. .
TV und Fernsehen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
28. Februar 2010, 10:22 Uhr

Senile Aussetzer im Samtjackett

Wetten, dass bei Thomas Gottschalk gar nichts mehr geht? Wie ein tütteliger Alter schwärmte der Moderator am Samstagabend von früher und ließ sich von Michelle Hunziker durch den Abend führen. Das wurde selbst einem Hollywoodstar zu bunt. Die Quote war ein Desaster. Von Mark Stöhr

Wetten dass, ZDF, Erfurt, Thomas Gottschalk, Sophia Loren, Gene Simmons, Michelle Hunziker, Matthias Schweighöfer, Kritik, Wetten, Kiss

Der ewige Moderator: Thomas Gottschalk am Samstag in Erfurt© DDP/Jörg Koch

Schwer zu sagen, was der Mann noch mitbekommt. Früher einmal war er der größte deutsche Showmaster, smart und schnell, heute ist er ein Unterhaltungsrisiko. Fahrig und fad steuerte Thomas Gottschalk gestern Abend das einstige ZDF-Flaggschiff "Wetten, dass ..?". Ein überforderter Endfünfziger im blauen Samtjackett. Gelungene Gags: Fehlanzeige. Gelungene Gespräche: nicht vorgesehen. Sein großes Thema: das Altern. In den seligen Zeiten gab es noch richtige Diven und Derwische. Leute wie Sophia Loren und die Schminkfratzen von Kiss. Er hatte sie eingeladen. Die Loren, wie generalüberholt mit voller Lippe und glatter Stirn, und Kiss-Bassist Gene Simmons, dem die berühmte lange Zunge inzwischen bis zum Boden hängt. Es hat alles nichts genutzt. Die Gegenwart ist gnadenlos. Immer wieder bat Gottschalk seine Assistentin Michelle Hunziker um Hilfe: "Du musst mir erklären, worum es geht." Ja, worum eigentlich?

Wie ein dressierter Seehund

An der blonden Schweizerin lag es nicht, dass die 187. Ausgabe von "Wetten, dass ..?" so danebenging. Sie tat, was sie konnte: Ihr Kleid hatte einen neckischen Ausschnitt. Wie ein dressierter Seehund hoppelte sie neben Gottschalk her und schlug an, wenn er sich verzettelte. Auch die Ausstatter gaben ihr Bestes und verpassten den Wettkandidaten die gleichen dämlichen Brillen wie eh und je.

Selbst die Wetten hatten die erträgliche Balance zwischen originell und ohne Worte. Eine Zehnjährige mit Schuhgröße 42 nuckelte an Star-Wars-Figuren ("Wenn ich rappelig bin, nehme ich die in den Mund"). Ein Maschinenbaustudent ließ sich von einem Seil auf Luftballons plumpsen und trieb seinen Großeltern im Publikum das Wasser in die Augen. Geradezu rührend. Zwei Krankenhausangestellte schmissen Operationsbesteck runter und erkannten am Klang des Aufpralls, was es war ("Ein Schlitzhammer!"). Und sieben Stammtischbrüder manövrierten bei voller Fahrt zwei Bagger von einem Hänger zum anderen. Was man halt so macht in seiner Freizeit, wenn man ins Fernsehen will.

Nicht einmal den Gästen auf der Couch konnte man einen Vorwurf machen. Sie plapperten den größtmöglichen Unsinn in der wenigen Zeit, die ihnen zur Verfügung stand. Inka Bause, die Bauern-Verkupplerin von RTL, gab Einblicke in die Praktiken ihres Senders, die man so nicht erwartet hätte ("Wir versuchen, die Bauern vor der Presse zu schützen. Dann sind alle happy und glücklich"). Wladimir Klitschko führte Gottschalk in die Konventionen der ukrainischen Namensgebung ein ("Wie heißt dein Vater?" - "Hans" - "Dann würdest du bei uns Thomas Hansevitch Gottschalk heißen"), und Kevin Costner zeigte ihm die Allüren eines abgehalfterten Hollywoodstars.

Schon im Vorfeld hatte es Ärger mit dem Amerikaner gegeben, weil dem das geplante Bühnenbild für die Fernsehpremiere seiner Country-Band Modern West nicht gepasst hatte. Das ZDF wollte es mehr rustikal mit Holz und Hufeisen, Costner schlicht und ohne Cowboy-Applikationen. Der Besserung der Laune des Schauspielers, Regisseurs und jetzt auch noch Musikers war auch nicht zuträglich, dass Gottschalk ein Hohelied auf dessen Film "Waterworld" sang. Niemand wird jemals erfahren, was ihn dazu trieb. Der Film kann es jedenfalls nicht gewesen sein. "Waterworld" gilt als einer der größten Rohrkrepierer der Filmgeschichte. Die wenigen Zuschauer im Kino lachten an den dramatischen Stellen. Costner zog denn auch die Konsequenzen: Er verschwand nach seinem Auftritt aus der Show und wird so schnell nicht mehr im deutschen Fernsehen zu sehen sein.

