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3. April 2009, 08:09 Uhr

Marie dominiert im Haifischbecken

Da sage noch mal einer, Fernsehen mache dumm. In der achten Folge von "Germany's next Topmodel" lernten die Models, dass man unter Wasser keine Luft bekommt und Mobbing zum guten Ton gehört. Und Marie durfte etwas über ihre "orale Haltung" erfahren. Von Mark Stöhr

Heidi Klum, Models, ProSieben, TV-Sendung,

Letzte Instruktionen, bevor es ins Meer geht. Den Mädchen ist die Sache unheimlich© Oliver S./ProSieben

Heinz Erhardt konnte einiges nicht leiden, doch eines ganz und gar nicht: das Fernsehen. Er schrieb ein Gedicht darüber: "Damit wir sehen, was wir hören / Erfand Herr Braun die Braunschen Röhren. / Wir wär'n Herrn Braun noch mehr verbunden, / Hätt' er was anderes erfunden." Zum Beispiel ein Gerät, das rot aufleuchtet, wenn jemand dazu anhebt, etwas Peinliches zu sagen. So könnte man sich rechtzeitig die Ohren zuhalten und die Augen schließen. Die "Braunsche Möhre" wäre bei Topmodels-Juror Peyman Amin auf dauerrot.

Amin hält sich nicht nur für schön, sondern auch noch für schlau. Wie man sich doch täuschen kann! In der achten Folge von "Germany's next Topmodel" zauberte er aus seiner Fleischmütze eine besonders deplatzierte Formulierung: die "orale Haltung". Die hatte er bei Marie zu bemäkeln. Er hätte auch einfach so etwas sagen können wie: Mädchen, mach mal die Kiefer locker - aber nein: "Dein Problem ist deine orale Haltung." Den Satz hat er wahrscheinlich beim letzten Zahnarztbesuch aufgeschnappt.

Auch die anderen Mädchen bekamen in der vierten Woche in Los Angeles Neues zu hören, denn unsere Dumpfbäckchen mussten diesmal unter Wasser. Das ist ganz schlecht für die Frisur. Vor allem aber fand das Unterwasser-Shooting nicht im beheizten Hotelpool statt, sondern im offenen Meer vor Catalina Island. Darüber waren die Mädchen gar nicht happy. Haie, Algen, polare Kälte. Sara war sich sicher, "wir werden sterben, das meine ich ernst", und wollte den Bikini gegen einen Neopren-Anzug tauschen. Und Sarina stellte fest, dass man unter Wasser keine Luft bekommt.

Der größte Problemeisbär war jedoch Katrina. "Ich bin net zimberlich mit der Kälde", sagte die Fränkin, "aber ich atme auch in drei Metern Diefe durch die Nase." Sie wagte es trotzdem und pflügte wie ein frischgeborenes Rentier durchs Wasser. Das verband sie mit den meisten der verbliebenen zehn Kandidatinnen. Immerhin ist keine ertrunken.

Da sich trotz aller Befürchtungen keine Haie zeigen wollten, verlegten die Nachwuchsmodels das Haifischbecken kurzerhand nach Hause. Das Klum-Camp war schon immer eine Schule für schlechtes Benehmen. In der aktuellen Staffel trägt das Mobbing geradezu ausländerfeindliche Züge. Denn im kollektiven Fokus der Beißereien steht mit Larissa nicht nur ein sehr eigensinniges Persönchen, sondern eben auch eine Österreicherin. Die Mädchen attackieren die 16-Jährige, wo es nur geht. Wer musste beim Ausflug nach Miami allein im Hotel übernachten? Larissa. Wer bekam beim internen Entscheid darüber, wer mit zu einem Casting durfte, die meisten Gegenstimmen? Larissa. Und als sie bei der Chearleader-Challenge krank das Training abbrach, bellte Jessica in die Kamera: "Mit dieser Frau habe ich kein Mitleid. Die geht mir links und rechts am Arsch vorbei." Auch eine Reality-Soap hat irgendwo ihre Grenzen.

