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23. Januar 2008, 08:28 Uhr

"Ich fühle mich bereit für den Tod"

War es Selbstmord? Oder ein Unfall? Der Schauspieler Heath Ledger starb in New York, vermutlich an einer Überdosis Tabletten. Er wurde nur 28 Jahre alt. Es heißt, er habe an Depressionen gelitten - eine Folge seiner Trennung von der Schauspielerin Michelle Williams, mit der er eine kleine Tochter hatte. Von Ulrike von Bülow, New York

War auf dem Sprung zur großen Weltkarriere: Heath Ledger© Dima Gavrysh/AP

Der Eingang von Hausnummer 421 Broome Street, Downtown Manhattan, ist nicht zu sehen. Der Gehweg vor dem hellen Altbau mit den hohen Fenstern ist verstopft, genauso die Straße: überall Polizisten und Paparazzi, deren Fotoapparate hektisch blitzen, und Fernsehreporter, die in Kameras sprechen, deren Scheinwerfer grell leuchten. Etwas abseits steht Tamba Moss, ein Mann mit Dreadlocks, der Hausmeister von 421 Broome Street, und sagt, er könne es nicht fassen, dass Heath Ledger tot sein soll. "Er war ein ganz normaler Kerl, unauffällig und nett. Er grüßte, er respektierte jeden hier", sagt Tamba Moss und schaut zu Boden.

Der Schauspieler lebte in einem Apartment im vierten Stock, und an diesem Dienstag ist er dort gestorben, mit 28 Jahren, vermutlich an einer Überdosis Tabletten. Es ist noch unklar, ob es Selbstmord war oder nicht, ein Ermittler aber, der vor Ort war, sagt, es habe eher nach einem Unfall ausgesehen; einen Abschiedsbrief hat Ledger jedenfalls nicht hinterlassen. Genaueres soll eine Autopsie am Mittwoch bringen, klar ist bislang: Die Polizei schließt Fremdverschulden aus.

Es war 20 nach drei an diesem Nachmittag in New York, als Ledgers Haushälterin und eine Masseurin, die einen Termin bei ihm hatte und von der Haushälterin hereingelassen worden war, an seine Schlafzimmertür klopften. Als keine Antwort kam, gingen die beiden Frauen hinein. Am Mittag hatte seine Haushälterin ihn noch schnarchen hören, aber nun lag Ledger reglos auf seinem Bett. Sie rief den Notarzt, doch dessen Wiederbelebungsversuche waren vergebens; um 15.35 Uhr Ortszeit am 22. Januar 2008 wurde Heath Ledger für tot erklärt.

Keine Drogen, kein Alkohol

Die Polizei sagt, um sein Bett herum seien Schlaftabletten verstreut gewesen. Man habe Valium in seiner Wohnung gefunden und Diazepam und Alprazolam, beides Medikamente gegen Angstzustände, die ihm verschrieben worden waren. Nichts weise darauf hin, dass er Alkohol getrunken habe, illegale Drogen seien bei ihm auch nicht gefunden worden.

Ledger war noch nicht lange in diesem Apartment in der Broome Street zu Hause, das monatlich 23.000 Dollar Miete kostete. Er war im vergangenen Herbst hierher gezogen, nachdem er und seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Michelle Williams, sich getrennt hatten. Es heißt, sie habe die Trennung gewollt, aber er habe damit nicht umgehen können. Ledger hätte sich zurückgezogen und in den vergangenen Monaten kaum noch geschlafen. Von Depressionen und von extremen Stimmungsschwankungen des Hollywood-Stars ist die Rede.

