Angelina Jolie, aber ich nicht." Karoline Herfurth, die Vernünftige. Vor allem aber: die Zielstrebige.
Seit damals auf dem Schulhof, als die Frau von der Casting-Agentur auf sie zukam mit diesem prüfenden Blick, den auch die Regisseure haben, die Kameramänner, die Beleuchter, seitdem arbeitet sich Herfurth nach oben. Sie hat Teenie-Filme gedreht, wie "Crazy" oder "Mädchen, Mädchen". Sie hat in "Eine andere Liga" eine Fußballerin gespielt, die an Brustkrebs erkrankt und trotzdem weitermacht. Sie war das Mirabellen-Mädchen im "Parfum" und dann die wunderschöne Luzi in dem Quatschfilm "Pornorama". Manchmal hat sie vor allem gut ausgesehen. Aber meist ist es mehr als das gewesen. Immer wieder war von diesem Zustand die Rede, den man ihr ansehen kann: Zerbrechlichkeit.