Klum und Co. verfolgen das unwürdige Spektakel insgeheim mit Genuss. Heidi Gouvernante spielte es als normales Wettbewerbsverhalten herunter ("Die zicken sich einfach ein bisschen an") und Peyman gab halbherzig die Super-Nanny ("Wir suchen hier nicht 'Germany's next Mobbing Master'"). Der Konflikt bringt der Show noch einen Rest an Zündstoff, den die immergleichen Schwachmaten-Aufgaben schon längst nicht mehr liefern können. Larissa kann sich jedenfalls sicher sein, noch ein paar Runden unbeschadet zu überstehen, bis die Dramaturgie sie ausspuckt. Und Maria kann sich schon mal heimlich ihr Cosmopolitan-Cover basteln. Sie ist die unumstrittene Königin im Camp. Unter Wasser war sie die einzige Meerjungfrau, hielt sich vornehm aus dem Zoff der Zofen heraus und angelte sich den Job als Kampagnengesicht für einen Hersteller von Sonnenbrillen. Sie müsste sich schon beide Beine brechen und mit dem Kopf in den Toaster fallen, um das Rennen noch zu verlieren. Silber wird an Sara gehen, Bronze an Marie, vorausgesetzt, sie bekommt ihre "orale Haltung" in den Griff.

Von Mark Stöhr
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
SethusCalvisius (05.04.2009, 23:43 Uhr)
Bemerkenswert
Am bemerkenswetesten an dem Artikel finde ich die Tatsache, dass der Stern einen Bericht über eine der überflüssigsten Fernsehsendungen als Top-Artikel seiner Internetseite unter "Lesetipps" anbietet. Sind die Redakteure tatsächlich der Meinung, dass sie keinen bedeutenderen Artikel geschrieben haben? Soviel Selbstkritik hätte ich ihnen ja gar nicht zugetraut. :-)
Zur Diskussion hier:
Im Grunde könnte man hier die Kommentare zu ähnlich anspruchsvollen Sendungen hineinkopieren. Es ist immer das gleiche Schema: Die einen mosern über "Unterschichtfernsehen", die anderen werfen ihnen im Gegenzug "pseudointellektuelles Geschwafel" vor.
Mir solls egal sein. Ich sehe mir die Sendung nicht an, schon weil ich Heidi Klum nicht mag. (die wird m.E. ziemlich überschätzt) Das heißt aber nicht, dass ich nur arte sehe. Ich habe auch nichts dagegen, wenn andere Leute diese Sendung gerne sehen. Mich ärgert nur, dass man dabei vera... wird, denn der ganze Ablauf, selbst die kleinen oder größeren Skandale sind genau durchkalkuliert, um die Einschaltquoten hochzutreiben. Das unterscheidet solche Shows eben von den ganzen Billig-Serien oder Filmen, die erst gar nicht vorgaukeln, real zu sein.
Chris24 (04.04.2009, 08:22 Uhr)
Comedyformat
In der Sendung sieht man eine Klum mit spitzer Nase und Falten, die mit schriller Piepsstimme unscheinbare Mädchen verheizt und vorführt. Keine wird je ein Topmodel werden, entweder hat die Frau keinen Geschmack (siehe ihre Männer) oder sie erträgt keine Konkurrenz, denn diese Mädchen sind absolut unscheinbar und nie im Leben hübsch oder haben gar das Zeug zum Topmodel. Sie hat auch in den bisherigen Staffeln keines gefunden und war selbst nie ein Topmodel. Sie ist nie auf den großen Schauen gelaufen! Die Sendung ist für viele eine Art Belustigung oder Comedysendung, aber ernst nimmt die Sendung niemand und schon gar nicht in der Modebranche.
Tut_nix_zur_Sache (03.04.2009, 14:38 Uhr)
@Schlammschwimmer
Ahh, noch so ein altkluger Lehrer der mir sagen will was wirklich entspannt und was Müll ist.
Danke, brauch ich nicht, ich kann selbst denken.
Schlammschwimmer (03.04.2009, 14:30 Uhr)
Ähem..
Jesses, da fühlen sich gleich wieder welche auf den Schlips getreten und das, obwohl man seine Bewunderung für das standhafte Aufsaugen dieses Vakuums zum Ausdruck gebracht hat. Dass es durchaus alternative Methoden der Entspannung nach einem Arbeitstag gibt, scheint manche Klientel sogar richtiggehend zu stören. Ich wusste ja gar nicht, dass ich schon sowas von im 21.Jahrhundert lebe, in der das Konsumieren der Ausscheidungen medialer Halbwellen zur Lebensart eines eloquenten Zeitgenossen mittleren Alters gehört.
