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3. Juli 2009, 13:48 Uhr

Jacksons Tod erinnert an Rex Gildo

Fast jeder Prominente hatte etwas zum Tod von Michael Jackson zu sagen - sogar Oliver Kahn: stern.de-Kolumnist Till Hoheneder findet die Kommentare heuchlerisch. Und fühlt sich an den Tod von Rex Gildo erinnert. Von Till Hoheneder

Jackson

Ist 1999 nach einem Sturz aus seiner Wohnung gestorben: Rex Gildo© DPA

Leute, mal ganz ehrlich! Michael Jacksons Tod ist traurig - aber überraschend leider nun wirklich nicht! Was mich jedoch überrascht hat, ist die zynische Aftershow Party nach Jacksons Überfahrt in den Hades. An vorderster Front wie immer mit dabei: Die übliche Armada der RTL/Sat1-Boulevardmagazine! Stellvertretend für alle möchte ich hier Michael Jackson-Intimus Oliver Kahn nennen, die so oder so ähnlich voller Trauer in die Mikrophone schwafelten: "Soviel Glanz nach außen, soviel Traurigkeit nach innen, der Druck et cetera - bla blubb." Zusammenfassend fielen also Sätze, die man so ähnlich - und zum Teil von den selben Typen - auch nach Rex Gildos tragischem Sprung aus dem Klofenster gehört hatte. Kein Wunder, was für erschreckende Parallelen! Zwei begnadete Tänzer, die die unpopuläre Seite ihrer Sexualität nicht wirklich im Griff hatten und deswegen im Herbst ihrer Karriere oft auf dumpfes Unverständnis oder gar Ablehnung trafen.

Aber auch die internationale Prominenz ließ sich nicht lumpen und geizte nicht mit heuchlerischen und perfiden Trauerkommentaren. Madonna sagte ungefähr noch am selben Tag wenige Minuten vor Bekanntgabe von Michaels Tod: "Ich kann seit Tagen nicht aufhören zu weinen!" Weniger emotionale Gemüter wie ich schieben das allerdings eher auf die letzte Schlupflidoperation, bei der der Tränenkanal wohl in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Oder sie hat sich einfach so über ihre letzte Shoppingtrophäe aus Malawi gefreut! Die kleine Mercy war mit dem Kaufpreis von 13 Millionen ja ein echtes Sommerschnäppchen und hat sich praktisch über die Paybackpunkte der letzten Kinderkäufe amortisiert. Ich frage mich, was es wohl bedeutet, wenn es beim Kinderkauf heißt: Ich hab' ihnen noch ein paar Pröbchen in die Tüte getan!

Es ist doch wirklich widerlich, dass die komplette Medien- und Showbranche, die in den letzten zehn Jahren keine Gelegenheit ausgelassen hat, sich über Jackson lustig zu machen, jetzt auf kollektive Trauermimik umschaltet. Genüsslich wurde doch über alle Affenfreunde, Gesichts-OPs, Mundschutzticks und Kindesmissbrauchprozesse berichtet. Was für eine verlogene Mischpoke! Vom bösen Eminem, leicht rassistischem Eddy Murphy bis hin zum harmlosen Weird Al Yankovic - alle haben sich doch über die Freakshow von Jacko lustig gemacht.

Dass aber jetzt Joe Jackson, der Vater und brutale Folterer des Kindes Michael Jackson, von den Medien hofiert und in Talkshows eingeladen wird, um den trauernden Papa zu geben, ist doch nur ekelhaft. Papa Joe kann sich jedoch das Grinsen zwischen gespielter Trauer kaum verkneifen, da er jetzt schon das Archiv seines Sohnes plündert und die Kasse klingeln hört! Da zeigt sich doch die ganze Verachtung dieses Geschäfts! Angesichts des Jackson-Hypes stellt man doch resigniert wieder mal fest: Wenn nichts mehr geht - am besten Sterben! Any promotion is good promotion! Die Verkäufe von Jackson-CDs und Merchandising-Produkten gehen jetzt durch die Decke und jeder A- bis D-Promi wird natürlich seinen verkaufsträchtigen Grund finden, Jackson zu "ehren". Ich warte also voller Freude auf die Michael Hirte CD "Auf Wiedersehen, mein Freund - Hirte plays Jacko"! Bis die Tage!

