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18. Juli 2008, 10:59 Uhr

Lack und Leder in der Industrieruine

Ganz schön knorke, was Designer ihren Gästen auf der Berliner Fashionweek zumuten: Auch die Show von Joop fand in einer abgewrackten Industrieanlage statt. Der Bauruinen-Schick hatte jedoch seine Tücken. Von Jens Maier, Berlin

Spannender Kontrast: Joop-Kreativdirektor Schönberger lässt ein Model mit verspielter Frisur die schwarzen Lederjacke präsentieren© Fabrizio Bensch/Reuters

"Joop, wat is'n dette?" Der Berliner Sicherheitsbeamte schaut ganz schön verdutzt, als zwei junge Damen in High Heels und im schwarzen Abendkleid ihn nach dem Weg fragen. Im Zwei-Minuten-Takt steigen weitere schick gekleidete Personen aus Taxen und Limousinen vor einem stillgelegten Güterbahnhof im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Dirk Schönberger, Kreativdirektor des deutschen Designer-Labels Joop, hatte sich für seine Modenschau eine besonders ausgefallene "Off"-Location ausgesucht und seine Gäste in die Irre gelockt.

Erst ein nachträglich angebrachtes Schild sorgte für Aufklärung. Mit "Wriezener Bahnhof" war nämlich nicht die Abfertigungshalle des Bahnhofs gemeint, sondern das ehemalige Heizkraftwerk, das diesen Namen trägt. Unter Berliner Partygängern ist diese Industrieruine allerdings hinlänglich bekannt, dort befindet sich nämlich der legendäre Nachtclub "Berghain".

Am richtigen Ort angekommen wartet auf Schönbergers Gäste nicht mal ein roter Teppich. Die Damen müssen - ohne Rücksicht auf die hohen Absätze ihrer Manolo Blahniks - durch Sand stöckeln, vorbei an Bauzäunen der Industriebrache. Waren es im letzten Jahr ehemalige Nazibauten wie das Olympiastadion oder der Flughafen Tempelhof, haben es 2008 den Designern abgewrackte Industrieanlagen angetan. Joop ist nach Hugo bereits die zweite Schau, die im morbiden Umfeld aus rostigem Stahl und Beton gezeigt wird.

Vor diesem Ambiente kam die Show von Dirk Schönberger gut zur Geltung. Der Designer, der vor eineinhalb zu Joop geholt wurde, nachdem die Firma nach dem Ausstieg von Gründer Wolfgang Joop mehr und mehr an Profil und Kunden verloren hatte, zeigte ein nahezu perfektes Spektakel.

Plaste und Elaste wiederbelebt

Mit Orgelklängen aus Bachs Toccata und Fuge in d-Moll eröffnete Schönberger seine Präsentation der Frühjahrs- und Sommerkollektion 2009 von "Joop Jeans", bei der viel Lack und Latex verarbeitet wurde: Plastikhelme und -hüte, Hemden mit Lack-Kragen und –Applikationen, rote Hemden aus Gummi - es scheint, als wolle Schönberger den ehemaligen "VEB Plaste und Elaste" wieder mit Arbeit versorgen. Was teilweise übertrieben wirkte, zeigte sich im Detail als witzige Design-Applikation. Besonders die immer wieder kehrenden Plastik-Abnäher auf Hosen und Hemden in schwarzem Lack kamen gut an. Auffällig waren auch die vielen glänzenden Stoffe. Ob Silber- oder Kupferglanz - der Schimmer-Look bleibt auch im nächsten Jahr Thema.

Bei den Schnitten scheint Schönberger mit sich selbst gehadert zu haben. Neben knallengen Karotten- und Röhrenjeans bei den Herren und hauteng anliegenden Oberteilen bei den Damen gab es auch weit geschnittene Plunderhosen und Mäntel im Kimono-Look zu sehen. Wer seinen Kleiderschrank auf Schwarz umgestellt hat, kann getrost dabei bleiben, sollte aber - wenn es nach Schönberger geht - seinen Look mit ein paar roten Pullis oder Hemden abrunden. Auch Beige schlägt der Designer vor, was allerdings in der Show vor den grau-fahlen Betonwänden noch langweiliger wirkte, als die Farbe ohnehin schon ist.

Die Modemacher rocken

Seine Kollektion sei geprägt von asiatischen Einflüssen, aber auch von urbanen Styles und jungen Leuten, die tanzen möchten, sagte der Designer nach der Show zu stern.de. Und gefeiert wurde nicht zu knapp: Die angereiste Prominenz ließ sich auf der Aftershowparty offenbar von der Aura des Clubs "Berghain" inspirieren. Wo sonst bis in die frühen Morgenstunden wilde Orgien gefeiert werden, tanzten sich Model Eva Padberg, Stylist Armin Morbach und Schauspieler Clemens Schick zu Elektroklängen in Ekstase. Auch der Meister persönlich feierte seinen Erfolg ausgiebig. Bis in die frühen Morgenstunden rockte Dirk Schönberger den Dancefloor. Ob Wolfgang Joop da noch hätte mithalten können?

Von Jens Maier, Berlin
 
 
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