Hart, aber herzlich

28. August 2007, 15:27 Uhr

Er ist berühmt für Penislänge, Potenz und saftige Pointen. Und in den USA bekannt wie ein bunter Hund. Pornostar Ron Jeremy über sein Leben zwischen Hardcore-Sex und Hollywood-Glamour. Von Irmgard Hochreither und Christine Kruttschnitt

Ron Jeremy, 54, ist eine der dienstältesten Helden des Beischlaf-Business©

Ein heißer Sommernachmittag in Los Angeles. Zum Interview erwarten wir einen Mann, den so gut wie jeder erwachsene Amerikaner kennt. Könnte nur sein, dass so mancher ein kleines Problem damit hat, dies auch zuzugeben. Ron Jeremy, 54, geboren als Ron Hyatt in New York, wohnhaft in Hollywood, ist vor allem berühmt für ausgeprägte Steher-Qualitäten in fast 2000 Pornofilmen. Doch er gilt auch als "smart". Als ein cleverer Außenseiter, der es geschafft hat, ganz selbstverständlich zwischen Sexgeschäft und der glamourösen Film-und-Party-Szene zu pendeln. Morgens Gruppensex am Pornoset, abends zum Dinner mit Superstar Matt Damon. Als der König des "Rein-und-raus-Business" schließlich eintrifft, sehen wir einen stämmigen Hell's Angel im Bonsai-Format aus einer weißen Spießerkarre steigen. Schlabbriges Riesen-T-Shirt, schwarze Turnvater-Jahn-Gymnastikhose, Gummilatschen. Er winkt uns zu sich und drückt uns mit den Worten "mein Lieblingsbuch" einen Fotoband in die Hand.

Sentimentaler Tierfreund mit Plauze und Schnurrbart

Darin geht es um die Freundschaft zwischen einem Flusspferdbaby und einer Riesenschildkröte. Sein Handy klingelt, und als er das mit Begeisterungsrufen gespickte Gespräch beendet hat, trompetet er stolz: "Das war die Produktionsfirma von Danny de Vito. Er will mich für einen Cameo-Auftritt in seinem neuen Film." Dann ordert er per Telefon noch schnell einen Kopf Römersalat für seine Schildkröte Cherry. "Den frisst sie halt am liebsten." Sex wäre wirklich das Letzte, woran man angesichts dieses sentimentalen Tierfreunds mit Plauze und Schnurrbart denken würde. Doch irgendein Witzbold hat einen erigierten Phallus in den Staub der Autorückscheibe gemalt. Ein ziemlich großes Ding. Wobei wir dann doch schnell beim Wesentlichen sind.

Mister Jeremy, in Ihrem Geschäft zählt jeder Zentimeter. Wie lang ist Ihr bestes Stück?

Ich sage immer: fünf Zentimeter ... vom Boden entfernt. Aber ernsthaft, mein Arbeitsgerät misst 24,6 Zentimeter.

Haben Sie den Längsten im Business?

Nein, diese Ehre gebührt dem verstorbenen John Holmes. Er protzte gern damit, dass er 35 Zentimeter hätte, aber es waren wohl eher 28. Meiner ist jedoch lang genug, um ganz vorne mitzumischen.

Wann hatten Sie Ihren letzten Porno-Dreh?

Vor einer Woche, hier in Kalifornien.

Sie sollen mit mehr als 4000 Frauen Sex gehabt haben. Sind Sie für diese Spitzenleistung von Feministinnen schon einmal mit faulen Eiern beworfen worden?

Das wäre doch mal was. Aber nein, ich höre im schlimmsten Fall Sätze wie: Ihre Filme sind abstoßend, ekelhaft, frauenfeindlich. Ich sage dann immer: Alles klar, aber Sie müssen die Filme ja nicht anschauen. Ich versuche immer, die Diskussion zu entschärfen. Außerdem gab es in meiner 29 Jahre währenden Karriere nie einen Streifen mit brutalen Sexszenen. Ihr in Deutschland macht die härtesten Filme der Welt. Dieses ganze Hardcore-Sado-Maso-Zeug ist bei uns sowieso verboten. Ich mache lustigen Blümchensex.

Können Sie trotzdem nachvollziehen, dass viele Frauen die Vorstellung nicht besonders komisch finden, zum allzeit verfügbaren Sexobjekt degradiert zu werden?

