19. Juli 2010, 21:55 Uhr

Roland Kochs Pyrrhussieg

Im Windschatten der Empörung über Roland Kochs politische Einmischung beim ZDF hat die SPD still und leise ihre Positionen in dem Sender ausgebaut. Jetzt soll ein Intimus von Kurt Beck ZDF-Verwaltungschef werden. Von Bernd Gäbler

 
Roland Koch, Martin Stadelmaier, Peter Frey, Nikolaus Brender, ZDF, neuer Chefredakteur,

Martin Stadelmaier, Leiter der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, soll ZDF-Verwaltungschef werden©

Der Mensch macht einen Plan, verfolgt dann energisch seine Ziele - und oft ist am Ende das Resultat dennoch anders als beabsichtigt. So muss jetzt auch Roland Koch auf sich und das ZDF zurückschauen. Als er noch in Saft und Kraft als hessischer Ministerpräsident stand, tat er alles, um eine dritte Amtszeit für den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zu verhindern. Das ist ihm gelungen. Er nahm in Kauf, dem Ruf des ZDF zu schaden, denn er wollte mehr: zurück zu den seligen Zeiten, als beispielsweise Friedhelm Ost, der nachmalige Regierungssprecher und CDU-Parlamentarier die ZDF-Wirtschaftsberichterstattung noch straff führte. Oder der Redakteur Reinhard Grindel, CDU-MdB seit 2002, das erste längere zarte Angela Merkel-Porträt mit schönen Bildern von privaten Spaziergängen am Strand ins Programm tupfte. Mit einem Wort: den Einfluss "der Schwarzen", also der CDU-Mitglieder und
-Sympathisanten auf die Berichterstattung erhöhen.

Aus dem Farbenspiel des ZDF: Mehr Rot als Schwarz

Das Gegenteil ist nun der Fall: seit der causa Brender haben die senderintern "die Roten" genannten Kräfte ihre Positionen sukzessive ausgebaut. Chefredakteur wurde Peter Frey, der einst im "Sommerinterview" den rheinland-pfälzischen SPD-Ministerpräsidenten und Vorsitzenden des ZDF-Rundfunkrats Kurt Beck in einer Weinstube allzu brav befragte. Natürlich versucht er nun parteipolitische Äquidistanz zu demonstrieren. Wie auch Brender zählt er sich zu keinem der "Freundeskreise" (vulgo: parteipolitischen Kungelrunden) im ZDF - aber der Posten des Chefredakteurs ist seit den Zeiten von Reinhard Appel und Klaus Bresser in der ZDF-internen Balance schon immer Domäne derjenigen gewesen, die eher der SPD nahe stehen. Das ist mit Peter Frey nicht anders.

Chefin des Hauptstadt-Studios wurde die ehrgeizige Bettina Schausten, die nun senderintern zwar als "Schwarze" verrechnet wird, aber - wie Peter Frey - als persönliche Referentin des SPD-nahen Chefredakteurs Klaus Bresser ihre ZDF-Karriere begann. An ihrer Seite berichtet Thomas Walde - ebenfalls "ein Roter" - aus Berlin. Gleichzeitig wurde der Fundamental-Christ Peter Hahne, über den manche argwöhnen, er könne der zentrale Einflüsterer für Roland Koch gewesen sein, auf einen unbedeutenden sonntäglichen Talk abgeschoben und der smarte Steffen Seibert zum Regierungssprecher promoviert.

Nie war der Anteil der "Schwarzen" an der unmittelbaren, operativen Politik-Berichterstattung des ZDF so gering. Denn auch Petra Gerster, Schwester des ehemaligen SPD-Sozialministers von Rheinland-Pfalz, gilt trotz aller Konservatismen im Zweifelsfalle als "rot", Claus Kleber, der sogar "Spiegel"-Chefredakteur hätte werden können, ohnehin und Marietta Slomka wurde von Nikolaus Brender entdeckt und gefördert. Bleibt noch Theo Koll, ausgestattet mit englischen Maßhemden und einer CDU-Politikerin als Lebensgefährtin, dessen Zuständigkeit nun prompt auf Innen- und Außenpolitik ausgedehnt wurde. Ihm muss man aber - wie auch Peter Frey - zugutehalten, dass er stets um seriöse journalistische Distanz bemüht ist. Dennoch kann die SPD insgesamt wohlgefällig auf die internen Verschiebungen im ZDF seit Brenders Zwangsabgang schauen. Roland Koch hat das Gegenteil seiner ursprünglichen Absichten bewirkt.

Beck-Intimus soll ZDF-Verwaltungschef werden

Dies sind die Personalien, die uns allen vom Bildschirm her vertraut sind. Noch wichtiger aber ist eine andere, die nun vorbereitet wird. Auf dem wichtigen Posten des ZDF-Verwaltungsdirektors soll Martin Stadelmaier auf Hans Joachim Suchan folgen. Noch mag dies niemand bestätigen, und er selbst hat bisher eine entsprechende Anfrage nicht beantwortet, aber im ZDF pfeifen die Spatzen dieses Gerücht durch die Flure. Mehr als zwei Quellen bestätigen es. Martin Stadelmaier ist der Leiter der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei und der engste Vertraute von Kurt Beck.

