Michael Fischer ist der Grund, warum Nadja Drygalla aus London abgereist ist. Er will aus der rechten Szene ausgestiegen sein. Im Interview mit stern.de zweifelt Nazi-Kenner Bernd Wagner daran.
Er sagt es. Der alleinige Austritt aus der NPD reicht dafür allerdings nicht aus.
Nein. So einfach ist das nicht. Herr Fischer ist seit geraumer Zeit einer der führenden Köpfe der Nationalsozialisten in der Rostocker Region. Er ist tief in das Netzwerk von Kameradschaften und NPD eingebunden. Er stand bis vor wenigen Tagen stets "an vorderster Front". Seine Milieu ist das militante Milieu, die sich als revolutionär versteht. Aus dieser Ecke kam der NSU. Nationalsozialist ist man mit Haut und Haar, es sind nicht nur einzelne politische, beliebig zu wechselnde Meinungen. Die NPD ist dabei das kleinere Problem. Und ich glaube nicht, dass ein solcher Wandel innerhalb von so kurzer Zeit möglich ist. Es sei denn, das schauspielerische Talent ist groß.
Jemand, der über den Mitgliedszeitraum hinaus auf der Chefebene in der harten Neonazi-Szene aktiv gewesen ist, muss sich fragen lassen, ob der Sinneswandel ernst gemeint ist. Ich hoffe, dass er kein Gauklerstück abliefert. Noch im Juni mokiert er sich öffentlich über die "linke Gutmenschen-Lobby", davor betätigte er sich nach verschieden Quellen mit Anti-Antifa-Aktivitäten. Das dürfte auch dem Verfassungsschutz nicht entgangen sein, der ihn ja permanent im Visier gehabt haben dürfte.
Der Nachrichtendienst und Bestrafungsapparat der Nazis.