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Braun wie der Regenbogen - so schwul ist rechts!

Das rechte Sonderkommando "Dortmunder Stadtschutz" macht Jagd auf Schwule. Ein Schrei nach Liebe? Schließlich ist die Grölerei gegen Homosexualität hochgradig verräterisch. 

Eine Kolumne von Micky Beisenherz

Du denkst, die Typen wollen zum Weltkongress der Schrumpfhoden und nutzen dorthin den ÖPNV. Aber nein, sie sind "beruflich" hier: Der "Stadtschutz Dortmund" ist ein Sonderkommando der Partei "Die Rechte". Junge Männer patrouillieren in gelben T-Shirts durch Busse und Bahnen, geben für ältere Leute die gelben Engel und drangsalieren ansonsten vornehmlich Menschen mit fremdländischem Äußeren.

Selbstverständlich, um Recht und Ordnung zu wahren. Wie ihre geistigen Großväter mit den überraschend ähnlichen Initialen im Exekutivkomitee. Das kommt davon, wenn man bereits mit 14 abgestillt wird und mit Beendigung der Sonderschule über reichlich Tagesfreizeit verfügt.

Das positivste an der Meldung ist: Das Gelb tragen die Faschos dieses mal bewusst als Oberteil - und nicht etwa, weil die Jogginghose unter der Inkontinenz des Trägers zu leiden hatte. Das war's dann aber auch schon.

"Ich würde lieber SA-Siggi genannt werden"

Seit über einem Jahr rudeln die Nazi-Minions bereits durch die Stadt unter dem U (das offenkundig für "Untätigkeit" steht). Was wenig überrascht, denn Dortmund hat eine SS-Schwäche. Sogar bis in den Rat der Stadt haben es die Braunen geschafft. Zwischenzeitlich in Gestalt von Alt-Hooligan Siegfried Borchardt. Nicht eben die Sorte Opa, der man unbedacht einen Ball in den Garten schießt und danach auf eine Tüte "Nimm zwei" hofft. Nimm 88 vielleicht. Als er unlängst von einem Reporter auf seinen unschönen Spitznamen angesprochen wurde, entspann sich folgender, absurder Dialog.

"Ihr Spitzname, SS-Siggi ..."

"Tjahaaa ... DEN Spitznamen haben mir Kollegen von Ihnen verpasst! Da brauchen Sie mir gar nicht ..."

"Sind Sie denn stolz darauf?"

"Nein! Nein ... ich bin NICHT stolz darauf… ich würde lieber SA-Siggi genannt werden."

Rein handwerklich eine Top-Pointe. Zeigt neben der absurden Komik leider aber auch, welch ekelhaftes Pack die Dortmunder durch Dumm- und Wahlfaulheit in ihr Rathaus gelassen haben. Oder in ihre Busse. Oder Bahnen. Oder auf Parkplätze wie den an der A45 in Dortmund-Kirchlinde.

Dort schlagen sich unsere gelben Freunde von der Scharia- beziehungsweise Arier-Polizei durch die Büsche. Immer auf der Jagd nach Homosexuellen, die dort Dinge machen, die Dortmunds Rechte höchstens aus den Heften kennen, die ihr Fernfahrervater ihnen hinterlassen hat. Natürlich bevor er für immer verschwunden ist, um mit einer Thermoskanne voll Hack ein neues Leben zu beginnen. Gut, immerhin fragen sie höflich: "Sind Sie vielleicht homosexuell und haben hier manchmal Geschlechtsverkehr, verbotenen?"

Kein Virus hätte Lust, solche Typen zu befallen

Mit "verbotenen" meinen Dortmunds Dumpfbacken vermutlich: nicht alkoholisiert. Denn, dass man sich auch ohne 3,5 Promille attraktiv finden kann, dürfte ihren Horizont übersteigen. Wenig verwunderlich, wenn man an einem Dienstagmittag hinter dem Autoscooter auf der Pflaumenkirmes gezeugt wurde.

Selbstverständlich haben sich die besorgten Koitusveganer bei ihrer Hatz auf kopulierende Schwule Gummihandschuhe angezogen: "Falls uns irgendwer angreift. Weil ich hab auch keinen Bock auf Krankheiten." Man hört ja so einiges. Als hätte auch nur ein Virus Lust, solche Typen zu befallen.

