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12. September 2011, 06:30 Uhr

Da ist noch Luft nach oben

Er ist der Star unter Deutschlands Moderatoren. Günther Jauchs Einstand als Polit-Talker im Ersten ist trotzdem ziemlich hölzern ausgefallen. Das lag an ihm, am Studio und der Überdosis Gäste. Von Sophie Albers

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Überdosis an Gästen in Günther Jauchs erster Show© ARD/Steffen Kugler/DPA

Zumindest können sie nun sagen: "Haben wir doch gleich gesagt". Nein, Günther Jauch hat das Fernsehen tatsächlich nicht neu erfunden. Und ja, die Sendung "Günther Jauch" braucht noch viel Zeit, um in Form zu kommen. Der Star unter Deutschlands Moderatoren hat am Sonntagabend seine erste ARD-Polit-Talkrunde hinter sich gebracht - und es gibt noch viel zu tun.

Warum auch immer wirkte der sonst so entspannte Jauch alles andere als entspannt, hielt die Stichwortzettel fest umklammert und las zu oft zu deutlich ab. Der viel besungene jungenhafte Charme, der Jauch als "Wer wird Millionär?"-Moderator berühmt gemacht hat, war zusammengeschrumpft auf das Jungenhafte. Dazu passend wurden die Gäste "drangenommen" wie in der Schule. Und sieben waren definitiv zu viele; Jauch hatte zur Diskussionsrunde zum Megathema "Zehn Jahre 11. September" gerufen. Weniger wäre mehr gewesen: Eine richtige Diskussion kam kaum in Gang. Offensichtlich sollten alle ungefähr gleich viel sagen.

Von Klinsmann bis Heidenreich

Auf die Frage, ob "es richtig war, in den Krieg zu ziehen", antwortete vor allem das sympathische Raubein Peter Struck, Verteidigungsminister a.D. Dessen Pro-Haltung wurde von dem Afghanistanexperten Jürgen Todenhöfer mit leidenschaftlicher Kritik in Balance gehalten. Der wurde wiederum unterstützt von Kriegsgegnerin Elke Heidenreich. Axel-Springer-Vorstand Mathias Döpfner rechtfertigte den deutschen Einsatz mit den Lehren aus der Shoah - "wir dürfen nicht weggucken". Alles in allem ein seltsamer Gast. Jürgen Klinsmann, mittlerweile Trainer des Fußballnationalteams der USA, durfte als Wahl-Amerikaner über das amerikanische Volk urteilen: Die komplexen Hintergründe der Anschläge zu begreifen, sei "sehr, sehr schwer für die Amerikaner".

Persönlich werden sollte der Krieg gegen den Terror mit Marcy Borders, einer Frau, die den Angriff auf das World Trade Center überlebte, und deren Bild als "Staub Lady" um die Welt ging - wobei die pathetische Musik des Einspielfilms über Borders' "neues Leben" hart am Sensations-Kitsch vorbeischrammte. Vor die Haustür geholt wurde der Afghanistankrieg mit Tanja Menz, der unfassbar gefassten Mutter eines Bundeswehrsoldaten, der am 18. Februar 2011 im Einsatz erschossen wurde. Persönlich bedeutete in der "Günther Jauch"-Show allerdings nicht intim. Das lag am immer wieder verhallten, verzerrten Ton, egal wie nah Jauch an seinen Gästen saß. Da muss die Technik im Studio im Berliner Gasometer noch mal ran.

Zu hölzern und zu eilig

In "Günther Jauch" gab es kaum Platz für die Jauch doch eigentlich eigene Natürlichkeit. Zu hölzern und zu eilig wechselte Jauch von Frage zu Frage, von Gast zu Gast, was dem Thema zuletzt nicht gerecht wurde, denn Differenzierung braucht eben Zeit.

Richtig spannend dürfte das Gespräch gewesen sein, das die Mutter des toten Soldaten nach der Sendung hoffentlich noch mit Struck geführt hat. Von dem Ex-Minister stammte auch das letzte Wort, als die Abspannmusik bereits lief. "Ich finde, Sie haben das auch gut gemacht", tröstete er Jauch. Da hat der Junge gelacht.

P.S. Auch die Quote fiel wie die Sendung aus: Solide, aber nicht überragende 5,10 Millionen Menschen sahen "Günther Jauch". Das waren - natürlich für eine Premiere - mehr als der Durchschnittswert von "Anne Will", aber nicht sensationell.

Von Sophie Albers
 
 
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