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"Ich wollte eine Ladung loslassen"

Nach dem Kultfilm "Absolute Giganten" ist Sebastian Schippers zweites Werk im Kino "Ein Freund von mir". Im stern.de-Interview erzählt der Regisseur von seiner Autoliebe, warum Filmen wie Kochen ist und von seinen Erlebnissen am Set von "Der englische Patient".

Gleich mit seinem ersten Film gelang Sebastian Schipper ein großer Erfolg: "Absolute Giganten" wurde 1998 mit dem Deutschen Filmpreis in Silber ausgezeichnet. Eigentlich ist Schipper gelernter Schauspieler. Er absolvierte von 1990 bis 1993 eine Ausbildung an der Otto Falckenberg Schule in München. Danach wirkte er in etlichen viel beachteten deutschen Filmen mit, "Kleine Haie", "Lola rennt" oder "Winterschläfer". 1996 spielte er einen deutschen Soldat bei dem mit mehreren Oscars ausgezeichneten Film "Der englische Patient".

Wie schon bei "Absolute Giganten" haben Sie auch für "Ein Freund von mir" das Drehbuch selbst geschrieben. Was war dabei die größte Herausforderung?

Die erste Idee war: ein Teller mit all den Sachen, die ich super finde. Steak, Shrimps, Pommes, Panna Cotta - ich wollte, dass etwas Saftiges passiert, wollte eine Ladung loslassen. Dann habe ich aber gemerkt, dass einem davon schlecht wird. Ich musste mich also reduzieren, ein kleines Stück Fleisch, ein paar Kartoffeln und Gemüse. Auf einmal hatte ich mich dann in die Idee verliebt, es mit ganz wenig ganz toll schmecken zu lassen. Deswegen waren meine beiden Hauptdarsteller sehr gefordert trotz dieses klaren Entwurfs alles einzubeziehen, was ich irgendwo in meiner Fantasie hatte. Aber ich habe das Gefühl, dass es den Leuten schmeckt.

Waren Daniel Brühl und Jürgen Vogel Ihre Wunschkandidaten?

Ja, das war klar. Sie haben auch gleich zugesagt. Ich kannte beide schon ein bisschen, Jürgen hatte ich getroffen, Daniel über einen gemeinsamen Freundeskreis. Es gehört dazu, dass man eine Vision hat, die dann wahr wird.

Haben Sie nicht Angst, auf das Image des Auto-fanatischen Regisseurs festgelegt zu werden?

Das ist mir egal. Ich mache das, auf was ich Bock habe. Das hat eben zweimal dazu geführt, dass Autos eine Rolle spielen.

Sind Sie selbst ein Autofan?

Ich fahre einen schrottigen 80er Jahre Maserati, das klingt toller als es ist. Wer sich nicht für Autos interessiert, denkt, das ist ein Mitsubishi oder Audi, er ist auch nicht wahnsinnig schnell. Aber diese Frage ehrt mich. Es bedeutet, in dem Film muss etwas Authentisches sein - man merkt, dass mich Autos bewegen und das nicht nur von A nach B. Autos sind wahr. Der Opel Granada bei "Absolute Giganten" steht für die Sehnsucht nach einem amerikanischen Roadmovie, die nie in Erfüllung geht. Die Mietwagen in "Ein Freund von mir" dagegen symbolisieren so eine Wesenlosigkeit. Die werden erst toll durch das, was die beiden damit machen. Und der Porsche ist ein Auto für Kontrollfreaks. Typisch deutsch. Aber gleichzeitig steckt da auch so ein Wahnsinn drin, so ein Sex. Jürgen und Daniel in ihren Figuren passen perfekt dazu, auf der einen Seite der Himmelsstürmer, auf der anderen Seite der Prinz von Homburg, ein korrekter preußischer Soldat, der seine Aufgaben erfüllt.

Musik spielt eine wichtige Rolle in dem doch phasenweise so stillen Film. Haben Sie lange nach dem passenden Sound gesucht?

Ich bin fast wahnsinnig geworden. Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist die von Karl. Und das musste seine Musik sein. Trotzdem sollte eine Lebendigkeit drin sein. Ich habe manchmal das Gefühl gehabt, Karl ist eine Wüste, und Jürgens Figur ist eine fette Regenwolke, die ein Gewitter auf die Wüste ablässt, und dann kommt so ein kleines Pflänzchen hoch, das aber ganz besonders ist. Erst dachte ich an elektronische Musik, das wurde aber so kühl und distanziert. Dann habe ich klassisches Klavier ausprobiert, und es hörte sich nach Kunstfilm an. Als ich Gravenhurst entdeckte, diese lyrisch gespielte englische Popgitarre, die sich ein bisschen wie Morrissey anhört, traurig, aber trotzdem rockend, wusste ich: Das ist genau die richtige Tonalität.

