Wehrpflichtgesetz
Rapper Finch: „Wenn ihr die Möglichkeit habt, verlasst dieses Land“

Rapper Finch verzieht das Gesicht bei einem Kontert in Berlin
Rapper Finch hat bereits mehrfach deutliche Kritik gegen Aufrüstung, Krieg und Wehrpflicht geäußert
© Carsten Koall / Picture Alliance
Deutschland diskutiert über eine Änderung im Wehrpflichtgesetz. Der Musiker Finch hat sich klar dagegen positioniert und rät jungen Menschen, dem Land den Rücken zu kehren.

Das geänderte Wehrpflichtgesetz ist bereits Anfang des Jahres in Kraft getreten. Erst jetzt aber schlägt eine darin verankerte Neureglung Wellen. Demnach müssen sich alle Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren laut Paragraf 3, Absatz 2 des Wehrpflichtgesetzes einen Auslandsaufenthalt von mehr als drei Monaten von der Bundeswehr genehmigen lassen. Vorher galt diese Regel nur im „Spannungs- oder Verteidigungsfall“, nun auch in Friedenszeiten. Das stößt auf viel Kritik. Auf Instagram hat sich nun auch Rapper Finch zu Wort gemeldet. 

Der Musiker hat sich bereits mehrfach politisch geäußert und ist ein erklärter Gegner der Wehrpflicht. In seiner Instagram-Story wendet er sich direkt an junge Menschen, die in Deutschland leben. „Wenn ihr die Möglichkeit habt, dieses Land zu verlassen: Macht es, tut es“, sagt er in dem Video, welches auf dem Instagram-Kanal der Plattform „HipHop.de“ zu sehen ist. Für Selbstständige sei Deutschland ohnehin „das unattraktivste Land der Welt“. Wenn er selbst keine familiären Verpflichtungen hätte, würde er selbst auswandern. Der Rapper hat laut seinem Instagram-Profil zufolge zuletzt einige Zeit in Thailand verbracht.

Finch ist klarer Wehrpflicht-Gegner

In seiner Video-Botschaft wird er auch sarkastisch: „Als 40-jähriger Mann muss ich mich natürlich abmelden, wenn ich drei Monate ins Ausland will. Als wäre es mein verschissener Vater“, sagt er. Und weiter: „Es macht einfach nur schlechte Laune. Wenn man sowas sieht, hat man gar keinen Bock, nach Deutschland zu kommen.“ Finch positioniert sich immer wieder gegen Militarismus, auch mit Hilfe seiner Musik, sein 2025 veröffentlichter Track „Kein Bock auf Krieg“ etwa spiegelt seine Ablehnung wider.

Zur Neuregelung im Wehrpflichtgesetz erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums auf stern-Anfrage: „Hintergrund und Leitgedanke dieser Regelung ist eine für den Bedarfsfall belastbare und aussagekräftige Wehrerfassung. [...] Wir müssen für den Ernstfall wissen, wer sich ggf. längerfristig im Ausland aufhält.“ Der Sprecher betonte aber auch, dass eine Reisegenehmigung immer dann zu erteilen sei, „wenn für den betreffenden Zeitraum keine konkrete Dienstleistung als Soldatin oder Soldat zu erwarten ist.“ Solange also kein Krisenfall absehbar ist, erlaubt die Bundeswehr solche längeren Reisen und Auslandsaufenthalte. 

Die Grünen fordern indes eine Korrektur des Gesetzes. Die Regelung sei wenig sinnhaft und gefährde die Akzeptanz des neuen Wehrdiensts, sagte Fraktionschefin Britta Haßelmann der Nachrichtenagentur DPA. „Verteidigungsminister Pistorius, das Ministerium, SPD und Union stehen jetzt blamiert und blank da“, meinte Haßelmann. Sie verantworten die überhasteten Beratungen des Parlaments und haben für mehr Bürokratie und weniger Akzeptanz und Wehrhaftigkeit gesorgt. „Sie müssen jetzt diese Fehler schnellstmöglich korrigieren.“

Die SPD-Fraktion im Bundestag geht davon aus, dass die Regel aktuell überhaupt nicht greift. „Da es keine Wehrpflicht gibt, gibt es keine Pflicht für Männer zwischen 17 und 45, sich längere Auslandsaufenthalte genehmigen zu lassen», sagte der parlamentarische Geschäftsführer Johannes Fechner der „Welt“. Die fragliche Vorschrift beziehe sich ausdrücklich nur auf die Situation einer bestehenden Wehrpflicht. 

Mit Material der Nachrichtenagentur DPA

lhi

PRODUKTE & TIPPS