Krieg ist schlecht fürs Geschäft: Zum 20. Geburtstag seines Labels spricht der Modemacher Tommy Hilfiger über seinen Präsidenten, seine erste Pleite - und seinen neuen Partner Karl Lagerfeld.

Tommy Hilfiger in seinem New Yorker Büro. Bilder von Rockstars schmücken die Wände© Boris Breuer
O Gott, nein. Meine Farben haben nichts mit Patriotismus zu tun. Meine Inspiration kam von einer nautischen Flagge und ist - ich gelobe es - nicht den Stars & Stripes nachempfunden.
Ich bin durch und durch Amerikaner. Es gibt viel Großartiges in diesem Land, aber eben auch viele Probleme. Zurzeit sorge ich mich vor allem um das Image der USA. Weil dieser Präsident auf die Idee kam, einen Krieg gegen ein anderes Land vom Zaun zu brechen.
Ich habe nie an diese Geschichten über Massenvernichtungswaffen geglaubt. Außerhalb der USA, speziell in Europa, denkt dummerweise jeder, dass alle Amerikaner die Invasion des Irak befürwortet haben. Es mögen an die 50 Prozent gewesen sein. Leute, die offenbar alles glauben, was ihnen aufgetischt wird. Ich kann nur hoffen, dass der nächste Präsident einen besseren Job macht.
Der Krieg hat dem Modegeschäft geschadet, das ist ganz eindeutig. Doch von massiven Problemen kann man bei uns nicht sprechen. Wir sind in den USA einfach zu schnell zu groß geworden. Jetzt müssen wir uns anpassen, um wieder gesund wachsen zu können.

American Lifestyle: Hilfiger-Anzeigen vermitteln ein lässiges US-Image
In den Neunzigern wollten alle Tommy Hilfiger haben. Wir lieferten immer mehr Ware an immer mehr Läden. Irgendwann war das Angebot größer als die Nachfrage, und die Sachen blieben liegen. Nun richten wir uns neu aus.
Wir verkaufen in den USA in sehr großen Geschäften, in Europa haben wir eigene Flagship-Stores und sind in eher kleineren Boutiquen vertreten. Grundsätzlich gilt: In Europa wird Mode insgesamt mehr wertgeschätzt.
In Europa hat Mode eine andere Bedeutung. Designer wie Yves Saint Laurent werden als Künstler anerkannt, in Amerika gelten sie nur als Marken-Erschaffer. Bei uns geht es nur um Größe. Wer im Mittelfeld mitspielt, ist ein Niemand. Ich aber gehe viel lieber in ein Restaurant mit vier Tischen als in eines mit hundert.
Hilfiger ist eine globale Marke, aber Karl ist eine Ikone. Wir haben uns vor einiger Zeit in seiner Wohnung in Paris zum Kaffee getroffen und übers Geschäft gesprochen. Dabei erwähnte ich, dass ich gern eine Marke eines Edel-Designers kaufen möchte. Darauf sagte er: "Warum kaufst du nicht meine?"
Lagerfeld nimmt mir keine Kunden weg, im Gegenteil: Die Marke Hilfiger bekommt durch ihn einen exklusiven, klassischen Touch.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 35/2005
Biografie: Von der Boutique zur Börse Thomas Jacob Hilfiger wurde am 24. März 1951 als Sohn eines Uhrmachers in der Kleinstadt Elmira geboren. 1969 eröffnete er dort eine Boutique, Mitte der 80er Jahre gründete er in New York das Label "Tommy Hilfiger", das seit 1991 an der Börse notiert ist. Ursprünglich richtet sich Hilfigers Mode, ähnlich wie die von Ralph Lauren, an die weiße Mittelschicht. Seit Mitte der 90er gilt die Marke auch unter HipHoppern als Statussymbol. 2004 erweiterte er sein Unternehmen um die Marke Karl Lagerfeld. Hilfiger hat vier Kinder.