Gemeinsame Tochter mit seiner Filmpartnerin

Ledger und Williams hatten sich bei den Dreharbeiten zu "Brokeback Mountain" kennengelernt, jenem Film, in dem Heath Ledger einen von zwei Cowboys spielte, die sich ineinander verlieben, was ihm 2006 eine Oscar-Nominierung als "Bester Schauspieler" einbrachte – fortan gehörte er zur A-Liste Hollywoods. Williams spielte im Film seine Frau. Im wahren Leben zeugten die beiden ein Mädchen namens Matilda, das am 28. Oktober 2005 in New York zur Welt kam. Die kleine Familie zog nach Brooklyn, drüben auf die andere Seite des East Rivers, in ein wasabigrünes Haus auf der Dean Street in Boerum Hill. Man sah sie dort den Kinderwagen durch die Gegend schieben, er trug die frisch gebügelten Hemden aus der Reinigung neben ihr her, manchmal war er allein mit seinem Skateboard unterwegs. Nachdem es mit Williams vorbei und Ledger nach Manhattan gezogen war, richtete er seiner Tochter ein Kinderzimmer ein, das identisch war mit ihrem Kinderzimmer in Brooklyn – Matilda sollte sich immer wie zu Hause fühlen, egal, ob sie bei Mami oder Daddy übernachtete.

Mit diesem Film wurde Ledger (li.) berühmt: "Brokeback Mountain" (Szenenfoto mit JaKe Gyllenhaal)© DPA

Michelle Williams, die mit Matilda in Schweden weilte, machte sich gestern noch auf den Weg nach New York. Ihr Vater Larry Williams sagte dem "Daily Telegraph" in Australien: "Wir sind alle sehr traurig. Am schlimmsten ist es für Heath' Tochter, die er abgöttisch geliebt hat."

Teenie-Komödien nicht sein Ding

Ledger, dessen voller Vorname Heathcliff Andrew lautete, wurde im April 1979 in Perth geboren. Seine Mutter, eine Französischlehrerin, und sein Vater, ein Ingenieur, trennten sich, als er zehn Jahre alt war. Ledger stand schon zu Schulzeiten auf der Bühne, mit 17 verließ er die Schule und ging nach Sydney, um als Schauspieler zu arbeiten. Er wurde für ein paar Fernsehserien engagiert und zog alsbald nach Los Angeles, wo er "Der Patriot" mit Mel Gibson drehte und 2001 dann die Hauptrolle in "Ritter aus Leidenschaft" bekam. Später war er mit Julia Stiles in der Teenie-Komödie "10 Dinge, die ich an dir hasse" zu sehen, aber Teenie-Komödien waren nicht sein Ding. Weitere Angebote, den Teenie-Darling zu spielen, lehnte er ab. "Das war eine schwere Entscheidung", sagte dazu Ledger, "weil mein Agent mich für verrückt erklärte und meine Eltern meinten: Junge, du musst doch Geld verdienen, damit du etwas zu essen hast."

Doch Heath Ledger drehte lieber Filme wie "Monsters Ball" oder eben "Brokeback Mountain" – Problemfilme, die ihn forderten. Zuletzt war er in der Bob-Dylan-Biografie "I'm not there" zu sehen, in der er eine der sechs Rollen spielte, die den Musiker verkörpern. Er sei auf diese Rolle nicht besonders stolz, sagte Ledger der "New York Times" im vergangenen Herbst, er schien ziemlich gelangweilt zu sein von der Schauspielerei: "Ich habe das Gefühl, ich verschwende meine Zeit, in dem ich mich immer wiederhole. Ich fühle das Gleiche bei allen Dingen, die ich mache. Der Tag, an dem ich sage, jetzt ist es gut, ist der Tag, an dem ich damit beginnen sollte, etwas ganz anderes zu tun."

"Lebe in meinem Kind weiter"

Und dann sprach Heath Ledger von seiner Tochter, von Matilda: "Ein Kind zu haben verändert jeden Teil deines Lebens - zum besseren natürlich. Die Opfer sind groß, aber was du dafür bekommst, ist größer als das, was du dafür opferst", sagte er. Und: "Ich fühle mich auf eine Art bereit für den Tod, weil ich in meinem Kind weiter lebe." Und in seinen Rollen. Im Sommer 2008 wird "The Dark Knight" in die Kinos kommen, die Fortsetzung von "Batman Begins". Ledger spielte darin den Joker, er hat den Film gerade noch abgedreht.

