HOME

Stern Logo Olympia 2012

Eklat im deutschen Olympia-Team: Ruderin verlässt olympisches Dorf

Die deutsche Ruderin Nadja Drygalla ist aus dem olympischen Dorf abgereist. Es gibt Hinweise, dass sie eine Beziehung mit einem NPD-Funktionär haben soll.

Die Ruderin Nadja Drygalla hat am Donnerstag das olympische Dorf in London verlassen. Über die genauen Hintergründe machte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bisher keine Angaben, Details werden zurzeit auf einer Pressekonferenz im Deutschen Haus bekanntgegeben.

Nach Informationen von "bild.de" hat die 23-Jährige aus Rostock eine Beziehung zu NPD-Funktionär Michael Fischer. Er soll Anführer der Kameradschaft "Nationale Sozialisten Rostock" sein und im Landtagswahlkampf vergangenes Jahr für die NPD angetreten sein.

Polizeidienst quittiert wegen rechter Kontakte

Bereits im März 2011 tauchten im Forum einer Antifaschistischen Gruppe Hinweise auf, die auf eine Beziehung zwischen Fischer und der damaligen Polizistin Drygalla aufmerksam machten. Diese Verbindung soll demnach von beiden Seiten zunächst verheimlicht worden sein. Doch habe der Beruf Drygallas bei den "Nationalen Sozialisten Rostock", denen Fischer angehöre, für Unmut gesorgt. Unter anderem, weil sie für das "Polizei Journal" Mecklenburg-Vorpommern mit Innenminister Lorenz Caffier (CDU) auf der Titelseite posiert habe. Auf einem NPD-nahen Internetportal, für das Fischer Texte verfasse, werde Caffier als "Kaffern-Lori" bezeichnet und der "Gesinnungsschnüffelei" bezichtigt.

Wenig später quittierte Drygalla ihren Polizeidienst, möglicherweise auf Druck ihres Dienstherrn. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie Mitglied der Sportfördergruppe der Polizei. Jüngste Fotos im Internet zeigen Drygalla gemeinsam mit anderen Frauen in szenetypsicher Darstellung und mit eindeutig rechtsextremen Motiven. Auch die Gestaltung dieser Seite wird Michael Fischer zugeschrieben.

"Die Mannschaftsleitung begrüßt diesen Schritt"

DOSB-Generalsekretär Michael Vesper sagte in der Nacht zu Freitag: "Heute erhielt die Mannschaftsleitung der deutschen Olympia-Mannschaft Erkenntnisse zum privaten Umfeld der Rudererin Nadja Drygalla." Es habe deshalb ein "ausführliches und intensives Gespräch" mit der 23-Jährigen im Beisein des Sportdirektors des Deutschen Ruderverbandes, Mario Woldt, gegeben.

Demnach bekräftigte die Rostockerin, "dass sie sich zu den Werten der Olympischen Charta und den in der Präambel der DOSB-Satzung niedergelegten Grundsätzen bekennt", sagte Vesper. Um keine Belastung für die Olympia-Mannschaft entstehen zu lassen, habe Drygalla von sich aus das deutsche Mannschaftsquartier verlassen. "Die Mannschaftsleitung begrüßt diesen Schritt", erklärte Vesper.

Drygalla war in London im Deutschland-Achter gestartet und mit dem Boot im Hoffnungslauf ausgeschieden.

csa/fw/DPA / DPA

Wissenscommunity