Für den Film wurde sogar eine Röhre des neuen Elbtunnels in Hamburg gesperrt.

Ja, eine alte Röhre davon. Toll, dass es geklappt hat. Ein grandioser Spielplatz. Wir haben Mitte Dezember an diesen Rondellparkplatz am Flughafen gedreht, und es herrschte eisige Kälte. Aber im Elbtunnel war es warm. Wir sind rumgeballert mit diesen Porsches durch die Röhre, das war ein ganz toller Abend.

"Ein Freund von mir" beschwört das Glück des Augenblicks, dem der Lebenskünstler Hans sich so ganz und gar hingibt. Was macht Sie glücklich?

Wenn ich in der Lage bin, mich hinzugeben und einen Moment des Selbstvergessens erlebe, bin ich glücklich. Das steckt auch in "Ein Freund von mir" drin. Dass Hans Karl zwingt, sich zu vergessen, seine Probleme, sich selbst. Er zwingt ihn mit soviel Kram dazu, die ganze Zeit zu reagieren, dass nicht zum Denken kommt.

Im Mittelpunkt des Films steht Freundschaft. Karl ist Akademiker, Hans schlägt sich als Gelegenheitsarbeiter durch. War Ihnen das Thema soziale Gerechtigkeit wichtig?

Sehr, ich habe sogar das Gefühl, dass es zu kurz kommt. Ich finde es wahnsinnig berührend, Jürgen am Ende am Flughafen am Flughafen jobben zu sehen und trotzdem so einen würdevollen, klaren und stolzen Begriff von sich selbst zu haben. Ich will das nicht romantisieren, arm zu sein ist keine Tugend. Aber es gibt eben Leute, die leben ein Leben, da guckt keinen hin, die machen das einfach. Dass er sein eigener Star in seinem Leben ist, macht die Figur von Jürgen aus.

Zwischen "Absolute Giganten" und "Ein Freund von mir" liegen sieben Jahre. Wie lange müssen wir auf Ihren nächsten Film warten?

Ich habe meine Struktur geändert. Das nächste Mal werde ich nicht mit einem weißen Blatt starten und das Buch komplett selbst schreiben, sondern ich adaptiere einen Roman und drehe im nächsten Jahr. Mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen.

Wovon haben Sie in der Zwischenzeit gelebt?

Das war teilweise eine sehr harte Zeit. Ich hatte das große Glück, zwischendurch immer wieder Werbung zu drehen. Ich bin langsam und nicht gut mit Terminen, deswegen dauert alles länger. Ich bin sehr froh, dass ich einen zweiten Film habe. Fernsehfilme finde ich auch toll, aber ich nehme meine Geschichten so ernst, dass ich Angst hätte vor diesem industriellen Terminstress beim TV. Mein nächster Film wird wieder klein und günstig, und ich freue mich wahnsinnig darauf.

Sie haben eigentlich als Schauspieler angefangen und sogar beim "Der englische Patient" aus dem Jahre 1996 mitgespielt. Wollten Sie da nicht weitermachen?

Ich war ein halbes Jahr an der Schauspielschule und habe die Filmhochschüler unglaublich beneidet. Dann habe ich abgebrochen, kam aber zurück und habe die Schule doch noch beendet. Nach dem Abitur in der Kleinstadt war für mich die Berufsvorstellung Filmemacher ein bisschen zu groß. Deswegen war die Richtung erst Schauspiel. Das bereue ich alles nicht. Es war großartig, am Set von "Der englische Patient" gewesen zu sein und zu sehen, was ein guter Set ist: nämlich freundlich, ohne Egoprobleme oder irgendwelche dicken Nummern. Da war Ralph Fiennes, der gerade "Schindlers Liste" gedreht hatte, William Dafoe, Kristin Scott Thomas, die waren alle sehr nett. Und der Regisseur Anthony Minghella, der wahnsinnig freundlich mit allen umgegangen ist. Da war Saul Zaentz, der supergeile Riesenproduzent, der schon "Einer flog übers Kuckucksnest" und "Amadeus" produziert hat, der sich trotzdem mit mir unterhalten hat. Ich kannte bis dahin nur so ein paar TV-Sets, da gab es nur "wichtige" Leute. Beim "englischen Patienten" wurde mit allen freundlich umgegangen, so mache ich das auch bei meinen Drehs.

Interview: Kathrin Buchner

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