Ein Lob auf Putin und sein "großes Land"

4. Januar 2013, 13:45 Uhr

Neu-Russe Gérard Depardieu hat seinen Nationalitätenwechsel bestätigt. In einem Brief bedankt er sich bei Kremlchef Putin für den Pass. Und fordert schon ganz staatsmännisch: "Ehre sei Russland".

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Das russische Staatsfernsehen "Erster Kanal " zeigte ein Foto Depardieus und druckte daneben ein Schreiben ab, in dem sich der Schauspieler angeblich zu seinem Nationalitätenwechsel äußert.©

Obelix nun bei den Russen: Der französische Schauspieler Gérard Depardieu ("Asterix und Obelix") hat nach eigenen Angaben aus Liebe zu Russland und Kremlchef Wladimir Putin die Nationalität gewechselt. "Ja, ich habe diese Anfrage auf einen Pass gestellt und ich bin erfreut, dass meiner Bitte stattgegeben wurde", zitierte der Staatsfernsehsender "Erster Kanal" aus einem Brief von Depardieu. Putin hatte Depardieu am Vortag die russische Staatsbürgerschaft verliehen.

Das Staatsfernsehen druckte den Brief auf seiner Internetseite im russischen und französischen Wortlaut ab. Die französische Variante ist allerdings so holprig formuliert und enthält Rechtschreibfehler, so dass manche bezweifeln, ob Depardieu den Brief selbst verfasst hat. Die Lobpreisungen auf Präsident Putin, das russische Volk und seine Kultur lesen sich eher wie ein Propagandawerk des Kremls als ein ernst gemeintes Statement des französischen Schauspielers.

"Ich habe darüber sogar mit meinem Präsidenten, François Hollande, gesprochen. Ich habe ihm all dies gesagt. Er weiß, dass ich Ihren Präsidenten Wladimir Putin sehr schätze und dass dies gegenseitig ist", heißt es in dem Text. Russland sei kein Land, in dem der Regierungschef einen Bürger "erbärmlich" nenne. Der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault hatte Depardieus Plan, aus Protest gegen eine geplante Reichensteuer von 75 Prozent auszuwandern, als "ziemlich erbärmlich" kritisiert. In Russland gilt allgemein ein Steuersatz von 13 Prozent.

Telefonat mit Hollande

Mit Frankreichs Präsident Hollande telefonierte der Schauspieler laut französischen Medien am Neujahrstag. Darin sagte Depardieu nach Angaben des befreundeten Filmproduzenten Arnaud Frilley, er sei "angewidert" vom Umgang mit ihm in Frankreich. Die Berichterstattung sei fürchterlich, er brauche etwas Abstand. "Im Herz der Franzosen bleibt er Franzose", sagte Frilley, "die Cineasten lieben ihn." Der Élysée-Palast bestätigte das Telefonat, sagte aber nichts zum Inhalt.

Dass Depardieu Symphatien für Russland und Putin hegt, ist bekannt. Der 64-Jährige dreht in Russland regelmäßig Filme, besucht Galas und tritt als Werbefigur auf. Putin bezeichnete den Schauspieler auf einer Pressekonferenz Mitte Dezember als "guten Freund" und bot ihm die russsische Staatsbürgerschaft an. Dass Putin dieses Vorhaben nun tatsächlich umsetzte, sorgt in Depardieus Heimat Frankreich für Entsetzen.

"Diese 75 Prozent-Reichensteuer ist ein wirtschaftliches, politisches und diplomatisches Fiasko, über das man nicht lachen sollte", schreibt die konservative Tageszeitung "Le Figaro". "Ein chinesisches Sprichwort sagt, wer den Reichen eine Diät vorschreibt, lässt die Armen verhungern. Putins respektlose Herausforderung ist nicht der erste Affront an die Adresse Frankreichs. (...) Hollande sollte den Rückzug antreten, bevor wir zum Gespött der ganzen Welt werden."

Die französische Regionalzeitung "Presse de la Manche" aus Cherbourg am Ärmelkanal kommentiert Putins Aktion ironisch. "Wir dachten, Gérard Depardieu wollte für immer bei den Belgiern landen, wo es sich gut leben lässt (...). Doch nix da! Wladimir Putin, gerührt über das traurige Schicksal dieser Kino-Legende (...), hat die rettende Aktion vollbracht. Dieser große Bewunderer der Kunst im allgemeinen und der französischen Kultur in besonderen hat in aller Eile ein Dekret erlassen, um Gérard Depardieu mit sofortiger Wirkung die russische Staatsangehörigkeit zu bewilligen. Damit wird der Schauspieler nicht staatenlos, nachdem er angekündigt hat, er wolle auf seinen französischen Pass und die dazugehörene Nationalität verzichten."

"Er hat nicht mehr alle Tassen im Schrank"

Nicht nur französische Medien, auch russische Oppositionelle äußeren sich kritisch zu Depardieus angeblichem Nationalitätenwechsel. Der Blogger Anton Orech schrieb auf der Website des Radiosenders "Moskauer Echo": "Lasst uns unsere Pässe jedem geben, der viel Geld hat und Zuhause keine Steuern zahlen wil." Depardieus Entscheidung, wegen zu hoher Steuern seiner Heimat den Rücken zuzukehren, zeige, dass er "Geld mehr liebt als das Vaterland". Ein russischer Facebook-Nutzer schreibt über Depardieu: "Er bewundert unsere Demokratie - er hat nicht mehr alle Tassen im Schrank." Ein Nutzer des Online-Netzwerkes Live Journal lästert: "Wegen Geld aus seinem Land abzuhauen... das ist so russisch - er ist einer von uns!"

Depardieus Steuerflucht aus Frankreich sorgt seit einem Monat für erhitzte Gemüter. Anfang Dezember wurde bekannt, dass der Schauspieler sich ein Haus in Belgien gekauft hatte, um weniger Steuern zahlen zu müssen. Verärgert über die folgende öffentliche Empörung kündigte Depardieu an, die französische Staatsbürgerschaft aufgeben zu wollen.

Depardieu flüchtet per Motorroller

In seinem Schreiben verspricht Depardieu, nun Russisch zu lernen. "Mein Vater war Kommunist und hat Radio Moskau gehört. Das ist ein Teil meiner Kultur." Der Brief "an die russischen Journalisten" endet mit dem auch bei Nationalisten beliebten Ruf "Ehre sei Russland".

Depardieu selbst wurde am Freitag in Paris gesehen. Auf einem Motorroller sei er von zu Hause losgefahren, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Sein Edel-Restaurant "La fontaine gallon" nahe der Opera Garnier war zeitweise von Fotografen belagert. Ukrainischen Medien hatten zuvor gemeldet, Depardieu halte sich in Kiew auf.

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