Ach, wissen Sie, auch in unserem Business wandeln sich die Geschlechterrollen. In vielen meiner Filme bin ich der Sklave der girls. Sie dominieren eindeutig die Situation. Außerdem ist es ein Märchen, dass die sexuellen Fantasien von Frauen soft und sauber sind. Im Gegenteil! Entweder schauen sie überhaupt keine Pornos, oder ihre Fantasien sind genauso schmutzig wie die der Männer.

In der US-Sexindustrie werden Milliarden umgesetzt, aber in einigen Staaten ist es gesetzlich verboten, dass ein Baby nackt am Strand spielt. Ist diese Prüderie nicht ein Widerspruch?

Ich sage nur eins: Christen. Diese moralinsauren Eiferer sind das Problem. Sie würden am liebsten alles ausmerzen: Pornografie, Prostitution, Lesben und Schwule, das Recht auf Abtreibung, die Stammzellenforschung. Wir Amerikaner sind eigentlich gar nicht prüde. Schauen Sie sich die College-Kids an. Schulen und Universitäten im ganzen Land laden mich ständig zu Vortragsabenden ein, um mit mir über Pornografie, Sex und Moral zu diskutieren. Seit zehn Jahren stelle ich mich diesen Debatten. 2005 war ich sogar Gast der Oxford-Universität. Die jungen Leute, Schüler und Studenten, sind meine größten Fans. Auf meinen Reisen quer durch den amerikanischen Bibel-Gürtel, von Georgia bis Oklahoma, habe ich eins gelernt: Diese Kids wollen sich ihren Spaß an Sex und Pornos von niemandem verderben lassen. Schon gar nicht von ultrakonservativen Moralaposteln.

Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zur Religion?

Ich respektiere jeden, der einen festen Glauben hat. Und ich bin glücklich, ein jüdischer Junge zu sein. Doch zur Kirche gehe ich fast ausschließlich, wenn Hochzeiten gefeiert werden. Das Beste daran: Dort gibt es Kaffee und Donuts für alle. Wenn ich meinen Bauch so betrachte, war ich wohl in den letzten Jahren ein bisschen zu oft in der Synagoge.

Seine Autobiographie

Seine Autobiographie "Ein Mann und 4000 Frauen", Ron Jeremy und Eric Spitznagel, 320 S., Schwarzkopf & Schwarzkopf, 14,90 Euro

Schlagwörter powered by wefind WeFind
AIDS Hollywood Pornografie Pornostar Potenz Riesenschildkröte SEX
KOMMENTARE (4 von 4)
 
AliceWalsh (29.08.2007, 12:13 Uhr)
Ja, schade...
... dieses Interview haette ich gerne auf Englisch gelesen. Ron Jeremy ist ein witziger Mensch und seine Filme sind absolut nicht frauenfeindlich. Wie gesagt, wer sie nicht leiden mag muss sie ja nicht anschauen!
Brandenburg (29.08.2007, 03:04 Uhr)
Schade
dass ihr keine englische Seite habt. Meine Frau wuerde den Artikel zu gerne lesen. Der waere hier ein Renner.
Gruss aus Kanada
Nada_Mucho (28.08.2007, 21:20 Uhr)
Nötig?
Ich habe diesen Artikel schon vor Wochen gedruckt gesehen, finde aber,dass der Stern es nicht nötig hat, sich auf solch ein Niveau herabzulassen. Sollen die von Beate Uhse sich doch um ihn kümmern. Mich interessiert nicht, was ein armseliger Sexstar für Qualitäten in der Hose besitzt.
cecifried (28.08.2007, 14:49 Uhr)
Hart, aber herzlich
Also John Jeremy hat also sein Hobby zum Beruf gemacht und er lebt offensichtlich bestens von der Doppelmoral der Menschen. Die beiden Journalistinnen haben aber offensichtlich keine Ahnung, wann Männer in ihren besten Jahren sind. Also mit 54 Jahren hatte auch ich nie Probleme und konnte so oft ich wollte und auch sechs Jahre später gibt es noch keinen Grund, die Firma Pfitzer reich zu machen. Ich glaube es ist mehr eine Frage der Übung. Wer rastet, der rostet.
Lifestyle
Wissenstests Wissenstests Wie gut kennen Sie sich aus mit Promis und Royals? Stellen Sie Ihr Wissen auf die Probe! Zu den Wissenstests