Die Rechten und Homosexualität - das ist schon eine sehr spezielle Beziehung. Nichts fürchten Nazis, Rechte, Ultrarechte, Erzkonservative - und selbstredend die komplette CSU - so sehr wie zwei Typen, die Händchenhaltend über die Straße gehen. Was natürlich absurd ist: Man ist sich doch so nah.

Allein Wladimir Putin. Kaum einer hat sich in den letzten Jahren so massiv als Homophoben- Ikone hervorgetan wie der augenbrauenlose Nudistenpapst, und dafür gesorgt, dass Schwule auf Russlands Straßen beinahe Freiwild sind.

Wenn man sich allerdings das Fotoalbum von Putin anguckt, kommt man zu dem Schluss: Textil fürchtet er noch mehr als gleichgeschlechtliche Liebe. Davon ab leistet sich der nacktreitende Tigerwürger private Schnappschüsse, die selbst Liberace zu gay gewesen wären.

NSDAP - klingt verdächtig nach Boygroup

In den USA wird gefühlt jeder zweite republikanische Senator, der gegen Homosexuelle hetzt, über kurz oder lang mit einem Stricher im Auto aufgegriffen oder macht - wie der Kongressabgeordnete Larry Craig - auf der Herrentoilette den George Michael.

Hochrangige Katholiken fürchten wortreich um den Fortbestand der Menschheit, den sie massiv von Homosexuellen bedroht sehen. Als wüsste nicht schon jeder, dass das Priesteramt die plumpeste Art ist, das Outing zu umgehen.

Nur am Rande: Wer hat sich eigentlich die Formulierung "bekennender Schwuler" ausgedacht? Bekennend! Zu einem Anschlag kann man sich bekennen, okay, aber zum Schwulsein? Absurd.

Und was ist eigentlich mit Hitler? Ich mein, der Typ hat sich erschossen, gerade mal einen Tag, nachdem er eine Frau geheiratet hat! Diese Kniebund-Hosen, diese Stiefel, diese Ledermäntel und dann der Hitlergruß, mit diesem abgeknickten Unterarm. Mal ehrlich: Geht es noch tuntiger? Man kann nur mutmaßen, wie oft Hitler davon geträumt hat, Ernst Röhm mit dem einen Hoden im Gesicht sanft zu wecken. Und NSDAP … Das klingt doch schon verdächtig nach Boygroup. Oder YMCA.

Das mit dem Hund war gewiss Tarnung. Ich bin mir sicher, Hitler hatte irgendwo 'ne Katze. Zuletzt mussten so viele (teils hochrangige) NPD-Mitglieder wegen Homosexualität aus der eigenen Partei austreten, dass denen streng genommen schon ein eigener Wagen auf dem CSD zusteht.

Liebe Faschos, liebe Konservative, liebe Schwulenhasser: Meint ihr, wir merken das nicht?

Dieses übertrieben laute Gröhlen gegen (die eigene?) Homosexualität ist hochgradig verräterisch. Als müsste man die eigenen Stimmen im Kopf übertönen. Wie ein Alkoholiker, der im Hotelzimmer vor der Ankunft die Minibar leer räumen lässt, weil der Anblick der ganzen Spirituosen eben doch Lust macht, mal am Flaschenhals zu nippen. Hmh? Na? Lieg ich da womöglich richtig? Habt ihr vom "Dortmunder Stadtschutz" euch nicht womöglich beim Durchkämmen der Büsche dann und wann mal wie zufällig berührt? Wär' weder schlimm - noch neu: Immerhin sind die gelben Sittenschlümpfe von "Die Rechte" direkte Epigonen der Nazigröße Michael Kühnen. Der starb 1991 an AIDS und war, jap: "bekennender Schwuler". Es ist fast schon absurd komisch, dieses verzweifelte Brüllen der Faschos im Walde. Beziehungsweise: in den Büschen. Jungs, seid lieb. Auch zueinander. Dortmund ist doch die Stadt der Liebe.

Wir wissen es doch längst: Wenn man sich den Spaß macht, alle Farben des Regenbogens ineinander zu mischen, was kommt dann für ein Ton dabei raus?

Richtig: Braun.

Kommentare (1)

  • Polargreis
    Polargreis
    Wieso lässt die Stadt Dortmund das zu? Wo ist die Polizei? Der Artikel ist ja sehr "spritzig" geschrieben und die fast schon zynische Diktion sowie der Galgenhumor sind sehr einnehmend, aber man muß doch mal konkret zum Thema kommen und das offensichtliche Versagen der Behörden vor Ort angehen.
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