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24. August 2005, 10:47 Uhr

"Ich sorge mich um Amerika"

Krieg ist schlecht fürs Geschäft: Zum 20. Geburtstag seines Labels spricht der Modemacher Tommy Hilfiger über seinen Präsidenten, seine erste Pleite - und seinen neuen Partner Karl Lagerfeld.

Tommy Hilfiger in seinem New Yorker Büro. Bilder von Rockstars schmücken die Wände© Boris Breuer

Herr Hilfiger, Ihr Firmenlogo besteht aus denselben Farben wie die amerikanische Flagge: Weiß, Rot und Blau. Zufall oder patriotisches Bekenntnis?

O Gott, nein. Meine Farben haben nichts mit Patriotismus zu tun. Meine Inspiration kam von einer nautischen Flagge und ist - ich gelobe es - nicht den Stars & Stripes nachempfunden.

Fällt es Ihnen schwer, sich in diesen Tagen zu Ihrer Heimat zu bekennen?

Ich bin durch und durch Amerikaner. Es gibt viel Großartiges in diesem Land, aber eben auch viele Probleme. Zurzeit sorge ich mich vor allem um das Image der USA. Weil dieser Präsident auf die Idee kam, einen Krieg gegen ein anderes Land vom Zaun zu brechen.

Waren Sie von Beginn an gegen den Irak-Krieg?

Ich habe nie an diese Geschichten über Massenvernichtungswaffen geglaubt. Außerhalb der USA, speziell in Europa, denkt dummerweise jeder, dass alle Amerikaner die Invasion des Irak befürwortet haben. Es mögen an die 50 Prozent gewesen sein. Leute, die offenbar alles glauben, was ihnen aufgetischt wird. Ich kann nur hoffen, dass der nächste Präsident einen besseren Job macht.

Ihre Marke macht momentan mehr Umsatz in Europa, auf dem amerikanischen Markt gibt es massive Probleme. Hat der Krieg sich unmittelbar auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Der Krieg hat dem Modegeschäft geschadet, das ist ganz eindeutig. Doch von massiven Problemen kann man bei uns nicht sprechen. Wir sind in den USA einfach zu schnell zu groß geworden. Jetzt müssen wir uns anpassen, um wieder gesund wachsen zu können.

American Lifestyle: Hilfiger-Anzeigen vermitteln ein lässiges US-Image

Was bedeutet das konkret?

In den Neunzigern wollten alle Tommy Hilfiger haben. Wir lieferten immer mehr Ware an immer mehr Läden. Irgendwann war das Angebot größer als die Nachfrage, und die Sachen blieben liegen. Nun richten wir uns neu aus.

Warum ist Hilfiger in den USA Massenware und in Europa eher teuer und exklusiv?

Wir verkaufen in den USA in sehr großen Geschäften, in Europa haben wir eigene Flagship-Stores und sind in eher kleineren Boutiquen vertreten. Grundsätzlich gilt: In Europa wird Mode insgesamt mehr wertgeschätzt.

Woran liegt das?

In Europa hat Mode eine andere Bedeutung. Designer wie Yves Saint Laurent werden als Künstler anerkannt, in Amerika gelten sie nur als Marken-Erschaffer. Bei uns geht es nur um Größe. Wer im Mittelfeld mitspielt, ist ein Niemand. Ich aber gehe viel lieber in ein Restaurant mit vier Tischen als in eines mit hundert.

Ist das der Grund, warum Sie sich mit Karl Lagerfeld zusammengetan haben?

Hilfiger ist eine globale Marke, aber Karl ist eine Ikone. Wir haben uns vor einiger Zeit in seiner Wohnung in Paris zum Kaffee getroffen und übers Geschäft gesprochen. Dabei erwähnte ich, dass ich gern eine Marke eines Edel-Designers kaufen möchte. Darauf sagte er: "Warum kaufst du nicht meine?"

Was versprechen Sie sich von der Kooperation?

Lagerfeld nimmt mir keine Kunden weg, im Gegenteil: Die Marke Hilfiger bekommt durch ihn einen exklusiven, klassischen Touch.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 35/2005

Biografie: Von der Boutique zur Börse Thomas Jacob Hilfiger wurde am 24. März 1951 als Sohn eines Uhrmachers in der Kleinstadt Elmira geboren. 1969 eröffnete er dort eine Boutique, Mitte der 80er Jahre gründete er in New York das Label "Tommy Hilfiger", das seit 1991 an der Börse notiert ist. Ursprünglich richtet sich Hilfigers Mode, ähnlich wie die von Ralph Lauren, an die weiße Mittelschicht. Seit Mitte der 90er gilt die Marke auch unter HipHoppern als Statussymbol. 2004 erweiterte er sein Unternehmen um die Marke Karl Lagerfeld. Hilfiger hat vier Kinder.

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