Prinz Cool

23. August 2012, 18:11 Uhr

Die Welt schmunzelt, das Königshaus ist pikiert: Die Nacktfotos von Prinz Harry sorgen im Buckingham Palast für schlechte Stimmung. Warum eigentlich? Nie war der Party-Prinz cooler. Von Jens Maier

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Britische Boulevardzeitungen kennen am Donnerstag nur ein Thema: den nackten Prinz Harry©

Die Queen ist "not amused". Mal wieder. Für Unmut sorgt erneut der jüngste Spross der königlichen Familie, Henry Mountbatten-Windsor. Der hat es bei seinem Urlaub in Las Vegas so richtig krachen lassen. Erst feierte er im Pool des Luxushotels "The Wynn" mit diversen Bikinischönheiten, danach ging die Party in einer Suite weiter. Strip-Billard soll er gespielt haben - und war dabei offensichtlich nicht sonderlich erfolgreich. Das Promiportal "TMZ.com" veröffentlichte am Mittwoch zwei Fotos von Prinz Harry, auf denen er mit einer unbekleideten jungen Dame und nichts außer einer Halskette und seiner Armbanduhr am Leib zu sehen ist. Die Nachricht vom nackten Party-Prinzen verbreitete sich in Windeseile im Internet. Zähneknirschend hat der Buckingham Palast inzwischen die Echtheit der Bilder bestätigt. Doch während die Welt über den Royal ohne Unterhose schmunzelt, ist das Königshaus schockiert.

Noch vor wenigen Tagen fungierte Harry offiziell bei den Olympischen Spielen in London als Vertreter der Queen. Neben Staatsgästen aus aller Welt winkte er von der Ehrentribüne des Olympastadions fröhlich in die Kameras und schüttelte brav die Hände von Olympiasiegern. Vergessen die Zeiten, in denen er mit einer Hakenkreuzbinde am Arm zu einer Kostümparty aufmarschierte oder mit seinen Sauftouren wöchentlich in den Boulevardzeitungen für Schlagzeilen sorgte. Im Frühjahr beendete er seine Ausbildung zum Kampfhubschrauberpiloten als Jahrgangsbester, bekam viel Anerkennung für seine offizielle Auslandsreise in den Commonwealth-Staat Jamaica, wo er PR-wirksam im 100-Meter-Sprint gegen Usain Bolt antrat und - voll bekleidet wohlgemerkt - zur Musik von Bob Marley tanzte. Der ewige Tunichtgut war endlich erwachsen geworden - so schien es. Und jetzt das. Der nackte Hintern des Prinzen auf Fotos im Internet.

Leibwächter in Erklärungsnot

Einer von Harrys Partyfreunden hat die Fotos mit einer Handykamera aufgenommen und soll sie mehreren Medien zum Kauf angeboten haben. "TMZ.com" griff sofort zu. Dass der Queen der Anblick ihres völlig entblößten Enkels erspart blieb, hat sie nur amerikanischer Prüderie zu verdanken - die Website verdeckte den königlichen Allerwertesten mit einem roten Sternchen. Während Harry schon auf dem Rückflug nach London war und dort bei Oma zum Rapport antreten soll, ist die Pressestelle von Clarence House, der offiziellen Residenz des Prinzen, ratlos: Wie konnte das nur passieren? Nicht nur der 27-jährige Prinz ist in Erklärungsnot, sondern vor allem sein Begleitschutz. "Wir sind für seine Sicherheit zuständig, nicht dafür, sein Leben zu regeln", rechtfertigte sich Polizeichef Bernard Hogan-Howe in der "Sun". Trotzdem gehört es eigentlich zu den Aufgaben der Sicherheitsbeamten, derartige Unannehmlichkeiten wenn nicht zu verhindern, dann doch zumindest diskret abzuwickeln. Oberste Regel: keine kompromittierenden Fotos des Prinzen.