Zwar wechselte auch Suchan einst von einer Staatskanzlei zum ZDF - er leitete die hessische, als Hans Eichel dort noch Ministerpräsident war -, aber es gibt einen fundamentalen Unterschied: Martin Stadelmaier ist jetzt schon der zentrale Medienpolitiker der SPD. Ob es um die Neuordnung der Gebühren geht, die Definition des öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrags oder die Klage zur Zusammensetzung der ZDF-Gremien - jetzt schon geht das alles über Stadelmaiers Schreibtisch. Er ist auch bundesweit der wichtigste medienpolitische Strippenzieher der SPD. Wenn er nach Suchans Pensionierung dem ZDF-Intendanten an die Seite gestellt wird, ist dies eine weitere, bedeutende Stärkung der SPD im Mainzer Sender der Länder.

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
gokahe (22.07.2010, 09:42 Uhr)
Und dann war er weg? mein Kommentar,
nicht einmal ein Löschhinweis. 2, Versuch
Könnte von Tempelhofer sein,
die Kolumne. Peter Frey ein Roter?, im Schlepptau Bettina Schausten auch rötlich? angehaucht und und ... ZDF von den Roten unterwandert. Der Spiegel eine rote? Zeitung. Und das alles im Stern DER linken Zeitung würde Tempelhofer sagen. Wohl eher und unverkennbar von Herrn Gäbler zielgerichtet im Stern, dem Bertelsmannsprachrohr ganz im Sinne der zwei mächtigsten Frauen Deutschlands zum eignen Wohlbefinden.
gruß gokahe
alice_42 (21.07.2010, 10:38 Uhr)
Witzig ...
... wer hier mal eben nonchalant zum "Linken" erklärt wird :-)

Wer meint, man müsse ein Linker sein, um Spiegel-Chefredakteur zu werden, kann seit Jahren keinen Spiegel gelesen haben.
Und wenn Peter Frey den SPD-Mann Beck "allzu brav" befragt haben soll, stellt sich doch die Frage, wen Frey denn nicht "brav" befragt. Der kann gar nicht anders, der ist einfach so!
Und Bettina Schausten? Die hat kath. Theologie studiert und ihre Karriere beim BR begonnen. Auch keine typische linke Laufbahn.
Dass sie und Frey einst als persönliche Referenten für Brender gearbeitet haben, beweist am Ende nur, dass Brender nicht so SPD-nah ist, wie der Autor es dem Leser gern weismachen will - man erinnere sich nur an die berühmte "Elefantenrunde" mit Schröder und Brender.
chatahootchee (20.07.2010, 16:50 Uhr)
SO LANGSAM
mausert sich die GEZ zum Parteibeitrag.

Auch habe ich den Eindruck, dass man jetzt die linkslastige Geschichte wesentlich niedriger haengt als damals der Rechtseinfluss in Sachen "Brender".
Tempelhofer (20.07.2010, 15:10 Uhr)
@ WernerMeyer
Und wer ist diese Schattenregierung ?

Die Rothschilds oder die Freimaurer ?
WernerMeyer (20.07.2010, 14:56 Uhr)
Beide Parteien werden von der eigentlichen
Schattenregierung beherrscht.Es ist also
egal ob einer von der SPD oder der CDU
eingesetzt wird.
kralli19 (20.07.2010, 13:48 Uhr)
GEZ...
Wofür zahle ich nochmal GEZ-Zwangsgebühren ? War da nicht was von unabhängigen Medien ???
herc (20.07.2010, 12:33 Uhr)
Neuestes Gerücht
Koch wechselt nach seiner politischen Demission als Nachfolger von Seifert als Nachrichtensprecher zum ZDF, sozusagen als U-Boot der Fregatte aus der Uckermark.

Hier hat lles seine Ordnung, hier hat alles einen Plan.
emeinung (20.07.2010, 11:14 Uhr)
@susi_sonicht
Hieß es so? Das kommt wohl immer auf die jeweilige Landesrundfunkanstalt an. Im Süden, sprich beim Bayerischen Rundfunk, übt die CSU starken Einfluß aus, während weiter nordwärts z. B. der HR oder WDR stets als "Rotfunk" bezeichnet wurden. Und die starken Medieneinkäufe der SPD bei Zeitungen und Privatfunk sind auch kein Geheimnis.
Ernst1 (20.07.2010, 09:01 Uhr)
Staatsfernsehen alle DDR
Und dafür bezahlt man dann GEZ. damit man unabhängig informiert wird. War das nicht das Hauptargument gegen die privaten Fernsehsender? Wie in der DDR ohne Parteibuch geht nichts.
susi_sonicht (20.07.2010, 07:25 Uhr)
Add Satorihans
Ich schließe aus Ihren Zeilen dass Sie dem linken Lager zugerechnet werden könnnen. Ist ja okay. Jeder/jede hat so Überzeugungen. Aber glauben Sie tatsächlich dass das was Sie jetzt fordern von Politikern umgesetzt wird? Das die Linken - so sie denn an der Regierung wären - ihre eigenen Bezüge um 80 Prozent kürzen würden? Glauben Sie das tatsächlich - dass die Linken für das Volk gute Entscheidungen treffen würden und nicht zuerst an sich denken?

Sorry, dann sind Sie ehrlich gesagt noch naiver als ich dachte. Jede Partei, wenn sie erst mal am Ruder ist, und deren politische Vertreter, werden erstmal an sich, an ihre Klientel, an ihre Vertrauten und ureigendsten geschaffenen Geschöpfe denken - nämlich diejenigen die ihnen das meiste versprochen haben.

Das Volk? Sie, ich, wir alle - das interessiert schon lange niemanden mehr!

Tut mir leid - aber ist so - verabschieden Sie sich mal ganz schnell von Ihren Illusionen!
Die Medienkolumne

Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

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