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2. April 2009, 18:24 Uhr

Bruder gesteht sogenannten Ehrenmord

Knapp einen Monat ist es her, da wurde Gülsüm S. tot in einem Waldstück nahe Kleve aufgefunden. Nun ist die Tat aufgeklärt. Die 20-jährige Deutsch-Kurdin musste sterben, weil sie einer Zwangsvermählung nicht zustimmen wollte. Gegen den Vater und den Bruder erging Haftbefehl.

Ehrenmord, Gülsüm, Kleve, Rees

Gülsüm S. wehrte sich gegen eine Zwangsheirat und bezahlte dies mit ihrem Leben© Polizei/DDP

Erst bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und dann mit Knüppeln erschlagen: Der brutale Tod an der Deutsch-Kurdin Gülsüm S. vor einem Monat war ein sogenannter Ehrenmord. Gegen den Vater und den Bruder erging nun wegen gemeinschaftlichen Mordes Haftbefehl. Dies teilten Polizei und Staatsanwaltschaft im niederrheinischen Kleve am Donnerstag mit. Der Bruder habe die Tat gestanden, hieß es. Der Vater bestreite dagegen eine Beteiligung. Die junge Frau aus Rees in der Nähe von Kleve musste den bisherigen Erkenntnissen zufolge sterben, weil sie "die Familienehre beschmutzt" habe. Gülsüm S. sollte gegen ihren Willen verheiratet werden. Doch dann erfuhr die Familie, dass sie keine Jungfrau mehr war und schon mal abgetrieben hatte.

Wegen ihres "westlichen Lebensstils" hatte die junge Frau schon seit Jahren Probleme mit ihrer Familie. Diese habe erwartet, dass sie sich an den konservativen Regeln ihres Herkunftslandes und des muslimischen Glaubens orientieren sollte.

Mehrfach sei sie deshalb auch misshandelt worden. Im vergangenen Jahr habe sie sich daher den Behörden anvertraut und auch Hilfe erhalten. So wurde ihr unter anderem eine Wohnung an einem geheimen Ort zugewiesen. Doch: "Sie konnte ihre Bindung zur Familie nicht lösen", sagte ein Polizeisprecher. Letztlich sei nach Rees zu ihrer Familie zurückgekehrt - mit verheerenden Folgen.

Mit einer Wäscheleine erdrosselt

Als der Vater von dem heimlichen Schwangerschaftsabbruch erfuhr, habe sich der Konflikt in der Familie zugespitzt, berichtete die Polizei weiter. Unter einem Vorwand sei die 20-Jährige dann aus ihrem Elternhaus auf einen einsamen Feldweg gelockt und umgebracht worden.

Ihr Bruder habe Gülsüm S. am 2. März mit einer Wäscheleine bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Anschließend sei sie regelrecht totgeknüppelt worden, berichteten die Ermittler. Der Bruder habe dann ihre Geldbörse an sich genommen, um einen Raubmord vorzutäuschen.

DPA
 
 
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