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Olympia 2012: Deutsche Ruderin mit Nazi-Freund verlässt olympisches Dorf

Nadja Drygalla ist mit einem NPD-Funktionär zusammen. Sie reist aus London ab. Der Deutsche Olympische Sportbund "begrüßt" die Entscheidung - macht ihr aber ansonsten keine Vorwürfe.

Weil sie mit einem NPD-Mitglied liiert ist, hat Ruderin Nadja Drygalla das olympische Dorf in Richtung Heimat verlassen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) "begrüßte" die Entscheidung, machte aber auch klar, dass die Partnerwahl Privatsache der Athleten sei. DOSB-Präsident Michael Vesper sagte nach einem "intensiven Gespräch" mit der Rostockerin: "Es kann nicht sein, dass man durch einen anderen definiert wird." Natürlich sei die Sache "nicht unproblematisch". Auf die Frage, ob sich die Ruderin von rechtsextremistischem Gedankengut distanziert habe, sagte er: "Selbstverständlich, natürlich. Das war auch völlig zweifelsfrei."

Versper und Achter-Olympiasieger Martin Sauer wiesen "mit aller Entschiedenheit" zurück, dass neonazistische Aktivitäten im deutschen Leistungssport existierten. Würde es Sportler mit rassistischen Tendenzen und ohne klares Bekenntnis zur Demokratie geben, "wäre diese Person nicht mehr in unserer Mannschaft". Sauer sagte, die Abreise "ist ihre Entscheidung gewesen". Hauptgrund sei, dass sie "nicht damit belagert werden will". Der Ruderer sagte: "Man sollte andere Leute nicht über Leute aus dem Umfeld definieren." Es gebe Meinungsfreiheit. "Ich kann der Dame ja nicht vorschreiben, mit wem sie zusammen ist."

Die 23-Jährige ist mit NPD-Funktionär Michael Fischer zusammen. Er soll Anführer der Kameradschaft "Nationale Sozialisten Rostock" und im Landtagswahlkampf vergangenes Jahr für die NPD angetreten sein. Nach einem Bericht von "ndr.de" schied Drygalla nach Gerüchten um ihre Liaison mit einem Neonazi aus dem Polizeidienst des Landes Mecklenburg-Vorpommern aus - möglicherweise auch auf Druck ihres Dienstherrn. Sie war bis dahin Mitglied der Sportfördergruppe der Polizei.

Im März 2011 tauchten im Forum einer Antifaschistischen Gruppe A3" Hinweise auf, die auf eine Beziehung zwischen Fischer und der damaligen Polizistin Drygalla aufmerksam machten. Diese Verbindung soll demnach von beiden Seiten zunächst verheimlicht worden sein. Doch habe der Beruf Drygallas bei den "Nationalen Sozialisten Rostock", denen Fischer angehöre, für Unmut gesorgt. Unter anderem, weil sie für das "Polizei Journal" Mecklenburg-Vorpommern mit Innenminister Lorenz Caffier (CDU) auf der Titelseite posiert habe. Auf einem NPD-nahen Internetportal, für das Fischer Texte verfasse, werde Caffier als "Kaffern-Lori" bezeichnet und der "Gesinnungsschnüffelei" bezichtigt.

"Die Mannschaftsleitung begrüßt diesen Schritt"

DOSB-Generalsekretär Vesper sagte: "Heute erhielt die Mannschaftsleitung der deutschen Olympia-Mannschaft Erkenntnisse zum privaten Umfeld der Rudererin Nadja Drygalla." Deshalb habe er das Gespräch" mit der 23-Jährigen im Beisein des Sportdirektors des Deutschen Ruderverbandes, Mario Woldt, angesetzt. Laut Vesper bekräftigte die Sportlerin dabei, "dass sie sich zu den Werten der Olympischen Charta und den in der Präambel der DOSB-Satzung niedergelegten Grundsätzen bekennt". Um keine Belastung für die Olympia-Mannschaft entstehen zu lassen, habe Drygalla von sich aus das deutsche Mannschaftsquartier verlassen. "Die Mannschaftsleitung begrüßt diesen Schritt".

Drygalla war in London im Deutschland-Achter gestartet und mit dem Boot im Hoffnungslauf ausgeschieden.

fw/csa/tso/DPA / DPA

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