Ich persönlich regeneriere mich schlafender Weise auf meinem Sofa, statt wertvollen Strom zu verbrauchen, der ohnehin nur Müll generiert. Denn wenn ich Müll sehen wollte, würde ich einen Blick in die dafür vorgesehene Tonne riskieren. Am Ende käme das selbe heraus, wie im Abwasser-Kanal Pro7, nämlich nichts. Was offensichtlich wie reaktionäres Verhalten interpretiert wird, könnte bei näherer Betrachtung sogar als fortschrittlich gedeutet werden.
Glücklicherweise hat mir der liebe Gott einen gehörigen Anteil Humor mit auf den Weg gegeben, der selbst von penetrierender Humorlosigkeit beleidigter Egozentriker nicht erschüttert wird, nur, weil die sich bei irgendetwas ertappt fühlen und glauben, sich dafür rechtfertigen zu müssen. Darüber glaube ich nicht, dass es dem Journalisten Mühe bereitet hat, den Artikel zu verfassen. Mir hat er gefallen. Jedem das Seine.
danov (03.04.2009, 11:26 Uhr)
das einzige, das ich nicht verstehe...
ich meine, ich lese diese artikel sehr gerne, und ich schau auch ab und zu bei diesen sendungen rein (mann muss ja wissen, worüber gelästert wird...). aber warum wird nur über drei sendungen gelästert (GNT, DSDS und Wetten dass)? Das heutige fernsehen hat doch noch so viel mehr schande zu bieten als diese drei formate... ich persönlich bin ein riesen-fan der sendung frauentausch (das war gestern wieder oacar-reif!). dabei kann ich zwar nicht abschalten, weil ich permanent den drang, meinen kopf gegen den tisch zu schlagen, unterdrücken muss, aber es ist phasenweise sehr amüsant, und doch erschreckend zugleich... um jetzt nur mal ein beispiel zu nennen...
wir sind eine generation medialer voyeure, und das fernsehen bedient das. aber es wäre eben nur halb so lustig, würde es niemanden geben, der sich darüber aufregt (auf prosieben gab es mal ein erotik-format - mir fällt der name nicht mehr ein - niemand hats gesehen, aber jeder wusste exakt, was gesendet wurde...)
die zeiten ändern sich, die dummheiten bleiben...
amüsierte grüsse
vegefranz (03.04.2009, 10:44 Uhr)
wenn diese Unterschichten-Kids etwas im Fernsehen erleben wollen, ist doch oK
dieses erlebnis kann Ihnen keiner mehr nehmen. Muss man auch nicht gucken (Bald ist wieder Bundesliga und/oder schönes Wetter)
Vincent_Vega (03.04.2009, 10:19 Uhr)
vielleicht sollte ich mir die Sendung mal ansehen
denn hübsche Mädels bekomme ich den ganzen Tag nicht zu sehen; dem Artikel nach scheinen es aber eher noch geistig kleine Mädels zu sein.
Aber hey, bei Mädels im Alter von 16-21 Jahren soll man nicht viel erwarten.
Jack_ONeill (03.04.2009, 09:44 Uhr)
Larrisa aus Österreich
Ich muss schon sagen, diese Österreicherin hat echt nicht alle Tassen im Schrank.
Jetzt wisst ihr wieso wir sie zu euch exportiert haben, schade das sie nicht geblieben ist ^^
tolate (03.04.2009, 09:30 Uhr)
@Tut_nix_zur_Sache
Genau so sehe ich es auch. Ich kann nach einem harten Arbeitstag auch nicht bei 3Sat oder ARTE ausspannen. Die Einschaltquoten sprechen für sich. Es ist ein bischen wie bei McDonalds, niemand mags aber die Läden sind Proppevoll. Die ganzen Komentare - Pseudointellektuelles Geschwafel -
tobix (03.04.2009, 09:27 Uhr)
@Tut_nix_zur_Sache
Da muss ich Ihnen weitgehend zustimmen. Allerdings ist bei mir das Fremdschämen stark ausgeprägt, ich kann mir da einiges nicht antun und schalte stellenweise den Ton kurz ab oder gehe aus dem Zimmer (wenn die Freundin meckert :). Am Stück kann man das Zeug allerdings auch nicht schauen - die viele Werbung machts auch nicht besser. Timeshift ist dein Freund, da bekommt man die Grundzüge in einem Drittel der Zeit durch.
.
Interessant ist, dass das Format so super funktioniert. Erstmal im Fernsehen, und dann lesen sich viele (auch erklärte Sendungs-Hasser) die Zusammenfassung auf stern.de durch. Lästern macht halt auch Spaß :)
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