Sieben Kinder sterben bei Großbrand

10. März 2013, 12:25 Uhr

Mitten in der Nacht brach das Feuer in einer Wohnung im schwäbischen Backnang aus. Für mehrere Mitglieder einer Großfamilie kam jede Hilfe zu spät. Als Brandursache wird ein Ofen vermutet.

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Mindestens acht Menschen, darunter sieben Kinder, sind bei einem Feuer in der Innenstadt von Backnang bei Stuttgart ums Leben gekommen. Bei den Opfern handle es sich nach ersten Erkenntnissen um eine Frau und sieben Kinder im Alter von sechs Monaten bis 16 Jahren türkischer Herkunft, sagte ein Polizeisprecher. Die Leichen seien im ersten Obergeschoss des Gebäudekomplexes gefunden worden. Zunächst waren sechs tote Kinder gefunden worden. Am Sonntagmittag wurde eine weitere Kinderleiche gefunden.

In der Wohnung war den Angaben zufolge gegen 4.30 Uhr das Feuer ausgebrochen. Drei Menschen - vermutlich ein elf Jahre alter Junge, dessen Onkel und Großmutter - konnten die Einsatzkräfte von einer Art Balkon retten. Sie kamen in Krankenhäuser. Retter betreuten rund 50 Familienangehörige und Bekannte "Ich hoffe nicht, dass wir weitere Personen finden", sagte der Sprecher. "Ausschließen können wir es im Moment leider noch nicht."

Der türkische Botschafter in Deutschland, Hüseyin Avni Karslioglu, wollte am Sonntag zum Unglücksort kommen. Das sagte ein Sprecher der Botschaft. Der türkische Generalkonsul in Stuttgart, Mustafa Türker Ari, und Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) kamen auch nach Backnang, das in der Nähe von Stuttgart liegt.

Ein Ofen als Brandherd?

Der Großbrand war in einem Häuserkomplex mit mehreren Wohnungen ausgebrochen. Die Flammen erfassten vom ersten Obergeschoss aus schnell die Etage darüber. Die Brandursache war zunächst unklar. Nach Zeugenaussage käme dafür ein Ofen infrage, sagte der Polizeisprecher. Es gebe keine Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Anschlag oder Brandstiftung, betonte er. Den Angaben nach liegt der Sachschaden mindestens im sechsstelligen Bereich.

Die Anlage ist eine frühere Lederfabrik und besteht aus mehreren Gebäuden, die miteinander verbunden sind. 13 Menschen waren in den beiden hauptsächlich betroffenen Wohnungen gemeldet. Es sei zudem nicht ausgeschlossen, dass sich dort mehr Menschen aufgehalten hätten. Rauch drang auch in andere Teile des Gebäudekomplexes.

Die Feuerwehr hatte Unterstützung auch aus umliegenden Städten angefordert. Im Untergeschoss der Anlage mussten zwei Gaststätten evakuiert werden, die bei Ausbruch des Feuers noch gut besucht waren, wie ein Sprecher der Feuerwehr berichtete. Im Erdgeschoss des Gebäudes ist auch ein Deutsch-Türkischer Kulturverein untergebracht. Ein Sachverständiger soll die Brandstelle nach Absprache mit einem Statiker begutachten, um den genauen Hergang des tödlichen Unfalls zu klären.

steh/swd/DPA/Reuters
 
 
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