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29. August 2008, 08:02 Uhr

Die verwirrte Queen of Pop

Madonna ist tot, lang lebe Madonna: Sie hat sich selbst längst überholt, nervt mit Political Correctness und ist doch unangefochten die Queen of Pop. Madonna hat die Erleuchtung gefunden - und sich selbst zwischen Politik, Pailletten und Pop verloren. Von Katharina Miklis, Berlin

Perfektionistin Madonna bei ihrem Auftritt in Berlin© Michael Gottschalk/DDP

Die Zeiten, in denen Madonna noch mit Papst und Porno provozierte, sind vorbei. Leider. Yoga, Jugendwahn und der Klimawandel haben sie zu dem gemacht, was sie heute ist. Eine billige Kopie ihrer selbst, die bei Timbaland und Timberlake Nachhilfestunden in Sachen Jugendkultur nehmen muss.

Natürlich ist es nicht leicht, sich immer wieder neu zu erfinden. Madonna gekreuzigt, Madonna beim Lesbensex, Madonna auf dem elektrischen Stuhl… Gab es alles schon. Es war nur eine Frage der Zeit, wann uns Frau Ritchie mit Hitler kommen würde. Jetzt ist es so weit: Bei ihrem krampfhaften Versuch zu schockieren, zeigt Madonna während ihrer "Sticky and Sweet"-Tour, deren dritte Station sie gestern Abend nach Berlin führte, ein Video mit US-Präsidentschaftskandidat McCain und Adolf Hitler in einer Reihe. Schockierend? Von wegen. Platte Politbotschaften einer verwirrten 50-Jährigen, die nach 25 Jahren beispielloser Musikkarriere nicht mehr so genau weiß, was sie will. Und vor allem wem sie gefallen will.

Madonna ist alles und nichts

Who the fuck ist eigentlich Madonna? Wer sich von dem Auftaktkonzert ihrer drei Deutschland-Auftritte in Berlin Antworten erhoffte, kam vergeblich. McCain ist böse, Obama gut. Ok. Und Madonna? Die ist irgendwie alles und nichts. In ihrer zweistündigen Show im Berliner Olympiastadion schwankte sie zwischen angestrengt jugendlichen HipHop-Beats, betont weltoffenen Gipsy-Klängen, Musical-lastigen "Evita"-Songs, 80er-Jahre-Hits, fernöstlich angehauchtem Techno-Sound. Mal schrammelt sie auf der Gitarre eine Heavy-Metal-Version des Klassikers "Borderline", dann räkelt sie sich lasziv um eine Stange, beweist im Seilspringen ihre unfassbare Kondition oder tanzt Flamenco zu "La Isla Bonita".

Rocker-Braut, Predigerin, Pop-Bitch oder Rebellin - lieber nicht festlegen. Madonna gehen die Fans aus. Während sich auf der riesigen Videoleinwand Hitler, Mutter Teresa, Britney Spears oder Pharrell Williams die Klinke in die Hand gaben, kamen nicht ganz so viele Fans zur großen Madonna-Party. 50.000 feierten die Queen of Pop. Tausende mehr hätten noch in das Olympiastadion gepasst. Ihre Plätze blieben jedoch leer.

Acht Kostümwechsel

Die, die gekommen waren, konnten acht Kostümwechsel der Pop-Mutti beobachten - von Givenchy bis Stella McCartney. 3500 Kleidungsstücke sollen von 36 Designern speziell für die Trendsetterin und ihre Tänzer entworfen worden sein. Hinter der Bühne warteten ein persönlicher Trainer, eine Masseurin sowie ein Chiropraktiker. Alles sollte perfekt sein. Kein Wunder, dass Madonna sauer war, als bei dem Auftritt zuvor in Nizza die Videoleinwände streikten.

Und auch bei der Berliner Show gab es technische Probleme, für die sich die in die Jahre gekommene Perfektionistin bei ihren Fans entschuldigte. Musste sie gar nicht. Nachdem Madonna ihr zweistündiges Fitnessprogramm ohne mit der künstlichen Wimper zu zucken absolvierte, war es beruhigend zu erkennen, dass man sich doch nicht in einem Videoclip mit Endlosschleife befand. Durch drei Jahrzehnte jagte die durchtrainierte Queen of Pop ihre Fans - von alten Songs wie "Vogue" über "Music" landete sie beim aktuellen Album "Hard Candy".

Nach zwei Stunden war sie dann vorbei, die opulente Party, mit der Madonna sich selbst feierte und uns zeigte, wie schlecht die Welt ist. Würden wir doch alle ein bisschen mehr auf Jesus, Allah, Buddha und Shiva hören. Und Sparlampen benutzen… Madonna ist erleuchtet. Ein bisschen weniger "alles" und ein bisschen mehr Madonna hätte der Show gut getan. Aber Understatement ist nun mal nicht ihr Ding. Und während die Fans noch die Bilder vom Waldsterben und der Klimaerwärmung im Kopf haben, fliegt Madonna zum Schlafen nach Hause. In einem ihrer zwei Privatjets.

Von Katharina Miklis, Berlin
 
 
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