Da Harrys Sittenwächter versagt haben, bemühte sich das Königshaus eilig um Schadensbegrenzung. Mit allen Mitteln musste verhindert werden, dass die Fotos in britischen Zeitungen erscheinen. Sollte die für gewöhnlich nicht zimperliche britische Yellow-Presse den nackten Prinzen abdrucken, drohe eine Beschwerde beim Presseaufsichtsrat, ließ ein Sprecher die Redaktionen wissen. Und die durch die Skandale um das Revolverblatt "News Of The World" angeschlagenen Blätter gehorchten - allerdings anders als erwartet. Sie druckten den nackten Harry nicht ab, stellten die Szene aber nach. So prangt auf dem Titelblatt der "Sun" am Donnerstag neben der Überschrift "Harry grabs the crown jewels" ("Harry greift nach den Kronjuwelen") ein Foto eines nackten Mannes in Prinz-Harry-Pose mit dem Vermerk: "Sun stellt verbotenes Foto mit eigenem Harry nach".

Aus Prinz Harry wird Prinz Cool

Mit diesem Meisterstück des Boulevardjournalismus scheint die jahrelange Arbeit am Imagewandel der Nummer drei in der britischen Thronfolge zerstört. Aus dem heroischen Hubschrauberpiloten, dem Offizier und Gentleman, der sich mit einer eigenen Wohltätigkeitsstiftung für Aids-Kranke in Afrika einsetzt und bei öffentlichen Auftritten seinen Pflichten als Vertreter der britischen Krone nachkommt, ist nun doch wieder der ewige Partyprinz geworden. Scheinbar zumindest. Denn in Wahrheit ist Prinz Harry längst Prinz Cool.

Seinen großen Bruder, Prinz William, hat er als Frauenschwarm abgehängt. Harry ist neben Prinz Carl Philipp von Schweden der begehrteste Junggeselle in Europas Adelshäusern. Sein Lausbubencharme kommt an. Außerdem hat er sich bei seinen Kameraden im Militärdienst höchsten Respekt erarbeitet, weil er niemals eine Extrawurst als Prinz einforderte. Harry ist ein Kumpel-Typ, weit entfernt von jeder Attitüde, die ihm als Adelsspross vielleicht sogar zustehen würde. Er ist Sportskanone und Rampensau zugleich. Die britische Bahnradfahrerin Laura Trott schwärmte nach ihrer Begegnung mit ihm bei den Olympischen Spielen: "Weil wir keinen Flaschenöffner zur Hand hatten, hat er das Bier mit der bloßen Hand geöffnet." Geht's noch cooler? Ja! Nach Berichten der "Daily Mail" soll er sich nachts um drei Uhr im Hotelpool des "Wynn" ein Schwimmrennen mit Olympiasieger Ryan Lochte geliefert haben. Das hat er zwar erwartungsgemäß verloren, doch allein für die Idee hätte er wohl eine Medaille verdient.

Harry ist der Prinz der Herzen

Stattdessen muss sich Harry in Großbritannien für sein Verhalten rechtfertigen. Die Nacktfotos seien ein Image-Gau, heißt es. Dabei sind da ein spanischer König, der auf Steuerzahlerkosten auf Großwildjagd geht, ein schwedischer König, der unlängst zugeben musste, jahrelang Affären gehabt zu haben oder ein britischer Thronfolger, der seiner ehemaligen Mätresse, die heute seine Ehefrau ist, einst ins Telefon flüsterte, er möchte ihr "Tampon" sein. Dagegen erscheint das Verhalten von Harry wie das eines Klosterschülers: Ein 27-jähriger junger Mann, der Single ist, auf eigene Kosten Urlaub macht und dabei ein wenig über die Stränge schlägt, weil er sich im Hotelzimmer nackig macht. Keine Prostituierten, keine Sexgeschichten, keine Drogen - sondern ein harmloser Spaß.

Das sehen offenbar auch viele seiner Untertanen so. In unzähligen Kommentaren verteidigen sie ihren Party-Prinzen. "Der arme Junge. Er kann nicht mal ein verrücktes Wochenende in Vegas haben, ohne dass gleich die ganze Welt davon erfährt", schreibt ein Leser der "Daily Mail" auf deren Onlineseite. "Was ist das Problem?", fragt ein anderer, "darf ein junger Mann keinen Spaß haben, nur weil er der Enkel der Queen ist?". "Seid fair zu Harry", fordert ein weiterer User. "In meinen Augen macht er die königliche Familie sympathischer. Statt Überheblichkeit sorgt er für ein bisschen Spaß." Es scheint, als habe Harry die Queen zwar gegen sich, doch das Volk auf seiner Seite. Der Party-Prinz ist der Prinz der Herzen. Der Anblick seines nackten Hinterteils macht ihn noch sympathischer.

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