E-Mail von Till

E-Mail von Till Seine Karriere begann Till Hoheneder, 42, als Musiker und Parodist mit dem legendären Duo Till & Obel. Mit der Rockgruppe "Till & Die Altobellis" absolviert er regelmäßig Auftritte mit Comedy-Einlagen. Zudem ist der Entertainer und Autor mit seinem Solo-Programm "Herrencreme" auf Tournee. Als Autor schreibt er u.a. für Comedians wie Atze Schröder, Gaby Köster, etc... Mehr Infos gibt es unter www.tillhoheneder.de

Von Till Hoheneder
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
InMemoryMJJ (16.12.2009, 02:14 Uhr)
an 1valentino
Wow, ich bin MJJ Fan ohne Ende... aber wirklich ... absolut Kompliment für deine Kommentar ... Soviel nackte Wahrheit, die für alle erträglich ist, hab ich schon lange nicht mehr gelesen ... Ja, Michael war ein Opfer ....Aber die Schuldigen werden noch gezogen werden ..

Auf alle Fälle mal ein ganz ganz grosses Lob für 1valentino....

Hope for more
marihuhna (05.07.2009, 21:37 Uhr)
@Chris24
Als Fan(atiker) muss man scheinbar humorlos sein wenn es um den Gegenstand seiner Vergötterung geht. Und die Frage wer mehr Hits hatte ist einfach zu beantworten, The Beatles, Mariah Carey und Elvis Presley. Nach deiner Logik wären Vergleiche von Mariah Carey und einer Presswurst damit auch verfehlt. Satire darf alles, besonders wenn es darum geht falsche Helden zu demontieren.
Chris24 (05.07.2009, 15:58 Uhr)
Till
Sind Till-Fans haarlose Männer, die keine Chancen bei Frauen haben?
Rex Gildo mit Jackson zu vergleichen ist wohl einfach nur peinlich. Man muss kein Fan von ihm gewesen sein, aber welcher Künstler hatte auch nur ansatzweise so viele Hits? Till lästert grundsätzlich über Leute, denen er nicht das Wasser reichen kann.
marihuhna (05.07.2009, 13:58 Uhr)
Blasphemie!
Dieser Artikel ist empörend. Als Vorsitzender des Aktionsbündnisses "Freunde Rex Gildo" muss ich mich auf Schärfste dagegen verwenden, dass ein Jahrhundertalent wie Rex Gildo mit einem nahezu Unbekannten wie Michael Jackson verglichen wird. Was hat Jackson für den deutschen Schlager getan? Nichts! Dagegen war Fiesta Mexicana eine Musikrevolution die man noch in 1000 Jahren betrunken auf dem Altstadtfest in Oer-Erkenschwick mitgröhlen wird. Kaum jemand weiß, daß Gildo schon in jungen Jahren von seinem Vater auf die Sonnenbank förmlich geprügelt werden musste, daraus entwickelte sich in seinen späteren Jahren eine selbstzerstörerische Vorliebe für schwarze Kunsthaarperücken. Eine dieser Perücken nahm ihm an seinem tragischen Todestag die Sicht, als er eine Flasche Rasierwasser in den Badezimmerschrank stellen wollte und tragischerweise Fenster und Schrank verwechselte. Da war der "deutsche Schlager aus dem Klofenster gesprungen", hat man über Jackson ähnliches gehört? Also lieber Till entschuldige dich bei einem der größten Deutschen aller Zeiten für deine Anmassung. Rex Guildo wird in unser aller Herzen weiterleben!!!
schlusi09 (05.07.2009, 12:34 Uhr)
kompliment
lieber till,
kompliment zu ihrem kommentar.das trifft es auf den punkt,denn wo waren denn die ganzen"fans"in den letzten jahren???seine platten haben sie jedenfalls nicht gekauft!
was mir als ehemaligem grossen madonna fan besonders gefallen hat,waren die zeilen über,eben madonna!respekt,denn dieses verknorpelte/kabbalha süchtige weib geht auch gar nicht mehr.na,ja und an alle die meinen das ist jetzt gemein:so ist der mensch nunmal,und das ist auch gut so.
Doc_D (05.07.2009, 11:17 Uhr)
Bestens
Super, das ganze Geheuchel mal offen dargelegt. Viele bekommen es ja schon aus eigener Kraft mit, aber bei manchen zieht die Heucheltour noch, besonders bei denen, die selbst nicht stark genug sind.
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@Chris24: Gelesen scheinen sie den Artikel ja zu haben, nur offensichtlich nicht verstanden.
brustoderkeule (05.07.2009, 10:03 Uhr)
