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22. Juni 2011, 11:40 Uhr

Twitterhass nach "Jackass"-Tod

Familie, Freunde und die "Jackass"-Fangemeinde trauern um Ryan Dunn. Und sie wollen keine Wahrheiten hören. Das bekam nun ein US-Filmkritiker zu spüren. Von Sophie Albers

Jackass, Ryan Dunn, Autounfall, Autopsie, Johnnny Knoxville, Bam Margera

Zwei Tage nach Ryan Dunns Tod wird aus Trauer Wut© Christopher Polk/Getty Images

Mit der Wahrheit ist es so eine Sache. Theoretisch ist sie von bestechender Schönheit, jeder will sie, doch wird sie ausgesprochen, wollen die Menschen sie häufig nicht mehr hören. Manchmal wird sie dann einfach überschrien. So geschehen gerade im Fall des Todes von "Jackass"-Stuntman Ryan Dunn.

Dessen Unfalltod - er krachte am frühen Montagmorgen mit seinem Porsche in ein Waldstück, der Wagen ging in Flammen auf, beide Insassen starben - sorgt im Netz für eine beeindruckende Welle der Trauerbekundungen. Dunn, eher ein "Jackass" der zweiten Reihe, hat es mittlerweile zum Helden der Authentizität gebracht: "Wenigstens war er ehrlich", steht zum Gedenken unter einem der Videos seiner bekanntesten Stunts: vom Dach springen, in einer Tonne vom Dach geworfen werden, sich ein Spielzeugauto in den Hintern schieben. Ein Leben scheinbar frei von Vernunft, das sich offensichtlich viele so sehr wünschen. Und Dunns Tod folgen nun heftige Beleidigungen.

"Halt die Fresse"

Als der amerikanische Filmkritiker Roger Ebert - beliebt und gefürchtet für seine gnadenlose, aber gerechte Art - von Dunns Tod erfuhr, twitterte er folgenden Satz: "Friends don't let jackasses drink and drive" (Freunde lassen Jackasses nicht trinken und fahren). Eine Wahrheit so simpel, dass sie eigentlich keiner weiteren Erklärung bedarf. Ja, Freunde sollten aufeinander achten, damit so etwas wie der Tod von Dunn und seinem Beifahrer Zachary Hartwell (ein 30-jähriger, frisch verheirateter Produktionsassistent) nicht passiert. Doch eine solche Wahrheit ist in der kollektiven Trauer, in der sich offensichtlich auch der Verlust eines Lebensideals Bahn bricht, offenbar komplett fehl am Platz.

Auch wenn Dunn kurze Zeit vor dem Unfall Fotos von sich, seinen Freunden und ihren Drinks getwittert hat, Ebert also bestätigt, ist ein wahrer Twitterkrieg gegen den Filmkritiker losgebrochen.

Während Klatschblog-Star Perez Hilton noch rational argumentiert, dass jeder wisse, dass Ebert Recht habe, aber solch eine Zurechtweisung zu diesem Zeitpunkt "gefühllos" sei, reagieren Fans und vor allem Dunns bester Freund und "Jackass"-Kollege Bam Margera mit spuckendem Hass.

"Ich habe gerade meinen besten Freund verloren. Ich habe den ganzen Tag hysterisch geweint", twitterte Margera und nannte Ebert ein "Stück Scheiße", das "die Fresse halten" soll. Er hat das noch "bunter" ausgeschmückt, wie auch Dunn-Fans, die sich in den sozialen Netzwerken in Beschimpfungen gegenseitig übertreffen. Laut Ebert wurde seine Facebookseite wegen des Obszönitäten-Bergs bereits gesperrt.

"Zwei Menschen sind gestorben"

Der 69-jährige, schwer krebskranke Ebert nimmt seinen Satz jedoch nicht zurück. Zwar spricht er den Familien der Toten sein Beileid aus und sagt auch, dass er womöglich zu schnell getwittert habe. Das ändere jedoch nichts daran, dass niemand so schnell fahren dürfe, dass der Wagen gut 35 Meter durch einen Wald kracht, bevor er zum Stehen kommt. Vor allem nicht, wenn der Fahrer zuviel getrunken habe. "Er hat getrunken, er ist gefahren, zwei Menschen sind gestorben. Was, wenn das Auto in ein anderes gekracht wäre?"

Es sei tragisch, einen geliebten Menschen zu verlieren, so Ebert weiter. "Es tut mir leid, dass mein Tweet zu dem, was passiert ist, als grausam empfunden wurde. Es sollte nicht grausam sein, es sollte wahr sein."

Aber "wahr" will eben gerade niemand hören.

Von Sophie Albers
 
 
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