Von Ulrike von Bülow, New York
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
_Lea_ (25.01.2008, 18:29 Uhr)
@Dewerth
Es ist immer traurig zu lesen, dass manche Menschen sich über Details dermaßen aufregen, dass sie sich in meinen Augen wie kleine Kinder verhalten. Warum sollten wir in den Augen der STERN-Redakteure "Kleingeister" sein???
Ich verbitte mir derartige unterstellungen, warum in aller Welt lesen Sie denn dann bitte dieses Magazin?
Vielleicht sollten Menschen wie sie lieber zu einfacheren Lektüren greifen, ich empfehle an dieser Stelle die Boulevard-Presse.
madlien (24.01.2008, 17:18 Uhr)
er wurde gewarnt
angeblich warnte Nicholson Heath Ledger vor der Rolle des Joker, die er selbst vor fast 20 Jahren hatte. Nachzulesen bis jetzt nur auf englischsprachigen Seiten. Vielleicht erfährt man hier bald mehr. Ein Interview mit Nicholson hierzu wäre sicher interessant. Die Psychopathenrolle scheint Heath wohl in die Schlaflosigkeit getrieben zu haben, welche er mit Tabletten bekämpfen wollte. Schade um den symphatischen Kerl.
slowmovement (24.01.2008, 13:57 Uhr)
Warum depressiv?
Depressionen könnten einen möglichen Selbstmord des talentierten Schauspielers erklären. Ich meine jedoch, dass die Ursachen für Depressionen in der Kindheit zu suchen sind und nicht in der Trennung von einer Lebenspartnerin, zumal die Depressionen offenbar auch mit schweren Medikamenten bekämpft wurden. So schmerzhaft und belastend eine Trennung ist, ich glaube, dass ein gesunder Erwachsener diese normalerweise durch Trauerarbeit überstehen kann, wenn keine außergewöhnlichen Umstände vorliegen (gewalttätiger Partner etc.) Die in dem Interview beschriebene Empfindung von Sinnlosigkeit weist für mich auf tiefergehende Verletzungen hin, die das grundlegende Lebensgefühl beeinträchtigen. Eine Scheidung der Eltern im Alter von zehn ist für sich schon stark traumatisierend. Ich möchte vermuten, dass es noch weitere Belastungen für das Kind Heath gab. Kindheitstraumata sind in unseren westlichen Gesellschaften häufig und wenn man nachforscht, kann man Leiden Erwachsener wie z.B. Depressionen, immer wieder auf sie zurückführen. Leider!
Redaktion (23.01.2008, 16:59 Uhr)
@abascot
Lieber abascot,
vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Fehler behoben.
Herzlichst,
Ihre stern.se-Redaktion
philmoe80 (23.01.2008, 14:53 Uhr)
@abascot
wenn sie meinen, dass die einfache meldung über den tod eines symphatischen schauspielers ausschlachtung bedeutet, dann halte ich das für mehr als übertrieben!
lassen sie mal die kirche im dorf!
gruß
abascot (23.01.2008, 14:18 Uhr)
@Redaktion
Noch eine kleine Korrektur: Michelle Williams ist US-Amerikanerin, keine Australierin ... die Info bedarf michtmal einer umfangreichen Recherche, da die Medien ja wie eine ausgehungerte Meute über das tragische Ereignis hergefallen ist. Traurig - nicht nur der frühe Tod eines guten Schauspielers - sondern wieder einmal die Art, wie dieser ausgeschlachtet wird.
docmart (23.01.2008, 10:41 Uhr)
Valium®
ist ein Medikament das aufgrund seines Wirkstoffs (Diazepam) zur Gruppe der Benzodiazepine gehört. Valium ist der von Hoffmann La Roche ersonnene Markenname. Man hat also Diazepam und Alprazolam gefunden.
Viele Grüße...
whismerh2 (23.01.2008, 10:27 Uhr)
@redaktion
stern.de-Redaktion ???
sind die für mich sehr geschätzten admins der stern redaktion ausgestorben ?
wär schad drum
whismerh2 (23.01.2008, 10:19 Uhr)
Vollkommen egal
ob falsch geschrieben oder nicht
wer macht keine Fehler.
Schade ist es um diesen klasse Schauspieler von dem noch einiges zu erwarten gewesen wäre.
Ich fande ihen in seine Rollen echt
absolut sympatisch und überzeugend.
Redaktion (23.01.2008, 10:17 Uhr)
@Aenea
Liebe Aenea,
vielen Dank für Ihren Hinweis auf den falschen Filmtitel. Wir haben diesen nun korrigiert.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Redaktion
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