Fantastisch und...
...große Kunst: wie man einen satirischen Beitrag zu diesem Thema schreibt, ohne sich geschmacklos über den Freak Jackson auszulassen! So geht´s! Danke!
Chris24 (05.07.2009, 08:56 Uhr)
Geht es noch?
Der Vergleich mit Gildo ist ein Witz, aber was soll man auch anderes von einem Mann erwarten, der aufgrund seiner eigenen optischen Unzulänglichkeiten grundsätzlich verbitterte Texte schreiben muss? Jackson war ein Ausnahmetalent und einer der größten Stars der letzten 100 Jahre. Das mit dem Vater stimmt, aber das haben schon ca. 99 Prozent der Weltbevölkerung ebenfalls richtig erkannt.
1valentino (04.07.2009, 17:19 Uhr)
Lieber Till,
im Gesamtbild liegen Sie natürlich nicht ganz so falsch, aber:
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1.) Soll der Vater jetzt nichts mehr zum Tode seines Sohnes sagen dürfen? Egal wie er sich benommen hat. Ihn wollen die Leute nunmal jetzt reden hören, auch wenn dabei nur blub blub raus kommt. Er bleibt der Vater, for God sake!
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2.) Natürlich ist Michael Jackson VOLLKOMMEN ÜBERRASCHEND gestorben! Was für ein Quatsch.
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3.) Rex Gildo (wie süss), hat sich bewusst aus dem Fenster gestürzt. Der Vergleich ist eh hammerhart. Ich geh`da jetzt mal nicht weiter drauf ein...
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4.) Ja Jackson`s Nase, ja das Kinn, und und und! Gähn! Die Hexenjagd (heutzutage wohl "Freak-Jagd" genannt) wird auch nach seinem Tode weitergehen. Auch egal. Solange nur alle schön von sich ablenken können und jemanden haben, auf den sie mit dem Finger zeigen. Kurz mal was abwertendes, gleichgültiges raushauen und schon fühlt man sich so richtig überlegen.
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Übrigens: Von jedem von uns gibt es beschissene Fotos, die man keinem anderen zeigen möchte. Das geht auch ohne Gesichts-OP! Also Ball flach halten.
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Keine Frage, Michael Jackson hat es mit seinen OPs und manch anderem übertrieben, aber hey, keiner weiß, wie viele Scharlatane und Abzocker ewig auf ihn eingetextet, ihn ausgenutzt, verraten und verkauft haben........Wer frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein! Jeder würde als Top Star aufdrehen, da kann sich keiner von frei sprechen.
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Was den meisten jetzt klar wird, wenn sie sich mal besinnen und ihr Schandmaul halten, ist, das wahrscheinlich nach Elvis Presley und John Lennon, der letzte ganz grosse Superstar gegangen ist. Da geben dann alle ihren Senf zu. Ist doch fast schon eine Ehre für Michael Jackson. Und wir reden hier von einem wirklichen Superstar! (Da kann auch das Madönnchen nicht mithalten.) Den Titel "King of Pop" wird Michael Jackson auch der letzte kaltschnäuzige Ignorant nicht mehr nehmen können. Und das es da jetzt nun mal Trubel und Rummel zur Beerdigung gibt, ist doch ok und ganz normal! (Also alle Pupser mal beruhigen und zurücklehnen, denn das kommt so schnell nicht wieder und dann habt ihr ja euren geliebten Alltag zurück!)
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Mir tut`s auf jeden Fall leid für Michael Jackson. So verkehrt war der nicht und er hat vielen Millionen Menschen Freude bereitet. Wer kann das schon von sich behaupten? Und was die Stars und Sternchen zu kamellen haben, interessiert keinen wirklich. Gegen Michael Jackson verblassen doch eigentlich alle.
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Schöne Grüsse,
Henning100 (04.07.2009, 17:04 Uhr)
ach goetterchen
ach goetterchen, ach goetterchen, nun lasst doch bloss den armen sexy-rexy in frieden ruhen. friede seiner asche und die von dem maikelchen auch.
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