Im Morgen-Grauen

6. Mai 2013, 20:12 Uhr

Olli Dittrich parodiert das morgendliche Frühstücksfernsehen - eine Sternstunde deutscher TV-Unterhaltung. Doch die ARD traut sich mal wieder nicht und versendet das neue Format Montagnacht. Von Kester Schlenz

Olli Dittrich ist Ingrid Höffelhuber von der CSU. Mit diesem herrlich absurden Satz lässt sich die beste Szene aus Dittrichs neuem TV-Format "Frühstücksfernsehen" prima zusammenfassen. Es lohnt sich aufzubleiben, wenn die ARD die halbstündige Sendung am Montagabend um 23.40 Uhr sendet. Skandalös spät! Mal wieder vertraut das Erste den eigenen guten Stoffen nicht.

In "Frühstücksfernsehen" parodiert Dittrich die typischen TV-Morgenmagazine. Der Komiker hat die unfreiwillige Komik dieser Form des betreuten Moderierens erkannt, und wir finden alles, was die "MoMas" ausmachen: ein angestrengt aufgeräumtes Moderatoren-Team, sonderliche Newsblöcke, einen drögen Wettermann, nichtssagende Interviews, tumbe Gewinnspiele und natürlich aktuelle Reportagen, in denen Dittrich voller Inbrunst in die unterschiedlichsten Rollen schlüpft.

Reizend - mit gefährlichem Unterton

Ingrid Höffelhuber von der CSU ist so eine Rolle. Sie stellt in der Sendung ihre rätselhafte Lärmschutz-Initiative "Spielplatz 21" vor. Und der Komiker gibt die Höffelhuber hier nicht als Charlys Tante, sondern als ganz und gar unklamottige Ur-Bayerin, die problemlos bei Günther Jauch die Herdprämie verteidigen könnte. Das ist Dittrichs große Kunst: Frau Höffelhuber ist sehr realistisch und sehr reizend, aber das mit einem gefährlichen Unterton.

In einer anderen Reportage ist Dittrich als fiktiver argentinischer Fußballstar Pipo zu sehen, der beim HSV als Stürmer anfängt. Reinhold Beckmann (der echte) interviewt den Sportler in der HSV-Arena und stellt todernst seine Fragen. Pipo antwortet grotesk radebrechend, redet viel - und sagt nichts. Und Lothar Matthäus (auch der echte) lobt die neue Sturm-Hoffnung dann noch mit den Worten: "Wenn Pipo spielt, ist er eine Verstärkung für jede Mannschaft." Wenn er denn spielt! Denn es heißt, der Argentinier sei häufig verletzt und habe sich schon bei der Vertragsunterzeichnung einen komplizierten Handwurzelbruch zugezogen.

Locker-joviale Knalltüten

Die Moderatoren im morgendlichen "Gute Laune"-Studio geben Dittrich und Cordula Stratmann. Zwei locker-joviale Knalltüten, die direkt aus den echten Morgenmagazinen herübergehüpft sein könnten. Und genau das ist das Besondere an diesem Projekt: die Komik entsteht hier durch eine nur leichte Verzerrung der Realität. "Ich habe von Anfang an keine Gagshow wie "Switch Reloaded" machen wollen", sagt Dittrich. "Diese Morgenmagazine sind ja an sich schon Realsatire. Die Überzeichnung durfte und sollte nie zu groß sein." Und so erklärt uns dann in einer der Reportagen der schwäbische Theaterregisseur Maximilian von Kladen (natürlich Dittrich) im Hamburger Schauspielhaus mit großem Ernst und sehr überzeugend, warum im modernen Theater keine Menschen mehr auf die Bühne gehören. Und schließlich gibt es auch noch einen legendären Popstar zu sehen, der im "Frühstücksfernsehen" ein quälend wortloses Interview gibt. Dittrich als vergnatzter Bob Dylan - das ist ganz großer Sport!

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