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10. März 2007, 04:26 Uhr

Der Neue ist echt locker

Nachtschwärmer haben es längst bemerkt. Seit Montag wird das ARD-Nachtmagazin von einem neuen Moderator präsentiert. Ingo Zamperoni hat Anja Bröker abgelöst und wird neben Gabi Bauer im wöchentlichen Wechsel das Nachtmagazin moderieren. Von Michael Rossié

Locker, dynamisch und voller Selbstbewusstsein: Ingo Zamperoni© Wolfgang Langenstrassen/DPA

Auch wenn das RTL-Nachtjournal mehr Zuschauer hat (möglicherweise weil es jeden Abend zur selben Zeit beginnt), so gelten doch die Nachrichtensendungen der ARD als Vorbild für viele Privatsender. Und da hat man mit dem 32-jährigen Ingo Zamperoni jemanden gefunden, der diesem Anspruch gerecht wird. Es gelingt ihm, die ohnehin hohe Qualität der Moderation von Gabi Bauer noch zu übertreffen.

Locker, dynamisch und voller Selbstbewusstsein stellt er sich als der Neue vor. Die dicht voll geschriebenen Moderationskarten sehen so aus, als seien sie vor der ersten Sendung lange geknetet worden, aber eigentlich braucht er sie gar nicht. Im Gegensatz zu Gabi Bauer (die ihre Moderationenkarten längs rollt, während Zamperoni sie quer rollt) braucht er keine Stichworte. Lediglich bei der Anfangszeit der letzten Nachrichten am Ende der Sendung guckt er auf den Monitor. Aber die Anfangszeit wechselt ja auch jeden Abend.

Sprechererziehung hat er wahrscheinlich nicht gehabt. Bei ihm heißt es "Kompromüsse" und "Münisterium" und "Musikßene". Aus "Kerstin" wird "Kersten", und die Enden werden schon mal verschluckt ("hammer gehört"). Aber er spricht zügig, denkt, was er sagt und macht auch bei komplizierten Sätzen keine unnötigen Pausen. Bei ganz wenigen Satzungetümen, die man ihm zumutet, unterteilt er eigenartig, wie z.B. "Und - wie Frank Steininger berichtet - wurde beim Festakt - sowohl der Fortschritte - als auch der Anfänge gedacht." Das ist ein bisschen zuviel des Guten.

Aber seine Fragen sind intelligent, und er zeigt, dass er sich im Studio wohlfühlt. Wie so viele Moderatoren liebt er regelmäßig das Abtrennen des "aber" zu Beginn des Satzes: "Aber - kein Krieg..." und macht manche Kommapause ("Vielen Dank - dass Sie aufgeblieben sind!"). Vor der dritten Meldung betont er natürlich das "und", wie wir das in fast jedem Sender vor allem im Radio hören. "Meldung A - Meldung B - UND - Meldung C. Eine Modeerscheinung, die hoffentlich bald wieder verschwindet.

Trotzdem klingt das alles eine Idee flüssiger und lockerer als bei Gabi Bauer, die dem Zuschauer durch eine hohe Anzahl von Betonungen das Zuhören sehr erschwert. Dass sie mal abgelenkt ist durch den Monitor oder ihr der Sender des Ansteckmikrophons mal runterfällt kann passieren. Auch dass sie eine ganze Sendung durchgehend lacht, auch wenn z.B. beim Thema Airbus alles andere als ein Lachen angebracht ist, so ist es doch in erster Linie die Häufung von betonten Silben, die oft richtig stört. Ein Satz wie "OB die STRATEGIE aber AUFGEHT, GLEICHZEITIG bei den MITARBEITERN zu sparen UND den SERVICE VERBESSERN zu WOLLEN..." ist nicht nur zu nächtlicher Stunde schwer verständlich. Die Meldungen des Tages sind ja kein Vortrag über Nuklearphysik. Und so wirklich locker sind die gespielten Witze zum Wetter auch nicht. Zamperoni war dagegen schon in den ersten Sendungen auch mal ironisch und die Augenbraue tanzte manchmal rauf und runter.

Auch wenn man vorher nie so genau weiß, wie lange man aufbleiben muss, um ihn zu sehen: Wer vor dem Schlafengehen noch mal locker und unterhaltsam moderiert das Wichtigste vom Tag erfahrenen will, der ist bei Herrn Zamperoni gut aufgehoben. Von dem werden wir sicher noch hören.

Zur Person:

Zur Person: Michael Rossié arbeitet seit 20 Jahren als Sprechtrainer und Coach im Auftrag verschiedener Radio- und Fernsehsender. Er bildet Schauspieler für die Arbeit mit der Kamera aus, schult Moderatoren und Sprecher, coacht Prominente für Fernsehauftritte und berät Musikgruppen für die Moderationsanteile bei ihren Live-Auftritten.

Daneben ist er Autor der Bücher "Sprechertraining" (2000) und "Frei sprechen" (2004), beide in der Reihe "Journalistische Praxis" des List-Verlages erschienen, sowie des Buches "Schwierige Gespräche - live" (2005) im Haufe Verlag.

Von Michael Rossié
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
hevosenkuva (11.03.2007, 10:27 Uhr)
man kann auch nachts Erbsen zählen...
bitte nicht falsch verstehen, der Artikel ist gut und fundiert geschrieben, absolut und angenehm lesbar. Nur spüre ich eine gewisse Antipathie gegen Gabi Bauer, die im Endeffekt lediglich dazu dient, den "Neuen" noch weiter hochzujubeln.
Ich hingegen schätze an Gabi Bauer ihre herzliche, verbindliche Art unds ihre blitzenden Augen, die mir zeigen, dass man nicht alles so ernst nehmen sollte wie es ist. An falschen Betonungen störe ich mich in anderen Sendungen und synchronisierten ausländischen Filmen viel mehr.
Ein Aspekt fehlt mir noch im Artikel: was wird aus Anja Bröker?
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