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17. März 2008, 12:26 Uhr

"Spitzers Nutten wollen Euro"

Festwochen für amerikanische Comedians: Sie spielen Obama und Clinton gegeneinander aus, John Cain ist ihr "Grandpa-Monster". Ganz besonders in den Kram passt ihnen die Spitzer-Affäre. Von Stange-halten bis "Nummer 9" - über "John"-Boy Spitzer grassieren Callgirl- und Sexzoten in jeder US-Comedy-Show. Von Ulrike von Bülow, New York

Sie gibt den US-Komikern Stoff für immer neue Gags: Die Prostituierte Ashley Alexandra Dupre© Reuters/myspace.com

Wenn Hillary Clinton und Barack Obama in der vergangenen Woche verfolgt haben, was die amerikanischen Spaßmacher so von sich gaben, dann werden sie sich vermutlich prächtig amüsiert haben. Die beiden waren so gut wie raus aus der komödiantischen Schusslinie, denn die vergangene Woche gehörte - na klar, Eliot Spitzer, dem Gouverneur des Staates New York, der einst gegen Prostitution vorging und nun aufflog als "John", wie Freier in den USA genannt werden, und zurücktreten musste.

Der Dollar steht so schlecht wie ewig nicht, sagte Jay Leno am Freitag in seiner "Tonight Show" - "Eliot Spitzers Nutten wollen jetzt in Euro bezahlt werden." Der Kollege David Letterman nannte in der "Late Show" seinen Zuschauern zehn Gründe, "warum Ihre College-Mannschaft nicht die Play-Offs erreicht hat", die gerade in der amerikanischen College-Liga ausgespielt werden. Grund Nummer eins war natürlich: "Sie traf weniger als Eliot Spitzer." Kein Gag, der nicht auf Spitzers Kosten ging.

"Sogar Bill Clinton war entsetzt, dass Spitzer in ein Hotel ging"

" Am Samstag wurden Mr. und Mrs. Spitzer dann bei "Saturday Night Live" parodiert. Es wurde jene Pressekonferenz nachgespielt, bei der er seinen Rücktritt bekannt gab und sie ihm, hihi, die Stange hielt. Die Eliot-Spitzer-Kopie sah noch spitznasiger aus als der echte Eliot, und die Silda-Spitzer-Kopie schaute noch schmallippiger drein als die echte Silda es tat. Anschließend sagten die Moderatoren: "Seine Frau stand ihm bei, um sicher zu gehen, dass sich keine Prostituierte unter dem Podium versteckt hatte." Und: "Du willst Sex mit einer Nutte ohne Kondom? Das ist okay, wenn du Kunde Nummer eins bist. Aber Kunde Nummer neun?" Brüllendes Gelächter. "Kunde 9" wurde Spitzer in den Dateien des "Emperor's Club V.I.P" genannt, jenem Prostituierten-Ring, deren Angestellte er sich unter anderem ins Mayflower Hotel in Washington D.C. bestellt hatte. Was Jay Leno zu diesem Scherz veranlasste: "Sogar Bill Clinton war entsetzt, dass Spitzer in ein Hotel ging."

Viel Stoff für Comedians

Es sind Festwochen für Gagschreiber und Komiker. Mitte Februar beendeten die Autoren ihren Streik, und seitdem ist die amerikanische Politik ist das Lieblingsthema der amerikanischen Spaß-Guerilla. Bei den Demokraten kämpfen eine Frau und ein Afro-Amerikaner um die Präsidentschaftskandidatur, bei den Republikanern tritt mit John McCain ein ziemlich alter Herr an, und dann fliegt noch ein Gouverneur auf, der sich mit Prostituierten einließ - besser geht's kaum.

Auch wenn es natürlich nicht ganz leicht ist, mit einer Frau und einem Afro-Amerikaner zu spaßen. "Du kannst Hillary nicht kritisieren: Ooh, das ist Sexismus", sagte Jay Leno kürzlich in einem seiner Eröffnungsmonologe. "Du kannst Barack nicht kritisieren: Ooh, das ist Rassismus." Kurze Pause, dann kam die Pointe: "Und du kannst McCain nicht verfolgen, denn das ist Alten-Missbrauch."

Cain ist das "Grandpa-Monster"

Das ist typisch, denn Witze über John McCain beschäftigen sich immer mit seinem Alter. McCain ist 71, David Letterman vergleicht ihn mit einem "mall-walker", einem Rentner, der viel Zeit hat, in einer Einkaufsmall herum zu spazieren, und Bill Maher, die böse Zunge des Pay-TV-Senders HBO, nennt McCain konsequent "Grandpa-Monster".

Es geht in diesem Vorwahlkampf ja viel um den Klau von Sätzen: Welcher Kandidat sagt etwas, das ein anderer längst gesagt hat. Conan O' Brien, wie Leno Late Night-Moderator bei NBC, meinte kürzlich, McCain habe sich einen frischen, jungen Satz von Obama geborgt, und darum habe Obama umgehend einen Satz von McCain gestohlen: "Ich bin alt und weiß nicht, wo ich bin."

Hillary nutzte Sketch in nächster Fernsehdebatte

Es ist noch nicht lange her, da wurde die Komik zum Politikum. Denn Hillary Clinton machte aus einem Spaß Ernst. "Saturday Night live", die Mutter aller amerikanischen Comedy-Shows, hatte sich über die "Obama-Mania" lustig gemacht und in einem Sketch die Fernsehdebatten zwischen Hillary Clinton und Barack Obama persifliert: Darin schleimten sich die Moderatoren bei Obama ein, sie boten ihm zusätzliche Sitzkissen an, aber Clinton behandelten sie eiskalt. Und das thematisierte Hillary Clinton dann in der nächsten echten Fernsehdebatte mit Obama. "Bei den letzten Debatten schien die erste Frage immer an mich zu gehen", klagte sie und erinnerte an den Sketch: "Vielleicht sollten wir Barack fragen, ob ihm bequem ist oder ob er noch ein Kissen braucht?"

Daraufhin fragten sich die amerikanischen Medien, ob sie tatsächlich zu nett mit Barack Obama umgegangen sind - und zu böse mit Hillary Clinton. Und diese ganze Debatte gab Clinton einen Schub: Sie gewann die Vorwahlen in Texas und Ohio. Eine Studie ergab in dieser Woche, dass die kritische Berichterstattung über Barack Obama seit der "Saturday Night live"-Parodie zugenommen hat. Und die Leute von "Saturday Night live" müssen sich seitdem den Vorwurf anhören, sie unterstützten Hillary Clinton.

Er wollte doch nur lustig sein, mehr nicht, sagt nun Autor Jim Downey, der den Sketch geschrieben hat. Im Übrigen würden er und seine Kollegen Barack Obama favorisieren. Den hatten sie für den vergangenen Samstag eingeladen zu "Saturday Night live", doch Obama sagte ab. "Ich hoffe sehr", sagt Downey, "dass das an seinem Terminkalender lag. Und nicht daran, dass er uns jetzt hasst."

Von Ulrike von Bülow, New York
 
 
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