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Der Apple fällt nicht weit vom Stamm

Nanu? Viele Apple-Produkte von heute sehen aus wie Braun-Produkte von gestern. Ein Gespräch mit dem ehemaligen Braun-Gestalter Dieter Rams darüber, wie es so weit kommen konnte.

Herr Rams, hat sich Jonathan Ive, der Designer von Apple, mal bei Ihnen bedankt?

Er hat mir einen sehr schönen Brief geschrieben.

Was stand da drin?

Dass seine Eltern in den frühen 70er Jahren eine Reihe von Braun-Produkten gekauft hätten, von denen er schon als kleiner Junge beeindruckt gewesen sei. Er schrieb, daneben wären ihm alle anderen Sachen im Haus wie langweiliger Plunder vorgekommen. Er habe stundenlang einen Braun-Mixer zerlegt, obwohl er sich damals definitiv noch nicht fürs Kochen interessierte.

Bekommen Sie wenigstens Tantiemen von Apple?

Schön wär's. Da hätte ich ausgesorgt. Jonathan Ive hat mir einen iPod und ein iPhone geschickt. Eine nette Geste.

Das Apple-Design orientiert sich sehr offensichtlich am früheren Design von Braun. Der iPod sieht aus wie der Zwilling Ihres Taschenradios T3 von 1958. Fühlen Sie sich beraubt?

Nein, für mich ist das keine Kopie, sondern ein Kompliment.

Warum hat sich Apple ausgerechnet Braun zum Vorbild genommen?

Erwin Braun sagte einmal, ein Gerät müsse wie ein englischer Butler sein. Zu Diensten, wenn man es braucht. Im Hintergrund, wenn es nicht benötigt wird. Also haben wir vor allem darauf geachtet, dass unsere Produkte leicht zu bedienen sind und auf alles verzichten, was der Benutzer nicht braucht. Genau das macht Apple auch. Keinen Firlefanz.

Ahnten Sie von Anfang an, dass Ihre Geräte einmal Klassiker werden würden?

Nicht im Traum. Das Design ergab sich häufig durch Notwendigkeiten. Nehmen Sie die Radio-und-Plattenspieler-Kombination SK4, den "Schneewittchensarg". Er sollte zunächst einen Blechdeckel bekommen, doch der klapperte. Also versuchten wir es mit Plexiglas. Dass dieser Glasdeckel bald bei anderen Herstellern Standard werden sollte, war nicht vorauszusehen.

Waren die Braun-Produkte damals solche Verkaufsschlager wie heute der iPod?

Als wir 1955 den SK4 vorstellten, prophezeite Max Grundig von der Konkurrenz, dass die Firma bald pleite sei, wenn wir so weitermachen würden. Nicht mal unsere Techniker hätten sich das Ding in die Wohnung gestellt. Gleichzeitig erhielt unser Design eine Menge Anerkennung aus dem Ausland, bereits 1961 stand unsere gesamte Produktpalette im Museum of Modern Art in New York. Braun, vorher nur eine regionale Größe, wurde weltbekannt. Die Phonogeräte polierten unser Image, brachten aber kein Geld. Was die Firma am Laufen hielt, waren die Blitzgeräte und Diaprojektoren.

1997, mit 65 Jahren, verließen Sie das Unternehmen. Wie ist Ihre Meinung zum jetzigen Braun-Design?

In den großen Konzernen wird der kreative Prozess zunehmend von Marketingleuten bestimmt, und die wollen jedes Jahr etwas Neues auf den Markt bringen. Das gipfelt dann in silbernen Sternchen auf Haartrocknern und Schaltern in lila. Dazu möchte ich keinen Kommentar abgeben.

Was können Sie sonst noch gar nicht leiden? Optisch.

Windräder. Und die Müllbeseitigung. Da kann man zwar schön den Müll in gelben, grauen, grünen, blauen und transparenten Säcken trennen, doch an die visuelle Umweltverschmutzung hat leider keiner gedacht.

Interview: Christine Mortag/print

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