Einzig Sophia Loren hatte ein Einsehen mit dem tütteligen Gastgeber. Als der mehr und mehr die Kontrolle über den aufgedrehten Jungschauspieler Matthias Schweighöfer verlor ("Du stiehlst mir die Schau!"), hatte die 75-Jährige einen formidablen senilen Aussetzer. Sie kramte plötzlich in ihrem rechten Ohr herum und wollte gar nicht mehr damit aufhören. Der Grund stellte sich erst Ewigkeiten später heraus: Loren hatte beim Auftritt von Kiss den Dolmetscher-Knopf gegen zwei Lärmschutzstöpsel eingetauscht. Das hatte sie danach ganz vergessen und wunderte sich, dass keiner mehr übersetzte. Sie konnte froh sein. Denn so verpasste sie Gottschalks kläglichsten Versuch eines Lachers: "Wenn sich zwei Italienerinnen treffen, sprechen sie über Pasta." Den Spruch hätte sich selbst Hans-Joachim Kulenkampff vor dreißig Jahren verkniffen. Es war ein Trauerspiel, ein fast pünktliches noch dazu. Nur gerade mal schlappe zwanzig Minuten hatte Gottschalk überzogen. Das war auch einmal anders. Der Mann ist echt alt geworden.

Allzeittief bei der Quote Die Superstars der Olympiade und von Dieter Bohlen haben die Einschaltquoten des ZDF-Flaggschiffs "Wetten, dass ..?" in ein Allzeittief gedrückt. Nur 7,8 Millionen Zuschauer wollten die Unterhaltungsshow sehen, die am Samstagabend aus Erfurt übertragen wurde. Mit einem Marktanteil von 25,3 Prozent konnte Thomas Gottschalk zwar noch die Führung ins Ziel retten, aber die Konkurrenten waren in Sichtweite. Diese Entwicklung hatte der Moderator bereits vor der Sendung befürchtet, als er von einer "ziemlichen Zange" sprach. Gleichzeitig merkte er an, dass ihm Quoten zwar wichtig seien, sie aber nur wenig über Qualität aussagten. Bohlen kam mit seiner Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" auf 5,29 Millionen Zuschauer und ließ bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen die Familienshow im Zweiten deutlich hinter sich: mit 3,33 Millionen (27,8 Prozent) zu 2,38 Millionen (20,3). Die Übertragung der Winterolympiade im ARD kostete Gottschalk weitere Punkte. So fieberten fast sechs Millionen Zuschauer nach 22.00 Uhr bei der Entscheidung im Viererbob mit. Die Konkurrenz mit Bohlen hatte "Wetten, dass..?" bereits im Dezember zu spüren bekommen. Damals wurden 8,94 Millionen Zuschauer gezählt. Im Januar konnte Gottschalk sich dann wieder über die Marke von 10 Millionen retten. dpa

Von Mark Stöhr
 
 
KOMMENTARE (10 von 69)
 
MendiCus (01.03.2010, 20:55 Uhr)
Sie haben schon lange.......
überzogen, Herr M.S denn für den Stern gebe ich seit langem keinen Cent mehr aus.Henri Nannen dreht sich bestimmt im Grab herum, auch wenn Sie keine wirklichen Themen haben.
hevosenkuva (01.03.2010, 18:22 Uhr)
Bohlen zu besseren Quoten schreiben?
Wenn paralellel zu "Wetten, Dass..." die Bohlen-Superstars auf RTL laufen und der Stern zum gleichen Konzern gehört wie RTL, was rechnen wir uns da aus? Der Stöhrfaktor soll Gottschalk aus dem Rennen schreiben, damit Bohlen seine Quote aufpolieren kann.
dreissigvau (01.03.2010, 17:15 Uhr)
Großer Fehler:
..."Da gibt es".. ist natürlich richtig.

Zu Kevin Kostner:
Die Unlust in Person. Nicht Schade,
wenn der Wolfstänzer in den USA bleibt!
dreissigvau (01.03.2010, 17:09 Uhr)
Herr Stöhr,
Sie mögen die Sendung nicht.

Das gibt es ein einfaches Mittel:

Schalten Sie um! Am Besten auf
einen Sender, der ihr Niveau hat.


MisterBrezeldent (01.03.2010, 16:24 Uhr)
WETTEN DASS ...
es sich nicht um einzelne "senile Aussetzer" dieser Unperson, sondern um eine "infantile Fehlbesetzung" in ihrer Gesamtheit handelt. DENN: Wenn einer, der mit Mühen kaum, seine Jackett-ästhetik hält im Zaum, schon glaubt, dass Frankenfeld er wär, so irrt sich der.
Hamskibamski (01.03.2010, 15:45 Uhr)
Die Menschen sind übersättigt vom TV, dass Gottschalk da nichts mehr reissen kann, liegt wohl nicht an seiner Person.
Das TV-Publikum von heute braucht seine Dröhnung Bohlenbeleidigung und Ekelgrenzenausreizung bis zum Exitus, wo man über andere so richtig ablästern kann.

