"Tatort"-Fans legen Server lahm

14. Mai 2012, 14:42 Uhr

die ARD lässt Zuschauer im Internet ermitteln. Zum Start des Crossmedia-Projekts mit dem "Tatort" brachen die Server zusammen. In Zukunft dürfte die virtuelle Mördersuche jedoch Schule machen. Von Katharina Miklis

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Ermittlungen im Wald - und im Internet: Der SWR-"Tatort" mit Ulrike Folkerts (Mitte) geht neue Wege©

Der Fall ist gelöst - doch der Täter fehlt. Etwas unbefriedigend endete der "Tatort: Der Wald steht schwarz und schweiget" am Sonntagabend. Nicht jedoch für die ARD: Über acht Millionen Zuschauer folgten Lena Odenthal und ihren Entführern auf der Flucht durch den Pfälzerwald - und im Anschluss sogar bis an den virtuellen Seziertisch im Internet.

Erstmals in der 40-jährigen "Tatort"-Geschichte kann online nach dem Mörder gefahndet werden. Auf der Internetseite des "Tatort"-Krimis werden User zu Kollegen von Lena Odenthal und Mario Kopper - Zeugen können befragt, Kriminaltechniker und Rechtsmediziner zu Rate gezogen werden. Auch Beweisstücke und Laborergebnisse lassen sich online analysieren. Außerdem können sich die User über Twitter und Facebook austauschen, um den Mörder zu finden. Der Einstieg bei "Tatort+" ist jederzeit möglich. Beendet wird die Onlineermittlung spätestens am Samstag. Dann soll der Fall online der virtuellen Staatsanwaltschaft übergeben werden.

20.000 User werden zu Online-Ermittlern

Der Odenthal-"Tatort" wurde nicht konkret für dieses Crossmedia-Projekt geschrieben, sondern war schon abgedreht, als man mit den Planungen für die Online-Umsetzung begann. Da das Ende des Falls offen ist, wurde dieser Krimi für das Pilotprojekt ausgewählt, erklärt eine SWR-Sprecherin auf Anfrage von stern.de. Das Interesse an den virtuellen Ermittlungen - so erklärt es die ARD - war so groß, dass der Server zwischenzeitlich zusammenbrach. Auch auf Twitter und Facebook brauchten die Krimifans Geduld. Über 20.000 User blieben trotz der Schwierigkeiten in der ersten Nacht dran, erklärt die ARD. SWR-Fernsehdirektor Bernhard Nellessen zeigt sich daher optimistisch für die Zukunft: "'Tatort+' ist ein Experiment, das zeigt, wie Medienkonvergenz möglich ist. Wir werden weiter experimentieren."

Für den "Tatort" mag diese Form der Verlängerung ins Netz ein absolutes Novum sein - für die Kollegen vom ZDF nicht. In Mainz probiert man sich schon länger an der Crossmedia-Strategie aus. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Zweite Pioniergeist bewiesen und seine User im Rahmen des Thrillers "Wer rettet Dina Foxx?" drei Wochen lang im Social Web ermitteln lassen. Auch damals ruckelte es an der Umsetzung, das Interesse der User war jedoch geweckt. Im Januar dieses Jahres wagte sich der Sender mit einer Online-Verlängerung dann auch an eine etablierte Serie und ließ die User zwischen zwei Wilsberg-Folgen im Netz recherchieren. "Cross- und transmediale Verbindungen von TV und Online in unterschiedlicher Ausprägung sind ein Bestandteil unserer Planung für die nächsten Jahre", erklärte damals der für das Projekt mitverantwortliche ZDF-Redakteur Benjamin Gögge.

Und schon im Februar ging es weiter: Auch die neue ZDF-Serie "Die Chefin", lockte die Zuschauer der ersten Staffel auf interaktive Schnitzeljagd ins Internet. Auf der Homepage der Krimiserie können Tatortfotos gesichtet und Mailboxnachrichten der Kommissarin abgehört werden.

Lob und Kritik via Facebook

Auf der Facebook-Seite von "Tatort+" posten die ersten Hobby-Kommissare bereits, den Mörder gefunden zu haben. Die Reaktionen der User sind gemischt. Neben lobenden Worten für die Umsetzung gibt es vor allem Kritik an den Server-Abstürzen und Fehlermeldungen. Auch am Montagmorgen scheint die ARD das Problem nicht vollends in den Griff bekommen zu haben. "Bei mir steht da seit 5 Minuten: Das Spiel wird geladen...suuuper :-(", postet eine Online-Ermittlerin. Aber auch alteingesessene "Tatort"-Fans üben Kritik. "Ihr habt wohl den Knall nicht gehört!!!!", schreibt ein User. "Was ist mit den älteren Tatort-Zuschauern, die kein Internet haben???"

Die ARD will nun alle Reaktionen sammeln und in Ruhe über die Zukunft der Online-Ermittlung beraten. Für konkrete Planungen sei es noch zu früh, so eine Sprecherin. Jedoch sei man beim Sender "überaus zufrieden" mit dem Verlauf und den Zugriffen auf das Crossmedia-Projekt.

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