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TV-Tipp 26.6.: "Die Unsichtbare": "Sex ist für mich wie Kuchen essen ..."

Schauspiel mit tödlichen Nebenwirkungen: Christian Schwochow holt "Black Swan" auf die deutsche Theaterbühne - und weckt Erinnerungen an die Tode von Heath Ledger und Maria Kwiatkowski.

Wie weit darf das Spiel gehen? Fine (Stine Fischer Christensen) erfindet sich für Theaterregisseur Kaspar Friedmann (Ulrich Noethen) neu - und verliert sich selbst.

Wie weit darf das Spiel gehen? Fine (Stine Fischer Christensen) erfindet sich für Theaterregisseur Kaspar Friedmann (Ulrich Noethen) neu - und verliert sich selbst.

"Die Unsichtbare"
22.45 Uhr, ARD
DRAMA IM THEATERMILIEU Schauspielen ist ein harmloses Wort. Schauen. Spielen. Klingt so einfach. Als könnte man in die Haut eines Menschen schlüpfen wie in einen warmen Wintermantel. Als könnte die nächste Rolle nicht deine Seele kosten. Fine (Stine Fischer Christensen) weiß noch nicht, wie sehr ihre Seele in Gefahr ist. Noch schreit sich die junge Theaterschauspielerin ihre Freude aus dem Hals. Schließlich hat ihr Starregisseur Kaspar Friedmann (Ulrich Noethen) gerade die Hauptrolle in seinem neusten Stück "Camille" angeboten. Und das völlig unerwartet, war Fine doch völlig übermüdet auf der Bühne eingeschlafen.

Fine ist "Die Unsichtbare", wie Regisseur Christian Schwochow sein Filmdrama passend überschreibt. Unsichtbar vor ihrer Mutter, deren Sorgen und Nöte sich nur um Fines behinderte junge Schwester Jule (grandios: Christina Drechsler) drehen. Unsichtbar für ihren Nachbarn Joachim (Ronald Zehrfeld), den sie aus der Ferne anschmachtet. Und unsichtbar auf der Bühne, wie ihre Schauspiellehrer befinden.

Nur für Kaspar Friedmann ist Fine sehr, sehr präsent. Die junge, so überaus zerbrechlich wirkende Frau fasziniert ihn so sehr, dass er ihr die Rolle des sexhungrigen Vamps Camille ("Sex ist für mich wie Kuchen essen. Ich esse und esse und kriege doch nie genug.") zutraut - und sie dazu treibt, in die Abgründe von Camilles und ihrer eigenen Seele zu stürzen. Und wir glauben es Ulrich Noethen, dass sich der Regisseur nicht (nur) von fleischlichen Gelüsten hat bewegen lassen. Ja, sein Friedmann ist ein krankes, egozentrisches Arschloch. Aber eins, dessen Wahnsinn ganz darauf gerichtet ist, das bestmögliche Stück zu erschaffen.

Man fühlt sich tatsächlich an "Black Swan" erinnert, und diesen Vergleich muss sich der Regisseur auch gefallen lassen. Aber "Die Unsichtbare" hat mir besser gefallen. Mag sein, dass der Film eine Spur zu psychologisierend daher kommt, bisweilen gar in Klischees abtaucht. Aber er ist auch roher, ehrlicher, näher dran am Leben. Und er erinnert mich an die tragischen Tode von Heath Ledger, Philip Seymour Hoffman und Maria Kwiatkowski. Menschen, die alles für das Schauspiel gegeben haben. Zuletzt sogar ihr Leben.

P.S.: Einsfestival wiederholt den Film morgen um 20.15 Uhr.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Das unsichtbare Mädchen"
20.15 Uhr, Arte


KRIMIDRAMA Seit elf Jahren geht ein Riss durch die oberfänkische Gemeinde. Damals verschwand die achtjährige Sina. Die einen glauben, ihren Mörder gefunden zu haben, die anderen bezweifeln das. Weil nichts wirklich bewiesen ist und eine Zeugin von damals tot an der Landstraße liegt, sondiert der Kommissar aus der Kreisstadt noch einmal die Lage. Tanner (Ronald Zehrfeld) trifft auf einen kaltgestellten Ermittler (Elmar Wepper) und dessen Nachfolger (Ulrich Noethen), der nur nach vorne schaut. - Dominik Graf verdichtet einen wahren Fall zum Seelenkrimi mit politischem Hintergrund. Der einst Verurteilte ist inzwischen freigesprochen, der Fall bis heute nicht gelöst. (bis 22.00)

"Rock'N'Rolla
23.50 Uhr, ProSieben

GANGSTERGROTESKE Bevor Guy Ritchie mit "Sherlock Holmes" zum Blockbusterregisseur aufstieg, drehte er flotte kleine Gaunereien. In dieser laviert Gerard Butler durch eine wirre Story aus dem Londoner Immobilienfilz. Nicht nur er hat sichtlich Spaß an der Sache. (bis 2.00)