Gute TV Unterhaltung mit etwas Anspruch, wird wohl von der Mehrheit der Gesellschaft nicht mehr erwünscht.
Obwohl ich hier Wetten-Dass nicht zu den Anspruchsbomben der deutschen TV-Unterhaltung zähle. Aber immer noch 1000 mal besser wie der beleidigende Ekelbohlen der Anstand in seinem Leben wohl nur mit Löffeln gefressen hat !

Ich kann mich noch an die guten alten Zeiten erinnern, wo man sich auf die Samstag Abend Unterhaltung die ganze Woche gefreut hat.
Heute ist man von dem TV-Angebot absolut überreizt und es ödet einen fast nur noch an.
Selbst gute Unterhaltung nimmt man durch das Überangebot nicht mehr richtig wahr.
Malt (01.03.2010, 15:15 Uhr)
Gottschalk...
...war auch nicht besser als er jünger war... nur, das waren halt andere Zeiten... in den 80ern hat man halt über andere Sachen gelacht als man das heutzutage tut. Traurig finde ich halt imemr, wenn's sich die Leute selbst scheinbar nicht eingestehen können, dass Ihr Zenit schon seit 15 -20 Jahren überschritten ist...
MendiCus (01.03.2010, 15:05 Uhr)
Oh, Sie junger Hüpfer Herr Stöhr
Daß Sie in ihrem jugendlichen Alter lieber Bauer sucht Frau oder big Brother sehen, liegt auf der Hand aber es ist nicht mein Niveau. Im senilen Alter ( 59) schau ich mir doch lieber mit Enkelkind(10) "Wetten das" an und lebe weiter ohne Dummpfbackenfernsehen auf die Gefahr hin für senil gehalten zu werden.
nichtvergessen (01.03.2010, 14:13 Uhr)
Steckt der Stern in der Krise ?
Oh Gaehn, Herr Mark Stoehr.
Wenn man mal so die Schlagzeilen des Herrn Stoehr betrachtet, als da waeren :


Die Super-Duper-Dieter-Show

Titten statt Töne

Karaoke der Kopfamputierten

Einmal den Dieter knuddeln

Dieters Doppel-Ja braucht perfekte Beißer

Verloren im Nuschel-Nirwana

Trash und Tränen

Oben-ohne-Mädchen im Rosenbad

Rockladys im Schüttelfieber

Lizenz zum Blankziehen

Kackburger und Speichellecker (Wetten Dass 179.Folge)

Der Kampf gegen den Brechreiz

Ich steck' dir Curry in den Hintern"

kann man sich ein Bild von der "Kunst" des Journalisten machen.

In vier Jahren erschienen 63 "Artikel" meist ueber Dieter Bohlen,
oder oder No-Names in No-Names Shows.

Achja und ein eher langweiliges Interview im April 2008.

Woher kommt also die Kompetenz des personal Super Duper Knuddel Dieter Bohlen Schreibers?

Hat der Stern so etwas wirklich noetig oder steckt er da wo Herr Stoehr gerne den Curry hintersteckt ?
jo04 (01.03.2010, 14:12 Uhr)
live dabei
Ich hatte das große Glück, für das letzte Wetten dass in Erfurt 2 Karten zu ergattern und mir das alles mal aus nächster Nähe anzuschauen. Auf Thommy lass ich sowieso nichts kommen. Ich wüsste nicht, wer diese Show besser moderieren sollte. Er gehört zu dieser Sendung wie Mick Jagger zu den Stones. Was nun die Gäste und die Wetten anbetrifft, so ließe sich sicher streiten. Allen alles recht zu machen, geht nicht. Aber so auf Gottschalk und Wetten dass einzutreten, wie in diesem Artikel ist einfach unqualifiziert und dümmlich. Das die Einschaltquote diesmal schwächelte hat eindeutig mit Olympia und dem DSDS auf RTL zu tun. Ich freue mich jedenfalls auf die nächste Wetten dass -Show mit Gottschalk & Co!!
MEHR ZUM ARTIKEL
TV-Kritik zu "Wetten, dass ..?" Heidi, hilf!

Um am Samstagabend im Fern-Duell gegen Dieter Bohlen zu bestehen, holte sich Thomas Gottschalk Unterstützung von Heidi Klum. Ob's geholfen hat? mehr...

"Spitzel"-Vorwürfe ZDF-Intendant Schächter tadelt Brender

"Falsch, maßlos und inakzeptabel": ZDF-Intendant Markus Schächter hat die Vorwürfe des scheidenden Chefredakteurs Nikolaus Brender barsch zurückgewiesen. Brender dürfe nicht die Arbeit seiner Kollegen mit Verdächtigungen belasten. mehr...

Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft